Politik

Wissenschaftsrat plädiert für einheitlich hohe Standards bei der Ärzteausbildung

Montag, 25. Januar 2016

Berlin – Der Weg zum Arztberuf in Deutschland soll nach Ansicht des Wissenschafts­rates nur über ein Medizinstudium führen, das universitären Ansprüchen genügt. Dies soll nicht nur für die staatlichen medizinischen Hochschulen, sondern auch für die sich in den letzten Jahren zunehmend etablierenden nichtstaatlichen Angebote der Mediziner­ausbildung nach deutschem und nach europäischem Recht gelten, erklärte der Rat im Anschluss an seine Wintersitzungen in Berlin.

Dabei legte er ein Positionspapier vor, das die seiner Ansicht nach grundsätzlichen und einheitlichen Anforderungen an die Medizinerausbildung darstellt und zudem Maßnahmen zur Sicherung ihrer Qualität im nichtstaatlichen Sektor empfiehlt.

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Kern dieser Eckpunkte ist das Festhalten an dem universitären Anspruch des Medizin­studiums und an der Einheit von Lehre, Forschung und Krankenversorgung. Dazu sei eine Ausbildungseinrichtung mit einem aktiven Forschungsumfeld sowie einer strukturell breit verankerten Forschung die Voraussetzung. Die für den Arztberuf zwingend erforderlichen Kompetenzen sollen durch entsprechend qualifizierte und engagierte Lehrende vermittelt werden.

Dies setze die Einbindung von Kliniken voraus, die trotz ökonomischen Drucks der Krankenversorgung bereit sind, Lehre und Forschung einen herausgehobenen Stellenwert einzuräumen und auch zu sichern. Den Medizinstudierenden sollen wissenschaftliche Kompetenzen vermittelt werden, damit sie als künftige Ärztinnen und Ärzte evidenzbasierte diagnostische und therapeutische Entscheidungen treffen und lebenslang dazulernen können.

Private Hochschulen haben Chancen mit innovativen Angeboten
In Deutschland gibt es derzeit sechs Angebote einer nichtstaatlichen Medizineraus­bildung. Grundsätzlich steht ihnen der Wissenschaftsrat offen gegenüber. „Im Sinne der Differenzierung ist diese Entwicklung zunächst einmal zu begrüßen und wir sehen durchaus Chancen der nichtstaatlichen Angebote, insbesondere in der innovativen Gestaltung von Curricula und in der gezielten Auswahl von Studierenden“, sagte der wiedergewählte Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Manfred Prenzel.

Er betonte jedoch auch: „Gleichzeitig sind unsere Erwartungen an eine Ärztin oder einen Arzt bei aller Differenzierung der Ausbildung immer die gleichen: Die bestmögliche Patientenversorgung. Dies zu garantieren, erfordert eine Ausbildung auf höchstem Niveau, auf einem einheitlichen Standard.“

Nichtstaatliche Hochschulen sollen Konzeptprüfung und Akkreditierung durchlaufen
Damit dieser einheitliche Standard auch gewährleistet ist, empfiehlt der Wissenschafts­rat Maßnahmen der Qualitätssicherung auch für den nichtstaatlichen Bereich: Angebote nach deutschem Recht, wie von der Universität Witten/Herdecke oder der Medizinischen Hochschule Brandenburg, sollten verpflichtend eine Konzeptprüfung und Institutionelle Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat durchlaufen. Angeboten nach europäischem Recht, bei denen die künftigen Ärzte teilweise im Ausland studieren beziehungsweise einen ausländischen Abschluss erhalten (Salzburg/Nürnberg, Kassel/Southampton, Budapest/Hamburg, Pesc/Bielefeld), sollte die Option einer solchen Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat als freiwillige Maßnahme ebenfalls angeboten werden, erläuterte Prenzel.

Standards der Medizinerausbildung in der EU-Berufsanerkennungs­richtlinie wünschenswert
Zusätzlich fordert der Rat in seinem Papier die Regierungen der Bundesländer auf, die europarechtlichen Möglichkeiten mit Blick auf eine inländische Qualitätssicherung auszuschöpfen. Zudem seien mittel- bis langfristig konkretere, einheitliche europäische Standards für die Medizinerausbildung, verankert in der EU-Berufsanerkennungs­richtlinie, wünschenswert. 

Bis dahin empfiehlt der Wissenschaftsrat den europäischen Medizinischen Fakultäten und Medical Schools, sich miteinander über die „best practices“ der Mediziner­ausbildung auszutauschen und gemeinsame Standards zu entwickeln. „Dafür bieten unsere Eckpunkte jetzt einen Orientierungsrahmen“, sagte Prenzel. © ER/aerzteblatt.de

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