Politik

Sinnkrisen treiben Pflegekräfte aus dem Beruf

Dienstag, 26. Januar 2016

Bochum – Es ist nicht allein eine als zu gering empfundene Entlohnung, die Pflegekräfte aus dem Beruf treibt. Vielmehr erleben viele Pflegende den Konflikt zwischen ihrem ursprünglichen Berufsideal und dem betrieblichen Alltag als so belastend, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben wollen oder können. Eine entsprechende Untersuchung zu Erwerbsminderungsrenten in der stationären Pflege hat jetzt das Institut Arbeit und Technik (IAT / Westfälische Hochschule) vorgestellt.

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge wird der frühzeitige Berufsausstieg von Pflegekräften häufig als Folge der hohen Arbeitsbelastung erklärt: Die Ökonomisierung der Medizin habe eine Umstrukturierung der Tätigkeiten bewirkt, welche zu einer höheren Arbeitsbelastung geführt habe. „Bisher unberücksichtigt bleibt, dass die ökonomischen und strukturellen Veränderungen vor allem zu einem Wandel des pflegerischen Berufsbildes geführt haben“, heißt es in der IAT-Arbeit. Neben der Gesundheit habe aber auch die Motivation der Beschäftigten einen hohen Einfluss auf deren Arbeitsfähigkeit im Alter.

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„Fabrik Krankenhaus“ verändert das Berufsbild
Die IAT-Autoren sehen die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente als die „individualisierte Lösung eines strukturellen Konfliktes“: Die Pflegekraft verlasse mit der gesellschaftlich legitimierten Begründung „schwere Krankheit“ das Berufsfeld. Die hohen Erwartungen durch die Berufsausbildung könnten in der „Fabrik Krankenhaus“ nicht mehr befriedigt werden. Der Wandel des Berufsbildes habe das berufliche Selbstverständnis der Pflegenden in Frage gestellt und dazu geführt, dass eigene Ansprüche sogar trotz erhöhtem Engagements nicht mehr befriedigt werden könnten.

Der Pflegeberuf ist laut der Arbeit aus der christlichen Krankenpflege entstanden und war daher primär als Berufung konzipiert. Der Lohn sei schon immer gering gewesen und die Belastungen hoch, allerdings habe der Glaube an den Sinn der Tätigkeit den Beschäftigten Kraft gegeben und eine andere Bewertung der Belastung ermöglicht. „Das Element der Berufung ist im Zuge der Ökonomisierung des Gesundheitswesens weitgehend verloren gegangen beziehungsweise wurde auf ein Minimum reduziert“, schreiben die Autoren.

Als mögliche Gegenstrategien sehen die Autoren Ansätze im betrieblichen Gesund­heitsmanagement und Rehabilitationsmaßnahmen mit einem konkreten Bezug zum Beruf. Auch sollten Betriebsärzte und Führungskräfte durch Schulungen besser für die Probleme am Arbeitsplatz und Möglichkeiten der Prävention sensibilisiert werden. © hil/aerzteblatt.de

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LauraSchroeer
am Donnerstag, 25. Februar 2016, 12:21

weitere Pflegekräfte für Folgestudie gesucht

Liebe Leser/innen,
da es sich um die hier vorgestellte Studie um meine Masterarbeit handelt und daher nur ein begrenzter Zeitrahmen zur Verfügung stand, war die Anzahl der befragten Pflegekräfte in EM vergleichsweise gering und viele Informationen wurden über sogenannte Mediatoren eingeholt.
Nun möchte ich den Versuch wagen und die Forschungsergebnisse überarbeiten. In diesem Zuge bin ich auf der Suche nach Pflegekräften, die im Krankenhaus tätig sind oder waren und eine Erwerbsminderungsrenten beantragen möchten/ beantragt haben.
Das Interview dauert ca. 20 Min und kann sowohl telefonisch als auch per Mail durchgeführt werden.
Die Ergebnisse werden im Herbst (anonymisiert und nach vorheriger Freigabe) veröffentlicht.
Viele Grüße
Laura Schröer
jmh-mgh
am Mittwoch, 27. Januar 2016, 12:02

Aber bitte.....

Wir merken sehr wohl, was da geschieht und unsere verbliebene Empathie ist Hauptursache für Unzufriedenheit und Resignation.
Denn! Auf Uns Ärzte Hört keiner mehr und leider gibt es in unseren Reihen zuviele "Kopf-Menschen", die den Bürokraten aus der Verwaltung und den Juristen nach dem Maul reden.
Und leider gibt es zuviele zu feige Kollegen, die aus Existenzangst oder aus finanziellen Überlegungen lieber weiter der "Haus-Sklave" im Dinnerjacket bleiben als den Aufstand zu proben.
Im Gesundheitswesen sitzen wir (die, die einen der Gesundheit oder der Genesung verpflichteten Beruf ausüben) alle in einem Boot! Pflege, Altenpflege, Rettungsdienst, Hebammen und Ärzte.
Wann kommt der Schulterschluß für eine humane und humanistische Berufsorientierung?
Henry I
am Mittwoch, 27. Januar 2016, 08:02

Danke Dr. Meyer...

...für Ihre aufrichtigen Worte.
Meine Zustimmung!
anaesthesist_meyer
am Dienstag, 26. Januar 2016, 20:43

Verlust der Empathie auch im gegenseitigen Umgang miteinander

Betriebliches Gesundheitsmanagement und Rehabilitation allein werden es nicht richten. Der Verlust an Empathie den Patienten gegenüber zieht sich durch alle medizinischen Berufsgruppen. Es gibt keine Zeit für Gespräche mit den Patienten und auch wenig
Gelegenheit für den interkollegialen Austausch. Mitarbeiterversammlungen verkommen großenteils zum Monologisieren von überfor-
derten Stationsleitungen und einzelne kritische und aufrichtig
ehrliche Kolleginnen und Kollegen werden mit Phrasen und Tot-
schlagargumenten niedergebügelt. Und wir Ärzte mischen mit in diesem unsäglichen "Spiel"! Zu Untertanen von Aufsichtsräten und
Geschäftsführern geworden, sind wir froh, wenn wir nach dem Dienst die "sinkenden Schiffe" verlassen können, sind dankbar und froh, dass wir noch einigermaßen verdienen und merken nicht,
was verloren ist und weiter verloren geht!
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