Politik

Integrations­beauftragte kritisiert Wohlfahrtsverbände

Dienstag, 26. Januar 2016

Berlin – Nach Ansicht der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), machen die Wohlfahrtsverbände zu wenige Angebote für ältere Migranten. Da gebe es „durchaus Lücken“, sagte Özoguz am Dienstag in Berlin. „Wir hängen da zurück“, so die Staatsministerin. Sie glaube aber, dass viele Verbände dies auch im Zuge der Flüchtlingsfrage inzwischen erkannt hätten. Sie äußerte sich  bei einem Besuch des Berliner Projekts „IdeM - Informations- und Beratungsstelle für demenziell erkrankte Migrantinnen und Migranten“.

Vor allem mit Blick auf die Gesundheitsversorgung müsse mehr getan werden, so Özoguz. „Schon heute leben mehr als 1,5 Millionen Seniorinnen und Senioren mit Einwanderungsgeschichte in unserem Land.“ Diese Zahl werde rasant steigen auf geschätzt 3,5 Millionen im Jahr 2032. Oft wisse diese Bevölkerungsgruppe kaum etwas über das deutsche Gesundheitswesen, und gerade bei einer Demenz gingen spät erlernte Deutschkenntnisse rasch verloren.

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Beraterin Belgin Habel erklärte, in der Türkei sei der Begriff Demenz als solcher nicht bekannt. Vor allem Angehörige von demenziell Erkrankten suchten ihre Beratungsstelle auf. Ihre Beratungsstelle habe jährlich rund 300 vorwiegend türkischsprachige, aber auch etwa russischsprachige, serbischsprachige und arabischsprachige Klienten. Rund 50 Hilfesuchende betreue sie längerfristig. Sie kooperiere mit Pflegestützpunkten. 

Pflege von Menschen mit Migrationshintergrund: Spezifische Bedürfnisse erkennen

Die Voraussetzungen für die Versorgung von Menschen mit Migrationshintergrund unterscheiden sich nur teilweise von denen der übrigen Bevölkerung. Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland steigt. Das zeigt sich insbesondere in einer Zunahme der häuslichen Pflege.

Ein betroffener Angehöriger betonte, er habe erst lernen müssen, wie er mit seinem an Demenz erkrankten und inzwischen verstorbenen Vater umgeht. „Manchmal musste man ein bisschen lügen und seine Geschichte mitmachen“, meinte er. Etwa wenn der Vater nach seinen Schafen fragte, um die er sich in der Türkei gekümmert habe. In der Beratungsstelle habe er die notwendige Hilfe bekommen. Zugleich habe er sich durch die Selbsthilfegruppe und den Austausch mit ebenfalls Betroffenen gestärkt gefühlt.

Özoguz stellte vor diesem Hintergrund einen Ratgeber mit dem Titel „Warum legt die Oma ihre Brille in den Kühlschrank - Familienalltag mit Demenz in Familien mit Einwanderungsgeschichte“ vor. „Das Thema Demenz ist oft mit Scham besetzt und wird deshalb häufig nicht offen angesprochen“, sagte die Migrationsbeauftragte. Das müsse sich ändern.

Der Ratgeber in türkischer und russischer Sprache richtet sich sowohl an Kinder als auch an Erwachsene. Er erläutert und illustriert Demenz und enthält Tipps für die Gestaltung des Familienlebens sowie Informationen über Hilfsangebote und Beratungsstellen. © dpa/aerzteblatt.de

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