Medizin

Posttraumatische Belastungsstörung verändert Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken

Mittwoch, 27. Januar 2016

Toronto – Soldaten, die an einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, neigen dazu, auf verärgerte Gesichtsausdrücke emotional stärker zu reagieren als gesunde Soldaten. Forscher des Hospital for Sick Children in Kanada berichte im Fachmagazin Heliyon über diese emotionalen Reaktionen und die damit korrelierende Hirnaktivität (doi:10.1016/j.heliyon.2015.e00063).

In der deutschen Bundeswehr erleben rund die Hälfte aller Soldaten im Auslandseinsatz traumatisierende Situationen, die Auslöser einer PTBS sein können. Im Rahmen der ISAF Mission 2009 in Afghanistan zeigten zwei Prozent aller deutschen Soldaten eine klinisch bedeutsame PTBS. Nach Verletzung im Kampfeinsatz kann jedoch die Diagnose einer PTBS schwierig sein. Symptome wie Aufmerksamkeitsstörungen oder Erinnerungslücken können auch durch ein Schädel-Hirn-Trauma bedingt sein.

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Spezifischere Diagnosekriterien und Auffälligkeiten in der Hirnaktivität können hier eine wertvolle Hilfe bieten. Leitautor Benjamin Dunkley und sein Team untersuchten mit Hilfe einer Magnetenzephalographie (MEG) Hirnregionen, die an der Verarbeitung von Gesichtsausdrücken beteiligt sind. Das MEG erlaubt eine äußerst hohe zeitliche und räumliche Auflösung der Hirnaktivität, indem es die induzierten Magnetfelder der elektrischen Hirnaktivität über supraleitende Spulen erfasst.

Die Forscher untersuchten 20 Soldaten mit einer PTBS und eine Vergleichsgruppe mit 25 psychisch gesunden Soldaten in ihrer Studie. Die Soldaten dienten in der kanadischen Armee und hatten an Auslandseinsätzen in Afghanistan teilgenommen. Die Forscher spielten den Probanden entweder glückliche oder verärgerte Gesichter vor und erfassten die neuronalen Aktivität der Teilnehmer. Auf die glücklichen Gesichter reagierten die beiden Versuchsgruppen gleich und zeigten keine wesentlichen Unterschiede in der Hirnaktivität.

Anders war dies bei den verärgerten Gesichtsausdrücken: Zwischen ventromedialen Kortex und der rechten Amygdala, dem Angstzentrum des Gehirns, zeigten Teilnehmer der PTBS-Gruppe eine verstärkte Aktivität. Im posterioren Cingulus, im rechten Temporallappen und rechtsparietalen Regionen konnten die Forscher ebenfalls verstärkte Verbindung nachweisen. Diese verstärkten Verbindungsmuster waren mit einer ausgeprägten Angst- und Depressionssymptomatik der Probanden korreliert.

Die Wissenschaftler vermuten, dass die verstärkte Hirnaktivität der PTBS-Patienten eine besondere Sensibilität für Bedrohungen erzeugt. Das MEG als hochspezielle Unter­suchungsmethode könne in künftigen Studien weitere wertvolle Echtzeit-Einsichten in die PTBS liefern, so die Forscher.

© hil/aerzteblatt.de

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