Politik

Hebammen schlagen Alarm

Montag, 1. Februar 2016

Berlin/Karlsruhe – Die Arbeitsbedingungen von Hebammen verschlechtern sich dramatisch; im Gegenzug werden Gebärende einer Studie zufolge immer weniger gut betreut. Rund 95 Prozent der Hebammen kümmerten sich um zwei oder oft noch mehr Frauen gleichzeitig während der Geburt, kritisierte der Deutsche Hebammenverband (DHV/Karlsruhe) am Montag. Außerdem „können sie Pausen nicht einhalten und leisten immer mehr Überstunden”, ergab eine repräsentative Umfrage unter rund 1.700 Hebammen in Deutschlands Entbindungsstationen.

Anzeige

Kaum noch Ruhepausen
Freie Stellen würden nicht mehr besetzt und immer mehr Kreißsäle geschlossen, monierte der Verband. „Hebammen arbeiten zunehmend Teilzeit und überlegen, ihren Arbeitsplatz zu wechseln.” An der Online-Befragung im Herbst 2015 hatten 1.692 an deutschen Kliniken angestellte Hebammen teilgenommen.

Wegen personeller Engpässe müssten die Geburtshelferinnen häufig Vertretungen leisten. Fast 90 Prozent haben nur selten oder nur hin und wieder die Möglichkeit zu Ruhepausen, heißt es in der Studie weiter. Eben so viele Hebammen machten regelmäßig Überstunden. Knapp zwei Drittel berichteten, ständig oder zumindest häufig Aufgaben erledigen zu müssen, die nicht in ihren eigentlichen Arbeitsbereich fallen.

Knapp 20 Prozent der Hebammen würde ihre Abteilung nicht empfehlen
Die ohnehin schon angespannte Situation in den Kliniken habe sich in den vergangenen drei Jahren weiter verschärft, die Hebammen seien immer unzufriedener mit ihrer Arbeit: „So denken insgesamt 18 Prozent der angestellten Hebammen häufig darüber nach, ihren Arbeitgeber zu verlassen; 19 Prozent würden ihre Abteilung nicht Freunden oder der Familie weiterempfehlen.”

Seit Jahren könnten Geburtshelferstellen in Kliniken häufig nicht mehr besetzt werden. „Es werden nicht nur Arbeitnehmerinnenrechte missachtet, beispielsweise bei der Möglichkeit für Pausen, sondern auch die Sicherheit von Müttern und ihren Kindern durch häufige parallele Betreuungen mehrerer Frauen im Kreißsaal aufs Spiel gesetzt”, kritisierte der DHV. „Die Kreißsäle in Deutschland benötigen mehr Personal.” Im Deutschen Hebammenverband sind rund 18.800 der etwa 20.000 Hebammen in Deutschland organisiert. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

15.01.16
Berlin – Die Zahl der freiberuflichen Hebammen mit Geburtshilfe ist im vergangenen Jahr leicht gestiegen. Dies geht aus einer Statistik des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)......
10.12.15
Berlin/Karlsruhe – Der Streit um die Haftpflichtkosten deutscher Hebammen geht weiter. Der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen (GKV) wirft dem Deutschen Hebammenverband (DHV) eine......
28.09.15
Köln – Der Deutsche Hebammenverband (DHV) hat die Neuregelung zum Haftpflichtausgleich kritisiert. Es handelt sich um die Entscheidung einer Schiedsstelle, nachdem die Verhandlungen zwischen dem DHV......
18.09.15
Berlin – Vor weiterhin hohen Prämien bei der Haftpflichtversicherung für Krankenhäuser hat der Geschäftsführer des Ecclesia Versicherungsdienstes auf dem 16. Deutschen Medizinrechtstag in Berlin......
25.06.15
Berlin – Die gesetzlichen Kassen und die Hebammen streiten weiter über einen Ausgleich für die weiter steigenden Versicherungsprämien für die Berufshaftpflicht. Da die Verhandlungen mit den......
25.03.15
Berlin – Vertreterinnen von Hebammenverbänden haben den Plan der Bundesregierung, Regressforderungen gegen Hebammen bei Geburtsschäden zu beschränken, als unzureichend bezeichnet. „Das Problem der......
06.10.14
Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die bedrohlich steigenden Haftpflichtprämien vieler Hebammen dauerhaft abbremsen. „Dazu werden wir in Kürze gesetzgeberische Maßnahmen......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige