Ausland

Zikavirus: Weltgesundheits­organisation ruft „weltweiten Gesundheitsnotfall“ aus

Montag, 1. Februar 2016

Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag wegen der rasanten Ausbreitung des Zikavirus einen "weltweiten Gesundheitsnotfall" ausgerufen.

„Wir müssen handeln", sagte die WHO-Generalsekretärin Margaret Chan am Montag nach einer Dringlichkeitssitzung in Genf. Derzeit grassiert das von Stechmücken übertragene Virus vor allem in Süd- und Mittelamerika. Es ist insbesondere für Ungeborene während der Schwangerschaft gefährlich.

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An der Telefonkonferenz von Gesundheitsexperten und ranghohen WHO-Vertretern nahmen nach Angaben eines WHO-Sprechers die Vertreter von zwölf Mitgliedstaaten teil. Derzeit breitet sich das von Stechmücken übertragene Virus vor allem in Süd- und Mittelamerika aus. Am stärksten betroffen ist Brasilien.

Chan hatte vergangene Woche vor einer "explosionsartigen" Ausbreitung der Epidemie in der Region gewarnt. Ihre Organisation rechnet mit drei bis vier Millionen Fällen in diesem Jahr. Inzwischen wurde das Virus auch in Nordamerika, Europa und in Indonesien diagnostiziert.

Das Zika-Virus führt bei etwa 20 Prozent der Infizierten zu grippeähnlichen Symptomen und ist normalerweise nicht tödlich. Schwangere können das Virus aber auf ihre ungeborenen Kinder übertragen - bei ihnen steht es im Verdacht, Mikrozephalie auszulösen: Babys kommen dann mit einem viel zu kleinen Kopf auf die Welt, sind deshalb oftmals geistig behindert und leiden unter neurologischen Störungen. Allein in Brasilien wurden seit Oktober mehr als 3.700 Neugeborene mit Verdacht auf Mikrozephalie registriert, etwa 50 von ihnen sind inzwischen gestorben. Die WHO kam zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen dem Zika-Virus und den unge­wöhnlichen vielen Fällen von Mikrozephalie sehr wahrscheinlich sei - wenn auch nicht wissenschaftlich erwiesen.

Bei der Sitzung habe Einigkeit geherrscht über die Notwendigkeit, die internationalen Bemühungen bei der Erforschung der Krankheit zu koordinieren, sagte Chan. Die geographische Ausbreitung der Mückenart, die das Virus überträgt, der Mangel an Impfungen und verlässlichen Diagnosen und die mangelnde Immunität der Bevölkerung seien Gründe zur Besorgnis.

Derzeit gibt es keine Therapie gegen eine Erkrankung, und die Entwicklung eines Impfstoffs dürfte laut WHO mehr als ein Jahr dauern. Bislang warnt die Organisation aber noch nicht vor Reisen in die betroffenen Gebiete, sondern rät lediglich, sich vor Mückenstichen zu schützen. Neben der Mikroenzephalie kann das Virus auch das Guillain-Barré-Syndrom, eine Nervenkrankheit, auslösen. © afp/aerzteblatt.de

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Dr.Bayerl
am Sonntag, 21. Februar 2016, 20:47

hallo @kairoprax das Zika-Virus (im Gehirn nachgewiesen!)

auch ohne Koch-Postulat,
das kann man doch wohl nicht ernsthaft in das Embryo spritzen.
Bei Tieren muss das ebensowenig gehen, wie beim Masern-Virus.
kairoprax
am Sonntag, 21. Februar 2016, 18:52

Fehlbildungen bei Säuglingen Wer hat schuld: Zika-Virus oder Insektengift?


14 Tage sind vergangen seit der Ausrufung des "weltweiten Gesundheutsnotfalls". Am 13.2. hat der brasilianische Lokal-Regierung in Rio Grande do Sul beschlossen, die Verwendung von Pyriproxyfen vorerst zu beenden. Pyriproxyfen ist ein Pflanzengift des japanischen Herstellers Sumitomo, der ein Partner von Monsanto sein soll.

Dem ist ein Bericht der New York Times vom 3.Februar vorausgegangen, daß nach dem Analysen des brasilianischen Gesundheitsministeriums nur 17 der bis dahin untersuchten 404 Fällen von Mikrozephalien Zika-positiv waren.

Eine argentinische Ärztegruppe namens REDUAS hat alternativ zu Zika das Insektengift Pyriproxyfen ins Spiel gebracht.
Am 16.2. lief hierzu ein Bericht in SWR1:

http://www.swr.de/swr1/bw/ratgeber/fehlbildungen-bei-saeuglingen-wer-hat-schuld-zika-virus-oder-insektengift/-/id=446380/did=16960124/nid=446380/4o0qdf/index.html
EEBO
am Freitag, 5. Februar 2016, 23:13

Außerdem,

wenn Glyphosat in Brasilien ein Problem sein soll, warum dann nicht auch in Deutschland oder dem Rest der EU: https://de.wikipedia.org/wiki/Glyphosat#Bedeutung_in_Deutschland (zugegeben, nicht pubmed...)?
Staphylococcus rex
am Freitag, 5. Februar 2016, 00:51

Fakten und Verschwörungstheorien

Die Frage nach der Kausalität einer Infektionskrankheit ist nicht ganz neu. Nicht umsonst lernt jeder Medizinstudent während seines Studiums die Henle-Koch'schen Postulate:
https://de.wikipedia.org/wiki/Henle-Koch-Postulate

Gerade bei konnatalen Infektionen ist die Beweislage etwas schwieriger, die o.g. Postulate sind da nur bedingt einsetzbar. Da hilft anfangs nur eine Suche bei Pubmed. Bei den Schlagworten Zikavirus und pregnancy stößt man z.B. auf folgende Arbeit:
http://www.cdc.gov/mmwr/volumes/65/wr/mm6503e2.htm
Auch wenn methodisch es noch Lücken gibt, aber bei den 35 eingeschlossenen Fällen dieser Arbeit können sich 26 an ein Exanthem erinnern, davon 21 im ersten und 5 im zweiten Trimenon. Auch wenn diese Zahlen klein sind, aber diese Verteilung ist typisch für andere Viren mit ähnlichen Effekten wie Röteln oder CMV. Im Gegensatz dazu scheint eine Zika-Virus Infektion am Ende der Schwangerschaft unproblematisch zu sein:
http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=20751

Den zeitlichen Zusammenhang zwischen Infektionen in der Frühschwangerschaft und dem Risiko kann man als Dosis-Wirkungsbeziehung und damit als starkes Indiz für einen kausalen Zusammenhang werten. Daß die Liquorproben der neugeborenen virusfrei waren, ist keine Widerlegung, offensichtlich wird dieses Virus im Menschen schnell eliminiert.

Mittlerweile gibt es neben den PCR-Testen auch kommerzielle aerologische Teste für das Zita-Virus:
https://www.euroimmun.de/index.php?eID=dumpFile&t=f&f=3014&token=7b0a97d5e63d81a10597649269e123753a340aad

Damit sollte eine serologische Vergleichsstudie möglich sein, in einem Gebiet mit einem hohen Anteil an Mikrocephalien sollten von allen jungen Müttern Serumproben genommen werden. Wenn die Virushypothese stimmt, sollten Mikrocephalien fast ausschließlich in der seropositiven Gruppe zu finden sein. (in der o.g. Studie wurden ein Fall von Erbkrankheit und ein Fall von CMV ausgeschlossen, ein gewisses Grundrauschen läßt sich nicht vermeiden.)

Beweisend wäre ein Virusnachweis im Embryo. Entweder im Tierversuch, schließlich erfolgte der Erstnachweis im Rhesusaffen: https://de.wikipedia.org/wiki/Zika-Virus
Oder, falls es von einer Ethikkommission genehmigt wird, könnte man Schwangeren in Hochendemiegebieten mit einem positiven PCR-Nachweis im ersten Trimenon eine Fruchtwasserpunktion und ggf. eine Abtreibung empfehlen.

Möglicherweise hat sich das Virus bei seinem Weg um die Welt verändert, wenn ich mich richtig erinnere entspricht die Variante in Brasilien einer südostasiatischen Virusvariante.

Im Übrigen ist die Diskussion um das Zita-Virus gar nicht so neu. Ich persönlich habe im Oktober vorigen Jahres auf einer Weiterbildung davon Notiz gewonnen. Aber die Spuren auf pubmed oder promedmail http://www.promedmail.org sind wesentlich älter.

Ich möchte meinem Vorredner nicht widersprechen bei der Vermutung, daß in Brasilien einige ökologische Sauereien geschehen, aber aus meiner Sicht ist die Beweislage im Fall der Mikrocephalien schon ziemlich eindeutig.
kairoprax
am Mittwoch, 3. Februar 2016, 12:51

Ist die WHO wirklich neutral und geht sie wissenschaftlich vor?


Erst in diesen Tagen und erst im Zusammenhang mit Mikroenzephalien bei Neugeborenen ist uns Europäern das ZIKA-Virus bekannt geworden. Das sollte uns Ärzte erste einmal stutzu machen. Beim Nachschlagen, übrigens weniger bei Google als z.B. bei anderen unabhängigeren Suchmaschinen wie ixQuick, kommen nahezu sofort auch andere Verdächtige ins Spiel.

Außerdem liest man insbesondere in den spanischen Notizen zu ZIKA permanent den Satz, das ZIKA-Virus sei in Südamerika endemisch und bis dato als harmlos bekannt.

In Deutschland wurden bislang kaum alternative Ätiologien genannt. So ist der Name des amerikanischen MONSANTO-Konzerns, der ausgerechnet in Brasilien Gen-Mais anbaut und diesen Anbau mit dem Pflanzenschutzmittel GLYHOSPHAT flankiert, kaum in die große und kaum in die Fachpresse vorgedrungen. Anders in Latenamerika. Siehe hierzu die brasilianischsprachige Seite
https://www.youtube.com/user/monsantobrasil

"Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam im März 2015 zum Ergebnis, dass es begrenzte Nachweise für das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat beim Menschen gebe." und "Die Beweislage, dass die Substanz bei Ratten und Mäusen zu Tumoren führe, wurde als ausreichend bewertet." Aber: "Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilte in einer ersten Reaktion mit, dass die IARC-Entscheidung auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar sei und daher der vollständige Bericht der IARC abgewartet werde" (alle Zitate stammen aus Wikipedia).

Ganz anders als die Zurückhaltung, welche das Institut für Risikobewertung einnimmt, folgt das RKI dem kürzkuichg erfolgten Ausruf eines globalen Gesundheitsnotfalls durch die WHO.

Wird hier angesichts des nach wie vor dürftigen Verdachts gegen die ZIKA-Viren mit zweierlei Maß gemessen?

Das RKI hat es zugestandenermaßen mit Infektionen zu tun und wäre schlecht beraten, eine Virusätiologie nicht auszuschließen.
Aber die Presse, namentlich das Deutsche Ärzteblatt, sollte so vorgehen, wie es Kriminalbeamte auch tun und erst einmal allen Spuren nachgehen.

Wenn es stimmt, daß MONSANTO und der Einsatz von GLYPHOSPHAT die Mikrozephalien zu verantworten haben, haben wir einen zweiten Fall Contergan vor uns. Und wahrscheinlich wäre der weltweit auszufrufende Gesundheitsnotfall dann um Zehnerpotenzen höher.

Dr. Karlheinz Bayer

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