Medizin

Beide Hälften des Gehirns erkennen Zahlen

Dienstag, 2. Februar 2016

Jena – Forscher der Universität Jena und des Jenaer Universitätsklinikums haben Annahmen widerlegt, wonach die Zahlenerkennung allein in der rechten Hemisphäre des Gehirns erfolgt. Sie publizierten ihre Studie im Journal of Neuroscience (doi:10.1523/JNEUROSCI.2129-15.2016).

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Im menschlichen Gehirn übernehmen unterschiedliche Bereiche in der Regel unterschiedliche Aufgaben. Während Wörter und Sprache vorrangig in der linken Hemisphäre verarbeitet werden, ist für das Zahlenverständnis überwiegend unsere rechte Gehirnhälfte zuständig. Diese Arbeitsteilung – so die bisherige Vermutung – rühre auch daher, dass die grundlegenden Prozesse des Erkennens von Buchstaben und Zahlen ebenfalls unterschiedlich in den Hirnhälften lokalisiert sind. Doch das ist offenbar nicht der Fall, zumindest nicht, was die visuelle Verarbeitung von Zahlen angeht.

Die Jenaer Neurowissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass die visuelle Verarbeitung von Zahlen in einer sogenannten „visual number form area“ (NFA) erfolgt – und zwar in beiden Hirnhälften gleichermaßen. In ihrer Studie zeigten die Forscher den Versuchsteilnehmern jeweils für Sekundenbruchteile Zahlen, Buchstaben und Abbildungen von Alltagsgegenständen und zeichneten gleichzeitig ihre Hirnaktivität im Magnetresonanztomographen (MRT) auf.

Dabei konnten sie die Region, in der die visuelle Verarbeitung von Zahlen abläuft, nach eigenen Angaben eindeutig eingrenzen. Das kleine Areal an der Unterseite des linken und rechten Schläfenlappens reagiert bei der Präsentation von Ziffern mit erhöhter Aktivität. Buchstaben oder andere Abbildungen, aber auch verfremdete Zahlen führten zu einer deutlich geringeren Hirnaktivität in diesem Bereich.

„Diese Region war bislang eine Art blinder Fleck im menschlichen Gehirn“, erläutert Mareike Grotheer aus der Arbeitsgruppe. Versteckt unter Ohr und Gehörgang, umgeben von Knochen und Luft, wiesen bisherige MRT-Scans dieses Bereichs zumeist zahlreiche Artefakte auf und verhinderten so detaillierte Untersuchungen.

© hil/aerzteblatt.de

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