Politik

15 eingeschleppte Zikavirus-Fälle in Deutschland

Dienstag, 2. Februar 2016

Köln – In Deutschland ist bei 15 Reiserückkehrern eine Infektion mit dem Zikavirus nachgewiesen worden.  Die Fälle stehen im Zusammenhang mit dem aktuellen Ausbruchsgeschehen in Mittel- und Südamerika. Das teilte Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg mit. Darunter sei aber keine Schwangere gewesen, sagte er.

Der Tropenmediziner rät bei Verdachtsfällen grundsätzlich zur diagnostischen Abklärung – auch wenn die Zikavirus-Infektion in den meisten Fällen milde verläuft und es keine kausale Therapie gibt.  Denn es sei zum Beispiel die Möglichkeit einer sexuellen Übertragung beschrieben, gibt Schmidt-Chanasit zu bedenken. Unklar sei aber unter welchen Voraussetzungen und bei welcher Viruslast, eine solche möglich sei. „Wir haben keine Daten dazu, wie lange die Viren im Sperma vorhanden sein können“, erläuterte Schmidt-Chanasit. Insofern sei es ratsam, eine Infektion auch bei Männern auszu­schließen, wenn ein Kinderwunsch bestehe.

Anzeige

In Brasilien sind im zeitlichen und räumlichen Zusammenhang mit Zikavirus-Infektionen gehäuft Fälle von Mikrozephalie bei Neugeborenen aufgetreten. Vermutet wird, dass eine Erkrankung der Mütter während der Schwangerschaft der Grund sein könnte. Mittlerweile gibt es in mehr als 20 Ländern Mittel- und Südamerikas Zikavirus-Infektionen. 

Ärzte in Deutschland können Probematerial entweder direkt an das  Bernhard-Nocht-Institut schicken oder aber an das Labor, mit dem sie gewöhnlich zusammenarbeiten. Dieses leitet die Probe dann weiter. Benötigt werden zur Diagnostik eine Blut- und eine Urinprobe. Zu Beginn der Erkrankung ist ein PCR-Virusnachweis möglich, später dann auch ein Antikörpernachweis. Ab der 4. Krankheitswoche ist nur noch ein Antikörper­nachweis möglich, für den eine Blutprobe benötigt wird. Das Bernhard-Nocht-Institut ist das Nationale Referenzzentrum für tropische Infektionserreger. © BH/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

EEBO
am Sonntag, 7. Februar 2016, 12:52

Da redet mich also ein vier Jahre altes Video auf Englisch an...

... und es werden mir Bilder von fehlentwickelten Embryonen aus dem Reagenzglas gezeigt - hübsch.
Ernsthaft: Ich bin weit davon entfernt, Angst zu haben, aber das Zika-Virus ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Natürlich ware es hübscher, wenn Glyphosat alleine schuld wäre: Ein pöhser Argo-Multi als Sündenbock, keine Ansteckungsgefahr.
Schauen wir uns doch einmal an, was pubmed zum Thema sagt:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=glyphosate+microcephaly, und wir stellen fest, daß die einzige Arbeit von dem Prof. aus dem Video stammt, bereits 4 Jahre alt ist, und am Krallenfrosch geforscht wurde. in seinem Paper findet sich ein Verweis auf gehäufte Mikrozephalien in Paraguay, leider nur auf Spanisch.

Fassen wir doch mal den Suchbegriff allgemeiner: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=glyphosate+neurotoxicity. Ganze 18 Studien, fast alle in vitro, Tierversuche oder Case-Reports bei akuter Intoxikation in suizidaler Absicht.

Da ja die Mikrozephalien kongenital auftreten, ein weiterer Versuch: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=glyphosate+teratogenicity - ganze drei Reusltate, die auch nicht weiterhelfen.

Sucht man nach "birth defects" oder "congenital", erhält man man zwar allgemeine epidemiologische Sudien, die aber zur Mikrozephalie nicht allzu viel beitragen. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1241196/pdf/ehp110s-000441.pdf und http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2667895/

Letzter Versuch: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/?term=pesticide+microcephaly - ebenfalls ohne erhellende Resultate.

Es sei zugestanden, dass eine erhöhte Pestizidbelastung (nicht nur mit Glyphosat) mit dem Zikavirus infizierte Feten für Mikrozephalien empfänglicher machen KÖNNTE (wohlgemerkt, ist diese These zur Zeit NICHT belegbar), aber die Kausalität zwischen dem Zikavirus und der Mikrozephalie erscheint evident! Auch sei zugestsanden, daß Pestizide generell Neuralrohrdefekte verursachen können bzw. eine Assoziation besteht (worum es hier allerdings nicht ging).

So, nun mal Butter bei die Fische: Stimme dem Kollegen Schätzeler vollkommen zu, wüste Verschwörungstheorien sind unverantwortlich! Ich frage mich, wann demnächst noch die Virenleugner aus ihren Löchern kirechen werden.
Zu guter Letzt: Eigentlich wäre es an den Youtube-Gläubigen, für ihre Thesen vernünftige Belege zu
suchen - nicht an uns anderen! So funktioniert Wissenschaft nämlich, falls Ihr's noch nicht kapiert habt!!
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 7. Februar 2016, 00:10

Geht's noch?

Der zeitlich und räumlich infektiologisch suspekte Zusammenhang zwischen Zikavirus-Infektionen mit gehäuften Fällen von Mikrozephalie bei Neugeborenen wurde durch eine brasilianische Gynäkologin und Ultraschall-Spezialistin aufgedeckt. Intensive Forschungsbemühungen müssen folgen.

Da sind pseudo-infektiologische, astrologisch-parapsychologische oder YouTube-Video-Hinweise bzw. Verschwörungstheorien aus dem interessierten deutschen Laien- und Paramedizin-Publikum wenig hilfreich.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
p.neu
am Samstag, 6. Februar 2016, 22:41

Das Ausbringen der Pestizide mit Flugzeugen macht den Unterschied

Es mag sein, dass auch bei uns Glyphosat in großem Umfang verwendet wird, allerdings sind die Dimensionen sicher nicht mit denen in Südamerika vergleichbar, wo die Landwirtschaft ja vor allem Genmais und -soja anbaut.

Das Versprühen mit dem Flugzeug zwingt die Bevölkerung zur Inhalation!

Die Häufung von Mikrozephalie ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass viele missgebildete Embryos aufgrund gesundheitlicher Probleme der Mütter abgetrieben werden und in den Statistiken nicht auftauchen. Daneben könnte auch die ständige Zunahme der extrem gesundheitsschädlichen Pestizide in Südamerika zu der Häufung von Mikrozephalie führen. Vielleicht ist das ja erst die Spitze des Eisberges...

Ich habe vor wenigen Minuten dieses Video gesehen und fand es sehr erhellend:

https://www.youtube.com/watch?v=DDGSZJLrssY

Die Mücke ist wohl eher eine Ablenkungsstrategie.
EEBO
am Freitag, 5. Februar 2016, 23:19

Berechtigte Frage,

siehe dazu den schönen Kommentar von S. rex unter http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/65604/Zikavirus-Weltgesundheitsorganisation-ruft-weltweiten-Gesundheitsnotfall-aus, weshalb Monsanto diesmal kaum schuld sein dürfte. Außerdem müßten sich Mikrozephalien sonst ja auch bei uns häufen, denn immerhin wird Glypohsat auch hier in großen Mengen benutzt.
Hermione
am Freitag, 5. Februar 2016, 10:23

Glyphosat ist gefährlich, doch weshalb jetzt die Häufung von Mikrozephalien?

Der Hinweis auf das hochgiftige Glyphosat ist sehr wichtig; das Mittel wird auch in Deutschland in großen Mengen eingesetzt. Hier ein interessanter Bericht aus dem Jahr 2012:
https://www.greenpeace-magazin.de/giftkrieg-auf-dem-acker

Sollte Glyphosat und nicht das Zika-Virus für die derzeit beobachteten Mikrozephalien bei Kindern verantwortlich sein, dann frage ich mich, weshalb es gerade jetzt zu dieser Häufung kommt? Glyphosat wird ja bereits seit Jahren in großem Stil eingesetzt. Spricht die "epidemische" Ausbreitung nicht doch eher für ein - möglicherweise mutiertes - Virus als Ursache?
kairoprax
am Mittwoch, 3. Februar 2016, 12:49

Zeifel an ZIKA sind angebracht, MONSANTO und GLYPHOSPHAT sollten genannt werden!


Erst in diesen Tagen und erst im Zusammenhang mit Mikroenzephalien bei Neugeborenen ist uns Europäern das ZIKA-Virus bekannt geworden. Das sollte uns Ärzte erste einmal stutzu machen. Beim Nachschlagen, übrigens weniger bei Google als z.B. bei anderen unabhängigeren Suchmaschinen wie ixQuick, kommen nahezu sofort auch andere Verdächtige ins Spiel.

Außerdem liest man insbesondere in den spanischen Notizen zu ZIKA permanent den Satz, das ZIKA-Virus sei in Südamerika endemisch und bis dato als harmlos bekannt.

In Deutschland wurden bislang kaum alternative Ätiologien genannt. So ist der Name des amerikanischen MONSANTO-Konzerns, der ausgerechnet in Brasilien Gen-Mais anbaut und diesen Anbau mit dem Pflanzenschutzmittel GLYHOSPHAT flankiert, kaum in die große und kaum in die Fachpresse vorgedrungen. Anders in Latenamerika. Siehe hierzu die brasilianischsprachige Seite
https://www.youtube.com/user/monsantobrasil

"Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam im März 2015 zum Ergebnis, dass es begrenzte Nachweise für das krebserzeugende Potenzial von Glyphosat beim Menschen gebe." und "Die Beweislage, dass die Substanz bei Ratten und Mäusen zu Tumoren führe, wurde als ausreichend bewertet." Aber: "Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) teilte in einer ersten Reaktion mit, dass die IARC-Entscheidung auf Basis der vorliegenden Informationen wissenschaftlich schlecht nachvollziehbar sei und daher der vollständige Bericht der IARC abgewartet werde" (alle Zitate stammen aus Wikipedia).

Ganz anders als die Zurückhaltung, welche das Institut für Risikobewertung einnimmt, folgt das RKI dem kürzkuichg erfolgten Ausruf eines globalen Gesundheitsnotfalls durch die WHO.

Wird hier angesichts des nach wie vor dürftigen Verdachts gegen die ZIKA-Viren mit zweierlei Maß gemessen?

Das RKI hat es zugestandenermaßen mit Infektionen zu tun und wäre schlecht beraten, eine Virusätiologie nicht auszuschließen.
Aber die Presse, namentlich das Deutsche Ärzteblatt, sollte so vorgehen, wie es Kriminalbeamte auch tun und erst einmal allen Spuren nachgehen.

Wenn es stimmt, daß MONSANTO und der Einsatz von GLYPHOSPHAT die Mikrozephalien zu verantworten haben, haben wir einen zweiten Fall Contergan vor uns. Und wahrscheinlich wäre der weltweit auszufrufende Gesundheitsnotfall dann um Zehnerpotenzen höher.

Dr. Karlheinz Bayer

1.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

05.02.16
Rio de Janeiro – Zur Eindämmung der Zika-Epidemie hat die US-Gesundheitsbehörde CDC am Freitag alle gefährdeten Menschen zu sexueller Enthaltsamkeit oder zumindest zur Benutzung von Kondomen......
03.02.16
Zikavirus (erneut) sexuell übertragen
Dallas – Das Zikavirus, das vermutlich auch intrauterin eine Mikrozephalie verursachen und bei Erwachsenen ein Guillain-Barré-Syndrom auslösen kann, ist offenbar sexuell übertragbar. Ein Fallbericht......
02.02.16
Nobelpreisträger Harald zur Hausen bedauert niedrige HPV-Durch­impfungsrate
Heidelberg – Die Impfung gegen krebserregende humane Papillomviren (HPV) intensiver zu nutzen, fordert der Nobelpreisträger Harald zur Hausen. Mit seinen Forschungen hatte zur Hausen den Zusammenhang......
01.02.16
Genf - Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat am Montag wegen der rasanten Ausbreitung des Zikavirus einen "weltweiten Gesundheitsnotfall" ausgerufen. „Wir müssen handeln", sagte die......
29.01.16
Ulm/Bonn – Das Zikavirus breitet sich derzeit vor allem in Ländern Mittel- und Südamerikas aus. Für Deutschland sehen Experten keine Gefahr. „Das Zikavirus wird sich nicht in Deutschland ansiedeln“,......
28.01.16
WHO prüft weltweiten „Zika-Notfall“
Genf/Rio de Janeiro – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) prüft wegen der dramatischen Ausbreitung des Zika-Virus die Ausrufung eines globalen Gesundheitsnotstands. Dazu sei für kommenden Montag......
27.01.16
Berlin – Das vor allem für Schwangere gefährliche Zika-Virus ist inzwischen in mindestens sieben europäischen Ländern diagnostiziert worden. Sowohl aus Deutschland als auch aus der Schweiz wurden am......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige