Medizin

Antikörper verkleinert Nasenpolypen bei chronischer Sinusitis

Mittwoch, 3. Februar 2016

Ghent – Der monoklonale Antikörper Dupilumab, der die Zytokine einer allergischen Th2-Antwort des Immunsystems blockiert, hat in einer Phase 2-Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 469-479) bei Erwachsenen mit chronischer Sinusitis die Polypenmasse vermindert und die Beschwerden der Patienten gelindert.

Bis zu 12 Prozent der westlichen Bevölkerung leiden unter einer chronischen Sinusitis, die bei einigen Patienten mit einer Polyposis einhergeht. Die gutartigen Wucherungen der Schleimhaut behindern die Atmung durch die Nase, was häufig mit Schmerzen, Druckgefühlen, aber auch mit Riechstörungen einhergeht. Viele Patienten leiden unter Schlafstörungen, die ihre Produktivität mindern und die Lebensqualität einschränken können.

Anzeige

Die Polyposis ist häufig Manifestation einer allergischen Erkrankung, die auf eine vermehrte Aktivität von TH2-Lymphozyten zurückgeführt wird. Die wichtigsten Signalsubstanzen dieser Zellen sind die Interleukine (IL) 4 und 13. Beide werden von dem Antikörper Dupilumab blockiert, den der Hersteller in erster Linie zur Behandlung des allergischen Asthmas entwickelt hat. Der Antikörper erzielte hier eine gute Wirkung, ist jedoch noch nicht zugelassen.

Ob das Mittel auch bei Patienten mit chronischer Polyposis nasi  wirksam ist, hat ein Team um Claus Bachert von der Universitätsklinik Ghent in einer Phase 2-Studie untersucht. An der Studie nahmen an 13 Zentren in den USA und Europa (ohne deutsche Beteiligung) insgesamt 60 Patienten teil, bei denen bei einer Endoskopie eine ausgeprägte Polyposis nachgewiesen wurde (mindestens 5 von maximal 8 Punkten auf einem Polypenscore), die sich unter einer Therapie mit Steroiden nicht wesentlich gebessert hatte.

Die Patienten mussten außerdem über mindestens zwei der folgenden Beschwerden klagen: Behinderung der Nasenatmung, Ausfluss, Gesichtsschmerzen oder Druckgefühl, Behinderung oder Ausfall des Geruchssinns.

Die Patienten wurden während der Studie mit intranasalen Kortikosteroiden (Mometason) weiter behandelt. Die Hälfte der Patienten erhielt zusätzlich eimal pro Woche eine subkutane Injektion mit Dupilumab. In der Vergleichsgruppe enthielten die Injektionen ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Veränderung im endoskopisch bestimmten Polypenscore nach 16 Wochen.

Wie Baggert und Mitarbeiter berichten, kam es unter der Behandlung mit Dupilumab nicht nur zu einem deutlichen Rückgang der Polypenmasse in der Endoskopie und in der Computertomographie. Auch die Beschwerden der Patienten besserten sich. Sie litten seltener unter einer morgendlichen posterioren Rhinorrhoe und die Riechbehinderung ging zurück. Auch die Lungenfunktion (FEV1-Test) besserte sich.

Wie in der früheren Studie zur Behandlung des allergischen Asthmas wurde der Antikörper gut vertragen. Die häufigste Nebenwirkung scheinen Lokalreaktionen an der Injektionsstelle zu sein. Trotzdem dürften die Ergebnisse der Phase 2-Studie nicht ausreichen, um eine Zulassung in dieser Indikation zu erhalten. Der Hersteller, der derzeit weitere Studien zum allergischen Asthma durchführt, ließ in einer Pressemitteilung offen, ob weitere Studien zur Behandlung der Polyposis nasi geplant sind.

Auch die Antikörper Mepolizumab, der Interleukin 12 blockiert, und der IgE-Antikörper Omalizumab haben in klinischen Studien eine Wirkung bei der Polyposis nasi erzielt. Diese beiden Antikörper sind bereits zugelassen, allerdings nicht zur Behandlung von Nasenpolypen. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige