Politik

Klage auf Schadenersatz wegen Kind mit Down-Syndrom zurückgewiesen

Donnerstag, 4. Februar 2016

München – Das Oberlandesgericht München hat eine Klage von Eltern auf Unterhalt für ihr behindertes Kind abgewiesen. Das Paar hatte von Frauenärzten Schadenersatz und Schmerzensgeld verlangt, weil sie das Down-Syndrom und einen Herzfehler in der Schwangerschaft nicht erkannt hatten. Dem beklagten Mediziner sei aber kein Vorwurf zu machen, sagte der Vorsitzende Richter Thomas Steiner am Donnerstag. Die Eltern verlangten in zweiter Instanz von den Medizinern den Ersatz für den Mehraufwand durch den Unterhalt ihrer behinderten Tochter sowie mindestens 10 000 Euro Schmerzensgeld.

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„Es tut mir leid für Sie“, sagte Steiner, an die Eltern gewandt. Er verstehe gut, dass sie von der Behinderung hätten wissen wollen. Es gehe um ein schweres Schicksal. Aber: „Sie werden bei uns nicht gewinnen, so wenig wie vor dem Landgericht.“

Der Sachverständige und Pränatalmediziner Rainer Bald hatte vor Gericht dargelegt, das im Ultraschall vor der Geburt sichtbare, womöglich geringfügig verkürzte Nasenbein sei kein signifikanter Hinweis auf eine Trisomie 21 gewesen. Deshalb sei es gerechtfertigt gewesen, dass der untersuchende Arzt dieses Detail gar nicht mit der werdenden Mutter besprochen habe – um diese nicht unnötig in Sorge zu stürzen. Weitere Parameter wie die Länge des Oberschenkelknochens hätten keinerlei Auffälligkeiten ergeben.

Auch der Herzfehler des Mädchens hätte zwar eventuell festgestellt werden können, aber nicht festgestellt werden müssen, sagte Bald. Nur in 40 bis 50 Prozent der Fälle würden Herzfehler schon während der Schwangerschaft erkannt.

Die Eltern, die bereits drei Kinder hatten, argumentierten, sie hätten die Schwangerschaft abbrechen lassen, wenn sie von der Behinderung gewusst hätten. Die damals 28 Jahre alte Mutter von drei Kindern war 2009 an Multipler Sklerose (MS) erkrankt. Als sie 2010 wieder schwanger war, wollte sie mit den Ärzten mögliche Risiken für das Ungeborene durch die Medikamente abklären, die sie wegen ihrer MS-Erkrankung nehmen musste. Ein behindertes Kind schien die Grenzen der Belastbarkeit zu überschreiten, sagen sie heute.

Das Landgericht München hatte die Klage der Frau in erster Instanz im vergangenen Sommer abgewiesen. Die Behinderungen des Mädchens seien durch eine Verkettung unglücklicher Umstände nicht erkannt worden. Gegen das Urteil hat das Paar Berufung eingelegt. Das OLG ließ eine Revision nicht zu. Ob die Eltern Nichtzulassungs­beschwerde einlegen, ist nach Angaben ihrer Anwältin noch offen. © dpa/aerzteblatt.de

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Mathilda
am Freitag, 5. Februar 2016, 13:53

Die Klage ist wahrscheinlich schlecht formuliert

Nach den Schilderungen hier und in anderen Medien haben die Eltern offenbar die behandelnden Ärzte aufgefordert, die Diagnostik auf eine Behinderung auszuschöpfen mit dem Ziel, einen festgestellt behinderten Embryo abzutreiben.
Mit dieser Aufforderung hätten die Ärzte aber diagnostische sichere Verfahren anwenden müssen, was zu diesem Zeitpunkt (2009/2010) nur die Amniozentese gewesen wäre.
Die Klage müsste also lauten: Trotz Aufforderung der sicheren Diagnostizierung durch die Eltern wurde keine Beratung dahingehend durchgeführt, dass nur durch eine Amniozentese eine sichere Feststellung eines Gendefektes möglich gewesen wäre.
Alle weiteren Beratungen (Kind bekommen oder abtreiben, Risiken durch MS,...) muss eine Beratungsstelle liefern; hier haben Ärzte nicht durch eine Verweigerung von Diagnostik Einfluss zu nehmen.
Widerstand
am Freitag, 5. Februar 2016, 11:54

Zwei Seelen in einer Brust.

Es ist schwer. Einerseits kann das Leben den Kindes ein Qual werden, besonders in dieser Gesellschaft, die den Wert eines Menschen an seinem Bankkonto festlegt. Auf der anderen Seite hat das Kind ein Recht auf Leben.
Man darf aber auch die Lage der Mutter in diesem Fall nicht außer Acht lassen, offensichtlich hat die Familie schon massive, gesundheitliche Probleme.
Alles zusammen hätte man dem Kind ein möglicherweise langes, qualvolles Leben voller Menschenverachtung ersparen können. Ja, ich denke das wäre wirklich human gewesen.
Aber auch hier zeigt sich wieder: Die Medizin wäre in der Lage umfassende Untersuchungen durchzuführen, wenn tja wenn die Eltern denn eine "goldene Kloschüssel" hätten verkaufen können.
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