Medizin

Schwangerschaft: Metformin vermeidet Präeklampsie, aber keine Makrosomien

Freitag, 5. Februar 2016

London – Das Diabetesmedikament Metformin hat in einer randomisierten klinischen Studie die Häufigkeit von Präeklampsien bei Schwangeren mit Adipositas, aber ohne Diabetes, deutlich gesenkt. Das eigentliche Ziel, die Rate von Kindern mit Makrosomie zu senken, wurde laut der Publikation im New England Journal of Medicine (2016; 374: 434-443) jedoch verfehlt.

Immer mehr Schwangere sind adipös. In den USA beträgt der Anteil bereits ein Drittel, in Großbritannien ist es derzeit jede fünfte Schwangere. Die Adipositas geht mit einem erhöhten Risiko von Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen einher. Neuge­borene von fettleibigen Müttern müssen dreimal häufiger nach der Geburt auf einer Intensivstation behandelt werden. Die MOP-Studie („Metformin in Obese Non-diabetic Pregnant Women“) hat an 450 Schwangeren mit Adipositas untersucht, ob Metformin das Komplikationsrisiko senken kann.

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Metformin, das Mittel der ersten Wahl in der Behandlung des Typ 2-Diabetes, wird seit längerem erfolgreich zur Behandlung des Gestationsdiabetes eingesetzt. Zu den Vorteilen gehört, dass die Behandlung zu Beginn häufig mit einer Gewichtsabnahme einhergeht. Das Team um Hassan Shehata von den Epsom and St. Helier University Hospitals in London entschied sich deshalb, das Mittel bei Schwangeren einzusetzen, die adipös waren, aber nicht an einem Diabetes litten.

Der primäre Endpunkt der Studie war die Senkung der Zahl der Kinder mit einem zu hohen Geburtsgewicht. Diese Makrosomie ist eine typische Komplikation des Gesta­tions­diabetes und die britischen Mediziner hofften deshalb, in diesem Endpunkt eine gute Wirkung zu erzielen. Dies war, wie die jetzt vorgestellten Ergebnisse zeigen, nicht der Fall.

Das Geburtsgewicht der Kinder, deren Mütter zwischen der 12. bis 18. Gestationswoche angefangen hatten, bis zum Ende der Schwangerschaft täglich 3 Gramm Metformin einzunehmen, unterschied sich nicht vom Geburtsgewicht der Kinder, deren Mütter Placebos erhalten hatten. Auch in anderen fetalen und neonatalen Endpunkten konnte Shehata keine Unterschiede feststellen.

Metformin begrenzte bei der Schwangeren jedoch die Gewichtszunahme von 6,4 auf 4,6 Kilogramm, was in einem anderen sekundären Endpunkt eine günstige Wirkung erzielte: Im Metformin-Arm der Studie erkrankten nur 3,0 Prozent der Schwangeren an einer Präeklampsie, während es im Placebo-Arm 11,3 Prozent, also fast viermal so viele Frauen waren.

Dieser Effekt, der in früheren Studien nicht oder nicht so deutlich gesehen wurde, könnte laut Shehata mit der relativ hohen Dosis von Metformin zusammen hängen. Die Dosis von 3 Gramm ist zwar für Mutter und Kind ungefährlich, sie stößt allerdings an die Grenzen der Verträglichkeit. In der Studie brachen 17,6 Prozent der Schwangeren die Therapie vorzeitig ab, bei weiteren 41,8 Prozent musste die Dosierung zurückge­nommen werden, weil die Frauen über Übelkeit und Erbrechen, Durchfälle oder Kopfschmerzen geklagt hatten. © rme/aerzteblatt.de

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