Politik

Kranken­kassen-Portale informieren über Teilnahme am Endopro­thesenregister

Montag, 8. Februar 2016

Berlin – AOK und Ersatzkassen informieren Patienten über ihre Klinik-Suchseiten künftig darüber, welche Zentren am sogenannten deutschen Endoprothesenregister (EPRD) teilnehmen. „Wir machen damit transparent, welche Häuser sich besonders für Behandlungsqualität und Patientensicherheit engagieren“, sagte Martin Litsch, Vorstand des AOK-Bundesverbandes.

„Das EPRD kann ein wichtiger Schritt hin zu mehr Transparenz, Qualität und Sicherheit bei Gelenkimplantaten sein. Alle rund 1.200 Kliniken, die künstliche Knie- und Hüftge­lenke einsetzen, sollten dem EPRD beitreten und die notwendigen Daten liefern“, forderte der Vorstandsvorsitzende der Barmer Gek, Christoph Straub. Wenn bestimmte Prothesen schadhaft seien, könnte das Register zum Beispiel als Frühwarnsystem dienen und eine Klinik ihre Patienten schneller informieren, erläuterte der Barmer-Gek-Vorstandsvorsitzende und verwies auf Erfolge im Ausland: So sei in Schweden die Zahl der Wechseloperationen seit Einführung eines Endoprothesenregisters um fast die Hälfte gesunken.

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Der sogenannte AOK-Krankenhausnavigator und der Barmer-Krankenhausnavi zeigen das EPRD-Zeichen bei allen Kliniken an, die regelmäßig Daten an das Register liefern. Insgesamt sind aktuell 684 Krankenhäuser für die Teilnahme am Register registriert. Die beteiligten Kliniken haben bisher knapp 220.000 Operationen dokumentiert. Ziel des Registers ist es, durch eine systematische Übermittlung und Erfassung von Informati­onen zu Implantaten die Versorgung der Patienten zu verbessern. Die Teilnahme am EPRD ist für die Kliniken freiwillig.

Dem Verband der Ersatzkassen (vdek) zufolge ist die Datenqualität der teilnehmenden Kliniken aber oft noch nicht ausreichend. Insgesamt lieferten nur rund 100 Kranken­hausstandorte derzeit regelmäßig Daten an das Register. „Diese Krankenhäuser setzen bereits jetzt ein Zeichen für mehr Sicherheit in der Versorgung von Patienten und sind damit Vorreiter in Sachen Qualität“, sagte Ulrike Elsner, Vorstandsvorsitzende vdek.

Die übrigen 584 Krankenhäuser, die sich am EPRD angemeldet haben, lieferten dagegen noch zu selten die nötigen Daten für die wissenschaftliche Auswertung an das EPRD. „Damit entziehen sie sich dem notwendigen Qualitätswettbewerb in der medizinischen Versorgung mit künstlichen Hüft- und Kniegelenken“, so Elsner.

Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnet die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) den künstlichen Ersatz des Hüft- und Kniegelenkes. Die Haltbarkeit einer Prothese im menschlichen Körper liege heute in einer Vielzahl der Fälle bei 20 Jahren und mehr. Der Hauptgrund für den Austausch einer Prothese sei die Lockerung des Implantates. Laut internationalen Registerdaten liegt ein Implantatversagen nur in unter einem Prozent der Fälle vor.

„Es ist völlig natürlich, dass sich ein Implantat nach über 15 bis 30 Jahren lockert und gewechselt werden muss“, sagte Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik, einer Sektion der DGOU.

Rund 390.000 Patienten erhielten jährlich in Deutschland ein neues Hüft- oder Kniegelenk. Etwa jeder zehnte Eingriff sei eine Austauschoperation, bei der eine vorhandene Endoprothese durch eine neue ersetzt werde. „Man kann die Erstimplan­tationen in einem Jahr aber nicht in Relation zu den Austauschoperationen des gleichen Jahres setzen, da es sich bei den Austauschoperationen um Prothesen aus den Jahren, ja Jahrzehnten davor handelt“, erläuterte Heller. © hil/aerzteblatt.de

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