Medizin

Online-Therapie hilft bei Körper­schemastörungen

Dienstag, 9. Februar 2016

Stockholm – Eine über das Internet gestützte kognitive Verhaltenstherapie könnte Patienten, mit der unbegründeten Angst, ein entstelltes Äußeres zu besitzen, künftig wertvolle Dienste leisten. Das berichtet einen Arbeitsgruppe um Jesper Enander und Christian Rück am Karolinska University Hospital im British Medical Journal (http://dx.doi.org/10.1136/bmj.i241)

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Als „Dysmorphophobie“ bezeichnen Mediziner und Psychologen die krankhafte Angst, an einem entstellten oder unattraktivem Äußeren zu leiden. Darunter fallen auch Körper­schemastörungen wie die Muskelsucht (Adonis-Komplex) bei Männern. Andere Patienten sind der festen Überzeugung, an einer Hautkrankheit zu leiden oder unangenehm zu riechen, ohne dass es dafür einen objektiven Anhalt gibt.

Viele dysmorphophobe Störungen sind laut den Autoren durch eine kognitive Verhaltenstherapie gut behandelbar. Bei dieser Therapieform werden eingeschliffene negative Glaubenssätze und Gedankenmuster neu besetzt und umgedeutet. Ziel ist es, negative Gedankenspiralen und die damit assoziierten Verhaltensweisen dauerhaft zu durchbrechen.

Problematisch ist der hohe Bedarf an dieser Therapieform. Patienten müssen in der Regel viele Monate auf einen Therapieplatz warten. Angesichts des hohen Leidens­drucks ist diese lange Wartezeit kaum vertretbar. Die Wissenschaftler berichten, dass maximal ein Drittel aller Patienten überhaupt eine kognitive Verhaltenstherapie beginnt. Online-Angebote, die zumindest eine zusätzliche Hilfe oder Überbrückung bis zu einer persönlichen Therapie bieten, könnten hier eine gute Ergänzung sein.

Die Forscher entwickelten eine online zugängliche kognitive Verhaltenstherapie, die speziell auf Patienten mit dysmorphophoben Störungen zugeschnitten war. Zusätzlich zu den interaktiven Modulen konnten die Teilnehmer regelmäßig mit Therapeuten über Mails kommunizieren. Insgesamt 94 Patienten randomisierten die Forscher in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe. In der Kontrollgruppe hatten die Patienten nur regelmäßigen Mailkontakt mit Therapeuten, ohne ein spezielles Online-Programm zu absolvieren.

Drei Monate nach der Therapie zeigten in der Interventionsgruppe insgesamt 56 Prozent der Patienten eine Symptomreduktion von wenigstens 30 Prozent, während dies in der Kontrollgruppe nur bei 13 Prozent der Patienten der Fall war. Die oft mit der Erkrankung assoziierte depressive Symptomatik verbesserte sich ebenfalls. Die von den Teilnehmern berichtete Zufriedenheit war insgesamt hoch.

Die Forscher halten Online-Therapieformen bei dysmorphophoben Störungen für eine effektive Interventionsmöglichkeit. In Australien und den Niederlanden seien kognitive Verhaltenstherapien über das Internet für andere psychische Erkrankungen bereits in der regelhaften Versorgung etabliert, berichten die Wissenschaftler. © hil/aerzteblatt.de

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