Medizin

Wie die Rechtschreibung im Gehirn koordiniert wird

Mittwoch, 10. Februar 2016

Baltimore – Die korrekte Schreibweise von Wörtern könnte von einer Vielzahl unterschiedlicher Hirnregionen gesteuert werden, die weit voneinander entfernt liegen. Dies legen die Ergebnisse von Untersuchungen an Schlaganfall-Patienten nahe, die eine Gruppe von Wissenschaftler an der Johns Hopkins Universität unter Leitautorin Brenda Rapp in Brain veröffentlicht hat (http://dx.doi.org/10.1093/brain/awv348).

Rechtschreibschwächen sind oft kombiniert mit Leseschwierigkeiten und werden dann unter der Bezeichnung Legasthenie zusammengefasst. Die Entstehung dieser Störung ist komplex. Neben genetischen und äußeren Einflussfaktoren liegt der Erkrankung vermutlich eine Störung der visuellen und auditorischen Wahrnehmungsverarbeitung zugrunde.

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Auch Patienten nach einem Schlaganfall können Schwierigkeiten haben, Wörter korrekt zu schreiben, insbesondere wenn Gedächtnisstörungen vorliegen. So schreiben Patienten mit Beeinträchtigungen des Langzeitgedächtnisses zum Beispiel statt dem Wort „Computer“ eher Worte wie „Komjuta“ oder „Komjata“. Bei Beeinträchtigungen des Arbeitsgedächtnisses haben Patienten hingegen eher Probleme, die Buchstaben in die richtige Reihenfolge zu bringen. So kann aus dem Wort „Löwe“ auch „Lwöe“ oder „Lewö“ werden.

Um einen Eindruck von den Hirnarealen zu bekommen, welche die Schreibweise von Wörtern koordinieren, untersuchten die Forscher 33 Patienten, die vor 15 Jahren einen Schlaganfall erlitten hatten und unter Rechtschreibstörungen litten. Die Patienten wiesen außerdem verschiedene Einschränkungen des Langzeit- und Arbeitsgedächtnisses auf. Die Daten gewann die Arbeitsgruppe über CT- und MRT-Aufnahmen.

Es zeigte sich, dass bei Einschränkungen des Langzeitgedächtnisses vor allem Strukturdefizite in der linken inferioren posterioren Frontalregion und dem ventralen Temporalkortex vorlagen. Bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitsgedächtnis gingen die Rechtschreibstörungen von Läsionen im linken Parietalkortex aus, nahe dem intraparietalen Sulcus.

Aus den Daten schließen die Forscher, dass die Rechtschreibung von Wörtern von unterschiedlichen Hirnregionen in komplexer Zusammenarbeit koordiniert wird. Hierbei war die weite Entfernung der einzelnen Hirnregionen voneinander für die Wissen­schaftler überraschend. Sie hoffen, durch die genaue Analyse der involvierten Hirnregionen ein besseres Verständnis zu Entstehung und Therapie von Recht­schreibstörungen zu gewinnen. © hil/aerzteblatt.de

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