Medizin

Gewichtsverlust im Alter erhöht Demenzrisiko

Donnerstag, 11. Februar 2016

Rochester – Menschen über 70 Jahren, die Gewicht verlieren, könnten ein erhöhtes Risiko für kognitive Einschränkungen haben. Die Forscher der Mayo Clinic um Rosebud Roberts berichten in Neurology (doi: 10.1001/jamaneurol.2015.4756).

Anzeige

Milde kognitive Einschränkungen im Alter sind eine Risikofaktor für eine fortschreitende Demenz. Sie sind gekennzeichnet durch subjektive Gedächtniseinschränkungen, die in aller Regel auch dem Umfeld auffallen. Die Forscher berichten, dass pro Jahr rund fünf bis 15 Prozent der Betroffenen an einer manifesten Demenz erkranken. Der Zusammen­hang zwischen Veränderungen des Körpergewichts und der kognitiven Leistung wurde laut der Forscher bereits in einigen Studien untersucht. Bisher sind die Ergebnisse jedoch widersprüchlich. Falls ein kausaler Zusammenhang zwischen Gewichtsabnahme und kognitiver Funktion besteht, wäre dies ein interessanter Ansatz für Interventionsstrategien.

Die Arbeitsgruppe untersuchte Teilnehmer der Mayo Clinic Study of Aging von 2004. Die Patienten waren älter als 70 Jahre alt. Aus früheren Patientendaten rekonstruierten die Forscher das ehemalige Gewicht der Patienten, das sie im Alter zwischen 45 und 60 Jahren hatten.

Nach einer durchschnittlichen Beobachtungszeit hatten 524 der 1.895 Patienten eine milde kognitive Einschränkung entwickelt. Es zeigte sich, dass die Betroffenen eine schnellere Gewichtsabnahme zeigten als die Vergleichsgruppe (2kg versus 1,2kg Gewichtsverlust pro Dekade).

Andersherum zeigte sich auch eine Korrelation zwischen Gewichtsabnahme und dem Risiko, an einer milden kognitiven Beeinträchtigung zu erkranken. Unter Adjustierung von Geschlecht, Bildung und genetischer Prädispostion (ApoE-Allel) erhöhte sich pro fünf zusätzlichen Kilo Gewichtsverlust das Risiko um 24 Prozent. Ein Gewichtsverlust im hohen Alter könnte ein Marker für das Demenzrisiko sein. Ob sich jedoch durch Interventionen zur Gewichtsstabilisierung das Demenzrisiko senken lässt, bleibt im Rahmen der Studie offen. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dr.Bayerl
am Sonntag, 14. Februar 2016, 11:33

ein Gewichtsverlust im hohen Alter ist sicher ein Marker für ein Ernährungsdefizit

so wird ein Schuh draus.
Dieses Ernährungsdefizit führt zu vielen Gesundheitsrisiken, die statistisch die Lebenserwartung reduzieren. Der Kalorienbedarf ist zwar durch weniger Bewegung reduziert, nicht aber der Bedarf an essentiellen Mikronährstoffen und das weitgehend unterschätzte "Eiweißminimum".
Bis zu 40% der Alzheimerpatienten sollen z.B. einen B12-Mangel haben.
5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

19.07.16
Alzheimer Gesellschaften fordern, Kranke weniger zu fixieren
Düsseldorf – Angehörige von Menschen mit Demenz wollen die Verwendung von Gurten und Gittern bei den Kranken deutlich verringern. „Es wird viel zu viel festgegurtet“, sagte Regina Schmidt-Zabel,......
06.07.16
Berlin – Union und SPD haben gestern entschieden, dass über die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie etwa Demenzkranken erst nach der Sommerpause im Bundestag beraten......
05.07.16
Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen – wie zum Beispiel Demenzkranken – erleichtern. Obwohl sich Union und SPD......
30.06.16
Gruppennützige Forschung: Union und SPD bringen gemeinsamen Antrag ein
Berlin – Union und SPD haben sich im Streit um die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie zum Beispiel Demenzkranken auf einen gemeinsamen Änderungsantrag verständig. Zuvor......
22.06.16
Köln – Die Unionsfraktion hat sich auf einen Vorschlag geeinigt, unter welchen Voraussetzungen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen, wie beispielsweise Demenzkranken, erlaubt werden......
14.06.16
Ultraschall und Mikrobubbles befördern Medikamente durch die Bluthirnschranke
Washington - Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass giftige Stoffe, aber auch Medikamente von der Blutbahn in das Gehirn gelangen. Mittels Ultraschall und Gasbläschen ist es Forschern gelungen, diese......
14.06.16
Demenzforschung: Lauterbach macht Kompromissvorschlag
Berlin – Im Streit darüber, ob künftig gruppennützige Forschung an Demenzkranken erlaubt sein soll und welche Rahmenbedingungen dafür gelten, will SPD-Fraktionsvize Karl Lauterbach der SPD-Fraktion......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige