Medizin

Zikaviren samt Genom im fetalen Gehirn nachgewiesen

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ljubljana – Pathologen aus Slowenien haben im Gehirn eines Feten, dessen Mutter die Schwangerschaft in der 32. Gestationswoche beenden ließ, neben zahlreichen pathologischen Veränderungen auch Flavivirus-ähnliche Partikel und das gesamte Genom des Zika-Virus nachgewiesen. Der im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1600651) publizierte Autopsiebericht bestätigt die Vermutung, dass die Viren intrauterin übertragen werden und eine schwere Enzephalopathie auslösen, auch wenn streng genommen, ein Beweis noch aussteht.

Die Mutter des Kindes hatte sich seit Dezember 2013 beruflich in Natal, der Hauptstadt des Bundesstaates Rio Grande do Norte im Nordosten von Brasilien aufgehalten, wo sie schwanger wurde. Im Februar 2015 erkrankte sie in der 13. Woche mit hohem Fieber, Schmerzen im Bewegungsapparat sowie einem makulopapulösen Exanthem. Es wurde sofort der Verdacht einer Infektion mit dem Zika-Virus gestellt, doch die Ultra­schalluntersuchungen in der 14. und 20. Woche waren normal.

Anzeige

Nach ihrer Rückkehr nach Europa wurden dann in der 32. Woche doch Auffälligkeiten entdeckt. Das Kind wies eine schwere Mikrozephalie (Hirngröße unter der 2. Perzentile) mit zahlreichen Verkalkungen und einer leichten Vergrößerung der Hirnventrikel. Die Frau entschied sich für einen Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation. 

Pathologen der Universität führten nach dem Abort eine Autopsie des Kindes und der Plazenta durch. Wie das Team um Tatjana Avšič Županc berichtet, wurden patholo­gische Veränderungen nur in der Plazenta und im Gehirn des Kindes gefunden. Die Veränderungen in der Plazenta beschränkten sich auf Mikroverkalkungen. Sie könnten jedoch die intrauterine Wachstumsstörung erklären.

Das Kind war für das Gestationsalter zu klein (Gewicht unter der 5. Perzentile). Auffallend waren jedoch zahlreiche Veränderungen im Gehirn, das lediglich 84 Gramm wog. Die Pathologen stellten ein vollständiges Fehlen von Hirnwindungen fest, die Seitenventrikel waren stark dilettiert und die gesamte Hirnrinde wies dystrophische Verkalkungen auf. Hirnstamm und Rückenmark waren unterentwickelt. In den langen absteigenden Rückenmarksbahnen gab es Zeichen einer Wallerschen Degeneration.

Zielführend für die Diagnose waren elektronenmikroskopisch sichtbare Viruspartikel, die die Gestalt von Flaviviren aufwiesen, sowie genetische Spuren von Zika-Viren. Die Forscher konnten das gesamte Genom des Erregers rekonstruieren. Es stimmte zu 99,7 Prozent mit einem 2013 bei einem in Französisch-Polynesien identifizierten Stamm überein. Damit steht für die Forscher fest, dass die Enzephalopathie des Kindes durch das derzeit in Südamerika verbreitete Zikavirus ausgelöst wurde, zumal keine Spuren anderer Erreger im Gehirn nachgewiesen werden konnten.

Dieser Ansicht stimmt auch Eric Rubin von der Harvard Universität zu. Zwar seien die Koch-Postulate nicht erfüllt. Dazu müsste der Erreger isoliert und in einem Tiermodell eine Erkrankung ausgelöst haben. Doch zusammen mit den epidemiologischen Daten – die Zahl der Mikrozephalien ist während der Epidemie um den Faktor 20 angestiegen –seien kaum noch Zweifel möglich, schreibt Rubin in einem Editorial. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dr.Bayerl
am Freitag, 19. Februar 2016, 08:56

Das "Kochsche Postulat" ist historisch, aber

wegen der Wirtsspezifität der meisten "Parasiten" häufig unmöglich!
Versuchen Sie mal Masern auf Ratte oder Schwein zu übertragen.
Das geht nur von Mensch zu Mensch, da allerdings sehr gut bis in 10m Entfernung :-)
Die Übertragbarkeit des Zika-Virus über den Vektor Mücke ist doch geklärt,
deshalb verstehe ich den Einwand überhaupt nicht.
Es ging hier nur noch um die katastrophale Missbildungswirkung auf das menschliche Embryo.
Brech
am Sonntag, 14. Februar 2016, 19:57

Zikaviren

DAS Zikavirus, bitte.
Bretscher
am Donnerstag, 11. Februar 2016, 21:46

Kaum noch Zweifel möglich

Aber es geht nicht um Zweifel an einem möglichen Zusammenhang, sondern um den Beweis, dass das Zika für die Veränderungen verantwortlich ist. Zu oft sind scheinbar eindeutige Zuhammenhänge überraschend als nicht zutreffend enttarnt worden. Deshalb ist das Koch`sche Postulat einzufordern.
5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

26.08.16
Sao Paulo - Ein Kind, das intrauterin mit dem Zikavirus infiziert wurde, schied das Virus noch zwei Monate nach der Geburt mit dem Speichel und Urin aus, berichten brasilianische Mediziner im New......
25.08.16
Wien – Das Biotech-Unternehmen Themis Bioscience GmbH gab heute die Impfung eines ersten Probanden im Rahmen einer klinischen Studie der Phase 2 eines prophylaktischen Impfstoffkandidaten gegen......
24.08.16
Zikavirus: Worauf Radiologen achten müssen
Rio de Janeiro – Zikavirus-Infektionen im ersten Trimenon hinterlassen die schwersten Schäden am Gehirn. Die Läsionen unterscheiden sich von anderen infektiösen Embryopathien. Die bisher......
22.08.16
Miami – Für die Touristenhochburg Miami Beach im südlichen US-Bundesstaat Florida ist eine Reisewarnung ausgegeben worden, nachdem dort fünf neue Zika-Fälle registriert wurden. Da das Virus von Mücken......
19.08.16
Rio de Janeiro – Das Zikavirus kann auch durch Blutprodukte übertragen werden. In Brasilien hat ein Spender laut einem Bericht im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMc1607262) über......
17.08.16
New York – Das vor allem in Lateinamerika kursierende Zikavirus ist auch in den USA vermehrt präsent. Besonders bei werdenden Müttern kann eine Ansteckung gefährlich sein. Nun gibt es neue Zahlen.......
16.08.16
Genf – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) startet zur Bekämpfung der Gelbfieber-Epidemie in Angola und im Kongo eine der bislang größten Impfkampagnen. Bis zu 14 Millionen Menschen sollen innerhalb......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige