Medizin

Alkohol: Darmbakterien fördern Leberschaden

Freitag, 12. Februar 2016

San Diego – Ein langjähriger Alkoholkonsum fügt der Leber möglicherweise nicht nur toxische Schäden zu. Untersuchungen in Cell Host & Microbe (2016; 19; 227-239) zeigen, dass eine Schädigung der Darmschleimhaut das Eindringen von Krankheits­erregern in die Leber begünstigt.

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Die Paneth-Körnerzellen, die sich auf dem Boden der Lieberkühn-Krypten im Dünndarm befinden, haben die Aufgabe, den Darm vor Infektionen zu schützen. Sie setzen dazu eine Reihe von Substanzen frei. Dazu gehören die REG3-Proteine, die auch als körpereigene Antibiotika bezeichnet werden. In einer früheren Studie hatte das Team um Bernd Schnabl von der San Diego School of Medicine zeigen können, dass ein regelmäßiger Alkoholkonsum die Bildung der REG3-Proteinen im Darm vermindert. Die Folge ist eine Veränderung der Darmflora.

Jetzt können die Forscher zeigen, dass die Störung nicht auf den Darm beschränkt bleibt. Mäuse, denen das Gen für die Bildung von REG3-Proteinen fehlt, entwickelten bei einem Alkoholkonsum schneller eine entzündliche Fettleber (Steatohepatitis), die eine Vorstufe der Leberzirrhose ist. Tiere, die vermehrt REG3 bildeten, waren dagegen weitgehend vor Alkoholschäden der Leber geschützt.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass der fehlende antimikrobielle Schutz der Schleimhaut Darmbakterien die Passage der Schleimhaut erleichtert. Die Keime gelangen dann über die Pfortader in die Leber. Dies führt nicht sofort zu einer offenen Infektion. Schnabl vermutete, dass die Bakterien durch Kupffer-Zellen beseitigt werden. Irgendwann würden die aktivierten Kupffer-Zellen, die zum Immunsystem gehören, dann auch die Leberzellen angreifen und zerstören. Langfristig führt dies über eine Fettleber (Steatose) und eine Steatohepatitis zur Zirrhose.

Ob diese Vorgänge auch beim Menschen eine Rolle spielen, wurde bisher nicht untersucht. Schnabl konnte bisher nur zeigen, dass Schleimhautbiopsien von Patienten mit einer Alkoholabhängigkeit eine größere Anzahl von Bakterien enthalten. Sollte die Hypothese aber stimmen, dann sollten Behandlungsstrategien, die die Konzentration von REG3 in der Schleimhaut erhöhen, Alkoholkranke vor einer Schädigung der Leber schützen können. © rme/aerzteblatt.de

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