Ärzteschaft

Fachgesellschaft sieht psychisch Kranke durch Asylpaket II benachteiligt

Freitag, 12. Februar 2016

Berlin – Nach Einschätzung der  Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) werden die Rechte psychisch Kranker Asylbewerber im Asylpaket II nicht ausreichend berücksichtigt. Sie forderte deshalb umfassende Korrekturen an dem neuen Gesetzesentwurf.

Das Asylpaket II sieht vor, dass künftig nur noch lebensbedrohliche und schwer­wiegende Erkrankungen eine Abschiebung verhindern können. Psychische Erkran­kungen wie Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) gehören dabei in der Regel nicht dazu.

Anzeige

Dabei sei eine therapeutische Behandlung bei schweren psychischen Erkrankungen wie der PTBS unverzichtbar. „Der Gesetzesentwurf verkennt die Schwere dieser Krankheitsbilder. Ohne professionelle Hilfe besteht für die Betroffenen nicht nur die Gefahr einer Chronifizierung, sondern auch einer erheblichen Selbstgefährdung“, warnte DGPPN-Präsidentin Iris Hauth. Zudem führe eine Traumatisierung häufig zu Depressionen, Angststörungen und Suchterkrankungen, die das Suizidrisiko drastisch erhöhen.

Die DGPPN-Präsidentin kritisierte zudem, dass der bisherige Gesetzesentwurf psychische Erkrankungen verharmlose und betroffene Menschen stigmatisiere. So würden entsprechende Krankheitsbilder darin aus „schwer diagnostizier- und überprüfbar“ diskriminiert. „Die Diagnose von psychischen Erkrankungen ist heute genauso zuverlässig wie die Diagnostik vieler körperlicher Erkrankungen“, so Hauth. Der Gesetzesentwurf erwecke jedoch den Eindruck, dass Asylsuchende psychische Erkrankungen regelmäßig als Abschiebungshindernis vortäuschen würden. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

26.09.16
Unerkannt können Legasthenie und Dyskalkulie zu psychischen Störungen führen
Berlin – Kinder mit Legasthenie und Dyskalkulie sollten möglichst frühzeitig erkannt und differenziert diagnostiziert werden, damit sich keine psychischen Störungen daraus entwickeln. Darauf wies......
23.09.16
Frankfurt – Die Landesärztekammer Hessen (LÄKH) hat sich gegen pauschalierende Schuldzuweisungen bezüglich falscher Atteste für Asylbewerber gewehrt. „Wir weisen den pauschalen Vorwurf der......
20.09.16
Potsdam – Brandenburg will die Angebote zur gesundheitlichen Betreuung von geflüchteten Kindern und Jugendlichen besser miteinander vernetzen. Die Versorgung könne nur von vielen Partnern gemeinsam......
20.09.16
Verknüpfung von psychischen Erkrankungen mit Terrorismus schürt Vorurteile
London – Die häufige mediale Thematisierung des psychischen Zustandes von Attentätern könnte zu der Entwicklung von Vorurteilen gegenüber psychisch Erkrankten beitragen. Davor warnen britische......
20.09.16
UN-Erklärung soll Grundlage für globalen Flüchtlingspakt schaffen
New York – Mit einer neuen Erklärung zum besseren Umgang mit Flüchtlingen und Migranten hoffen die Vereinten Nationen auf einen weltweiten Pakt zum Thema im Jahr 2018. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon......
19.09.16
Berlin – Nach einer heftigen Diskussion wegen angeblicher Gefälligkeitsatteste für Flüchtlinge und medizinische Abschiebehemmnisse meidet das Bundesministerium des Inneren jetzt offenbar jegliche......
19.09.16
Hannover – Homosexuelle Flüchtlinge sollen künftig Hilfe dabei erhalten, sich frei von Diskriminierung in Niedersachsen zurechtzufinden. Ein vom Sozialministerium heute gestartetes Netzwerk solle als......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige