Medizin

Epilepsie: Risikoloser Wechsel zwischen Lamotrigin-Generika

Freitag, 12. Februar 2016

Cincinnati – Der Wechsel zwischen verschiedenen Generika des Antiepileptikums Lamotrigin, der aus ökonomischen Gründen sinnvoll sein kann, blieb in einer von der US-Arzneimittelbehörde FDA initiierten Studie ohne Auswirkungen auf die Wirkstoffspiegel oder auf die Anzahl der epileptischen Episoden, wie aus einer Publikation in Lancet Neurology (2015; doi: 10.1016/S1474-4422(16)00014-4) hervorgeht.

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Generika-Hersteller müssen gegenüber den Arzneibehörden die Gleichwertigkeit ihrer Produkte mit den Originalpräparaten nachweisen. Die Bioäquivalenzstudien beschränken sich jedoch in der Regel auf den Vergleich der Wirkstoffspiegel nach einer einmaligen Einnahme. Dies könnte bei Antiepileptika, die die Patienten prophylaktisch zur Vermeidung von Krampfanfällen einnehmen, die oft nur in größeren Abständen auftreten, nicht ausreichen.

Diese Bedenken wurden nach dem Ende des Patentschutzes nicht nur vom Hersteller von Lamotrigen geäußert. Auch die American Epilepsy Society und die American Academy of Neurology standen den Generika skeptisch bis ablehnend gegenüber. Die Bedenken stützten sich zudem auf Fallberichte und die Ergebnisse aus retrospektiven Studien.

Die FDA hat deshalb eine Reihe von zusätzlichen Äquivalenz-Studien begonnen. In der BEEP-Studie (Bio-equivalence in Epilepsy Patients) wechselten die Patienten alle zwei Wochen zwischen dem Originalpräparat und einen Generikum. Wie das Team um James Polli von der University of Maryland in Baltimore im letzten Jahr in Epilepsia (2015; 56: 1415-1424) mitteilte, hatte dies keine Auswirkungen auf die Wirkstoffspiegel oder die Zahl der Anfälle.

Die jetzt von einem Team um Michael Privitera vom Cincinnati Neuroscience Institute publizierten Ergebnisse der EQUIGEN-Studie (Equivalence Among Generic AEDs) dürften weitere Bedenken zerstreuen. Dieses Mal waren 35 Epilepsie-Patienten im Wechsel für jeweils 14 Tage mit zwei unterschiedlichen Generika behandelt worden.

Auch in dieser Studie kam es weder zu Differenzen in den Wirkstoffspiegeln, noch wurde ein Anstieg der Nebenwirkungen oder der Epilepsie-Episoden beobachtet. Für Privitera gibt es deshalb keinen Grund, an der Äquivalenz zu zweifeln. Der Forscher vermutete, dass die früheren Berichte eines Nocebo-Phänomens waren, nach dem eine Erwar­tungs­haltung das Auftreten oder die Wahrnehmung von Nebenwirkungen oder Wirkungsverlusten begünstigt. Einige Patienten könnten auch durch die unterschiedliche Form und Farbe der Tabletten irritiert werden und Fehler bei der Medikamenten­einnahme gemacht haben. © rme/aerzteblatt.de

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