Medizin

Antidiabetikum Liraglutid könnte Beta-Zellen auf Dauer erschöpfen

Montag, 15. Februar 2016

Stockholm – Das Inkretin-Mimetikum Liraglutid, das die Insulinausschüttung steigert, hat in einer tierexperimentellen Studie langfristig zur Erschöpfung der Beta-Zellen geführt, wie ein Forscherteam in Cell Metabolism (2016; doi: 10.1016/j.cmet.2016.01.009) berichtet.

Liraglutid ist in Deutschland seit 2009 zur Behandlung des Typ 2-Diabetes zugelassen. Die Einführung eines Präparats zur unterstützenden Behandlung von Übergewicht und Fettleibigkeit steht bevor. Liraglutid ist ein Analogon des Hormons Inkretin (GLP-1), das bei Eintreffen des Speisebreis von intestinalen L-Zellen freigesetzt wird, um die Beta-Zellen zu einer rechtzeitigen Freisetzung von Insulin zu veranlassen. Durch eine Änderung der Aminosäurenabfolge wird ein schneller Abbau von Liraglutid verhindert und die Wirksamkeit verlängert.

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Die kurzfristige Wirksamkeit und Sicherheit von Liraglutid beim Typ 2-Diabetes und auch als Diätmedikament ist durch klinische Studien gesichert. Wie bei anderen Mitteln, die die Insulinproduktion in den Beta-Zellen anregen, gibt es Bedenken, dass die Steigerung der Insulinproduktion, die aufgrund der Insulinresistenz beim Typ 2-Diabetes ohnehin erhöht ist, langfristig zu einem „Burnout“ der Beta-Zellen führen könnte.

Ein Team um Per-Olof Berggren vom Karolinska-Institut in Stockholm und Midhat Abdulreda von der Miller School of Medicine in Miami haben diese Möglichkeit an einem Tiermodell untersucht. Sie verwendeten dazu Mäuse, deren Beta-Zellen zunächst durch Injektion von Streptozotocin zerstört wurden und denen dann menschliche Inselzellen implantiert wurden.

Die anschließende Behandlung mit Liraglutid, das als Peptid täglich injiziert werden muss, erzielte dann zunächst die erwartete blutzuckersenkende Wirkung. Doch nach etwa 200 Tagen begann die Wirkung nachzulassen, nach 250 Tagen war der Anteil der Tiere, die unter der Behandlung normale Blutzuckerwerte erzielen, deutlich abgefallen. Die Ursache war ein Rückgang der Insulin-Produktion durch die transplantierten Zellen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die nicht mit Liraglutid behandelt worden war.

Tierexperimentelle Studien können eine schädigende Wirkung beim Menschen nicht beweisen, Berggren und Abdulreda weisen jedoch darauf hin, dass die langfristige Wirkung von Liraglutid bisher in klinischen Studien nicht ausreichend untersucht ist.

Ihrer Ansicht nach sollten Ärzte die Patienten auf die potenziellen langfristigen Auswirkungen hinweisen. Patienten mit Typ 2-Diabetes könnte die Notwendigkeit einer vorzei­tigen Insulinbehandlung noch zu vermitteln sein. Für den Einsatz als Diätme­dikament dürfte eine Erschöpfung der Beta-Zellen als Langzeitkomplikation, sollte sie denn tatsächlich auftreten, ein ernstzunehmendes Sicherheitproblem sein. Es bleibt abzuwarten, ob die Arzneimittelagenturen auf die Ergebnisse der Studie reagieren werden. © rme/aerzteblatt.de

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