Medizin

Niereninsuffizienz: Häufig unerkannt

Montag, 15. Februar 2016

Köln – In Deutschland sind knapp 2 Million Menschen an einer nichtdialysepflichtigen Niereninsuffizienz erkrankt. Dies geht aus einer Studie des Robert Koch-Instituts hervor, die Matthias Girndt und Koautoren im Deutschen Ärzteblatt vorstellen (Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 85-91). In einem zweiten Beitrag kommt die Gruppe um Falk Hoffmann zu dem Ergebnis, dass jeder fünfte Pflegeheimbewohner ein bei einer  Niereninsuffizienz kontraindiziertes Medikament erhält (Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 92-98).

Bisher gab es in Deutschland keine bevölkerungsbasierten Schätzungen der Prävalenz chronischer Nierenfunktionsstörungen in den nichtdialysepflichtigen Stadien. Girndt und Koautoren analysierten die Daten zur Nierenfunktion aus der bundesweiten „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland 2008-11“.

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Die ermittelten Prävalenzschätzungen zeigen, dass im Alter von 18-79 Jahren in Deutschland etwa 1,53 Millionen Menschen eine eingeschränkte Nierenfunktion aufwiesen. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen war jeder 8. betroffen. Etwa nur ein Viertel des Studienkollektivs wusste von seiner Nierenfunktionseinschränkung und nur 2/3 derjenigen, die ihre Störung kannten, waren deshalb in ärztlicher Behandlung.

Hoffmann und Koautoren untersuchten in einer Querschnittsstudie in Bremer und niedersächsischen Pflegeheimen die Versorgungslage von niereninsuffizienten Pflegeheimbewohnern. Sie werteten die Krankendaten von 852 Bewohnern aus 21 Heimen aus. Das Durchschnittsalter lag bei 83,3 Jahren, und 75 % der Untersuchten waren Frauen. Viele dieser Pflegheimbewohner erhielten dauerhaft Medikamente, etwa 25 % der Studienteilnehmer mindestens 9.

Eine große Anzahl dieser verabreichten Pharmaka müssen in ihrer Dosierung bei einer Niereninsuffizienz angepasst werden oder dürfen gar nicht verabreicht werden. Hoffmann und Koautoren stellten fest, dass jeder fünfte Heimbewohner mindestens ein Arzneimittel bekam, das bezüglich der vorhandenen Nierenfunktion gemäß Fachinformation nicht adäquat dosiert oder sogar kontraindiziert war.

„Da es nur selten möglich ist, die Nierenfunktion therapeutisch zu verbessern, liegt der Fokus auf der Aufrechterhaltung der bestehenden Nierenfunktion“, resümiert Kai-Uwe Eckardt in einem einleitendem Editorial (Dtsch Arztebl Int 2016; 113: 83-5), und „um dies zu erreichen, müssen Blutdruck und Stoffwechsel adäquat eingestellt werden“. et © et/aerzteblatt.de

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