Medizin

Kann Paracetamol in der Schwangerschaft beim Kind Allergien fördern?

Dienstag, 16. Februar 2016

Oslo – Eine intrauterine Exposition mit Paracetamol und die Behandlung im Säuglings­alter sind laut einer prospektiven Beobachtungsstudie im International Journal of Epidemiology (2016; doi: 10.1093/ije/dyv366) mit einem erhöhten Risiko auf eine Asthmaerkrankung in den ersten Lebensjahren verbunden.

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In den westlichen Ländern erkrankt eines von 20 Kindern in den ersten Lebensjahren an Asthma. In der Norwegian Mother and Child Cohort Study, die 114.500 Kinder seit der Schwangerschaft ihrer Mütter begleitet, betrug die Prävalenz 5,7 Prozent im Alter von drei Jahren und 5,1 Prozent im Alter von sieben Jahren.

Auf der Suche nach den Ursachen haben sich Maria Magnus vom Folkehelseinstituttet in Oslo und Mitarbeiter die Verordnungen von Paracetamol an die Mutter und die Kleinkinder angesehen. In beiden Gruppen sind Verordnungen häufig. In der Schwan­ger­schaft ist Paracetamol ein bevorzugtes Schmerzmittel, Kleinkinder erhalten das Mittel häufig zur Fiebersenkung. In der Norwegian Mother and Child Cohort Study wurden fast zwei Drittel der Kinder entweder vor der Geburt (27,9 Prozent) oder nach der Geburt (15,5 Prozent) oder in beiden Lebensphasen (19,1 Prozent) mit Paracetamol exponiert.

Wie Magnus herausfand, erkrankten die Kinder, deren Mütter während der Schwanger­schaft Paracetamol eingenommen hatten, etwas häufiger an Asthma. Magnus ermittelt ein relatives adjustiertes Risiko von 1,33. Aufgrund der großen Fallzahl war es mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,02 bis 1,25 statistisch signifikant. Auch die Verord­nung von Paracetamol an die Kinder war mit einem leicht erhöhten Erkrankungsrisiko verbunden.

Das adjustierte relative Risiko betrug hier 1,29 (1,16-1,45). In beiden Gruppen war die Assoziation unabhängig davon, aus welchem Grund Mutter und Kind Paracetamol erhalten hatten. Dies schließt aus, dass die Krankheit, wegen der Paracetamol verordnet wurde, und nicht das Medikament für die Assoziation verantwortlich war.

Die Studie kann letztlich nicht beweisen, dass Paracetamol tatsächlich Ursache für eine Asthmaerkrankung des Kindes sein kann. Magnus vermutete eine proinflammatorische Wirkung von Paracetamol in den Atemwegen und führt hierzu die Ergebnisse einer tierexperimentellen Studie an (FASEB J. 2010;24: 4904-16). Einen Beweis stellt dies jedoch nicht dar.

Sollte sich die Assoziation in weiteren Studien bestätigen, könnte Paracetamol einer der Gründe für den Anstieg von Asthmaerkrankungen bei Kleinkindern sein. Ob ein spar­samerer Einsatz die Zahl der Erkrankungen begrenzen würde, müsste sinnvollerweise in einer randomisierten prospektiven Studie untersucht werden. Auswirkungen auf Behandlungsleitlinien oder Einschränkungen durch die Arzneimittelbehörden dürfte es vorerst nicht geben. © rme/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 17. Februar 2016, 14:15

Einfacher Erklärungsansatz

Dafür gibt es eine einfache Erklärung: Wer in der Schwangerschaft vorschnell Paracetamol einnimmt, um selbst relativ banale Symptome sofort zu coupieren, wird seinem Säugling viel eher auch Paracetamol geben, wenn geringe Zeichen von (Atemwegs-)Erkrankungen vorliegen, die einer frühkindlichen Asthma-Symptomatik vorausgehen dürften.

Da bei 30% der erkrankten Kinder die ersten Asthmasymptome bereits im ersten Lebensjahr auftreten, findet sich der Paracetamol-Gebrauch in dieser Altersgruppe mit Asthma bronchiale überzufällig häufiger, insbesondere, wenn zusätzliche ärztlich-diagnostische Maßnahmen zur Abklärung erfolgen.

80-90% der Patienten entwickeln die Krankheit bis zum fünften Lebensjahr. Je später bei Kindern erste Asthma-Anzeichen auftreten, desto wahrscheinlicher ist eine allergische Ursache.

Die frühe und auch prä-natale "Medikalisierung des Alltags" mit Paracetamol führt zu schnellerer und intensiverer Asthma-Diagnostik.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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