Medizin

Gen fördert Psychose unter Cannabis

Mittwoch, 17. Februar 2016

Exeter – Eine Genvariante, die die Wirkung der Cannabis-Droge THC auf das Belohnungssystem im Gehirn beeinflusst, erklärt möglicherweise, warum die Droge bei einigen Konsumenten psychotische Symptome auslöst (Translational Psychiatry 2016; 6: e738).

Das Gen AKT1 enthält die Information für eine Kinase, die in die Weiterleitung von Signalen am DopaminD2-Rezeptor eingreift. Eine gestörte Kinase-Funktion, beispiels­weise ausgelöst durch eine Genvariante, führt dabei zu einer Verstärkung der Dopamin-Signale. Da auch der Wirkstoff THC aus der Cannabis-Droge die Dopamin-Freisetzung fördert, könnten sich beide Effekte verstärken.

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In einer früheren Fall-Kontroll-Studie konnten Forscher des King's College London zeigen, dass Menschen mit einer Variante von AKT1 (Genotyp CC am Genort rs2494732) ein mehr als zweifach erhöhtes Risiko auf eine Psychose haben (Odds Ratio OR 2,18). Bei Patienten, die täglich Cannabis konsumierten, war das Risiko sogar mehr als siebenfach erhöht (OR 7,23) erhöht.

Jetzt hat ein Forscherteam um Celia Morgan von der Universität in Exeter untersucht, welchen Einfuss die Genvarianten am Genort rs2494732 auf die akute Wirkung der Droge hat. Insgesamt 422 gesunde Konsumenten wurden zuhause aufgesucht, wo diese in gewohnter Atmosphäre einen „Joint“ rauchen durften. Danach sollten sie ihre Erfahrungen in einem „Psychotomimetic States Inventory“ angeben.

Der Fragebogen, der eigens für Konsumenten von Cannabis (und Ketamin) entworfen wurde, erkundigt sich nach Halluzinationen, Wahnvorstellungen, kognitiven Störungen und anderen Symptomen, die für Psychosen wie die Schizophrenie kennzeichnend sind. Konsumenten mit den Genotypen CC und CT gaben deutlich häufiger psychotische Symptome an.

Alle Studienteilnehmer wurden ein zweites Mal aufgesucht. Dieses Mal sollten sie drogenfrei sein, was durch Haaranalyse kontrolliert wurde. Die Forscher fanden heraus, dass viele Teilnehmer, die unter der Droge psychotische Reaktionen zeigten, auch im nüchternen Zustand schizotype Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Diese waren um so ausgeprägter, je länger die Teilnehmer die Droge in der Vergangenheit konsumiert hatten.

Bei beiden Terminen wurde auch ein Test zum Kurzzeitgedächtnis durchgeführt. Frauen wiesen hier unter Drogeneinfluss größere Ausfälle auf als Männer. Morgan vermutete, dass die unterschiedliche Häufigkeit von Endocannaboid-Rezeptoren im Gehirn von Männern und Frauen eine Rolle spielt. Auch im Metabolismus von THC gebe es geschlechtsbedingte Unterschiede. © rme/aerzteblatt.de

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Theriak
am Sonntag, 21. Februar 2016, 17:40

Kein Grund zur Irritation

Ein akute Ausschüttung von Dopamin bei Substanzeinnahme und chronisch verminderte Konzentrationen im Gehirn bei Dauerkonsum sind nicht primär widersprüchlich. Wer mal nach viel Alkohol richtig schlechte Laune hat, weiß wie sich verminderte Dopamin- und Endorphinspiegel im Gehirn anfühlen (trotz massiver Ausschüttung am Abend zuvor).
ZottelKopp
am Samstag, 20. Februar 2016, 08:08

Ich bin irritiert!

Im Artikel liest man folgendes:

[...]Da auch der Wirkstoff THC aus der Cannabis-Droge die Dopamin-Freisetzung fördert, könnten sich beide Effekte verstärken.[...]

Dann zitieren Sie die Studie, die sich eben genau auf diesen, durch THC unnormal erhöhten Dopaminspiegel bezieht und damit als mögliche Ursache für Psychosen herangezogen wird.
Sicherlich klingt das erstmal nachvollziehbar, allerdings scheint Ihnen bei Ihrer Recherche eines "durchgerutscht" zu sein:

In einem Artikel vom 02.07.2013 zu einer anderen Studie, der sich ebenfalls hier auf der Webseite nachlesen lässt ( --> http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/55012 ), titelt das ärzteblatt:

"Cannabis mindert Dopamin-Synthese im Gehirn"

Im Artikel selbst liest man dann das:
"Das bei chronischen Cannabis-Konsumenten beobachtete „Amotivations­syndrom“ könnte seine Ursache in einer verminderten Dopaminproduktion im Gehirn haben, berichten britische Hirnforscher in Biological Psychiatry"

Und weiter:

"Bloomfield hatte vermutet, dass dies Folgen einer vermehrten Dopamin-Produktion in den Belohnungszentren des Gehirns ist. Stattdessen zeigten die PET-Aufnahmen eine deutlich verminderte Dopamin-Konzentration. Dies kann zwar nicht die psychotischen Symptome der Cannabis-Konsumenten erklären, schreibt Bloomfeld, es könnte aber die Ursache des in dieser Gruppe sehr häufig beobachteten „Amotivationssyndroms“ sein."

Es gibt also eine Studie die nachgewiesen hat, dass der Dopaminspiegel im Gehirn nicht steigt (was man ja nachweisen wollte), sondern stattdessen sogar sinkt.

Im aktuellen Artikel schreiben Sie aber genau das Gegenteil.

Könnten Sie mir diese Diskrepanz erklären?

Mit interessierten Grüßen

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