Politik

Pauschaliertes Entgeltsystem in Psychiatrie beschlossen

Donnerstag, 18. Februar 2016

Berlin – Psychisch kranke Menschen sollen künftig besser versorgt werden. Die Gesundheitspolitiker der großen Koalition verständigten sich am Donnerstag in Berlin auf entsprechende Eckpunkte für das Pauschalierte Entgeltsystem für Psychiatrie und Psychosomatik. Dabei werde sich die Vergütung daran orientieren, ob eine Einrichtung diese Menschen nach modernem wissenschaftlichen Standard behandelt, erläuterte Gesundheitsminister Hermann Gröhe nach einem Treffen mit Fachverbänden.

Noch keine Angaben zu den Kosten der Reform
In diesem Zusammenhang müsse in einem solch betreuungsintensiven Bereich auch über eine Aufstockung des Personals nachgedacht werden. Den Eckpunkten zufolge wird der G-BA beauftragt, verbindliche Mindestvorgaben für die personelle Ausstattung der stationären Einrichtungen festzulegen. Die verbindlichen Mindestvorgaben zur Personalausstattung sollen bis 2020 vorgelegt werden. Allerdings seien noch keine genauen Angaben über die Kosten der Reform möglich, hieß es. 

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Gröhe zeigte sich überzeugt, dass die sektorübergreifende Zusammenarbeit zwischen stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen gerade in der Psychiatrie künftig an Bedeutung gewinnen werde. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl Lauterbach erläuterte dazu, häufig komme es vor, dass psychisch Kranke nach einer Behandlung in einer Klinik nach Hause entlassen würden und dann die Betreuung abrupt abbreche, so dass der Patient nach einiger Zeit wieder eingeliefert werden müsse.

Häusliche Betreuung durch Klinikpersonal
Künftig ist laut Gröhe vorgesehen, dass Patienten nach einer Entlassung aus einer Klinik vom Klinikpersonal zu Hause weiter betreut werden sollen. Die Vergütung komme dann aus dem Klinikbudget. Es gelte, sogenannte Drehtüreffekte zu vermeiden, sagte Gröhe. Die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis wies darauf hin, dass für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche das häusliche Umfeld für eine erfolgreiche Behandlung ein wesentlicher Faktor sei.

Der Maßstab für die Vergütung sei künftig grundsätzlich eine leitliniengerechte Behandlung der Patienten. Zudem werde sie sich auch nach regionalen Besonderheiten richten. So kann es durchaus sein, dass in einigen städtischen Gebieten häufiger psychisch Erkrankte in Kliniken eingewiesen werden als etwa im ländlichen Raum.

Leitliniengerechte Behandlung geht nur mit Transparenz
Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, Maria Michalk, unterstrich, um zu erkennen, ob eine Einrichtung leitliniengerecht behandelt, sei Transparenz dringend notwendig. "Auf diese Weise können die in den Kliniken erbrachten Leistungen untereinander verglichen werden."

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Maria Klein-Schmeink verwies auf einen deutlichen Anstieg der Patientenzahlen in psychiatrischen Krankenhäusern. Zudem seien lange Wartezeiten in der ambulanten Behandlung, häufig wiederkehrende stationäre Aufenthalte der Kranken sowie ein Anstieg von frühzeitiger Erwerbsun­fähigkeit „deutliche Hinweise, dass die Versorgung insgesamt dringend weiterentwickelt werden muss”. Klein-Schmeink betonte: „Wir brauchen eine am individuellen Bedarf der Patienten ausgerichtete Vergütung, die flexibel verschiedenste Versorgungsformen ermöglicht.”

Verbindliche Einführung 2017
Die Große Koalition einigte sich, die Neuausrichtung der gesetzlichen Rahmen­bedingungen für das neue Psych-Entgeltsystem in diesem Jahr zu beginnen. Es werde angestrebt, das neue Entgeltsystem ab dem Jahr 2017 verbindlich für alle Psych-Einrichtungen unter budgetneutralen Bedingungen anzuwenden, heißt es in den Eckpunkten. © dpa/aerzteblatt.de

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Stephan.Blaschke
am Sonntag, 21. Februar 2016, 20:29

Leider doppelt eingestellt

Durch einen Klick zu viel wurde mein eben geschriebener Kommentar leider doppelt eingestellt.
Stephan.Blaschke
am Sonntag, 21. Februar 2016, 20:28

Unpassende Bilder

Sehr geehrte Damen und Herren der Online-Redaktion von aerzteblatt.de,

von den drei Fotos, die Sie zur Illustration dieses Beitrages verwenden, scheint mir nur dasjenige von Hr. Minister Gröhe zum Thema passend. Die beiden Bilder auf der rechten Seite dagegen scheinen mir deplatziert. Das eine, das eine fixierte Hand darstellt, halte ich für völlig falsch als Symbolbild für Psychiatrie, das andere stammt offensichtlich von einer somatischen Intensivstation und zeigt einen Patienten mit zahlreichen Perfusoren und Überwachungskabeln, der von einer in "ITS-Blau" gekleideten Person versorgt wird und hat nach meinem Dafürhalten ebenfalls wenig mit Psychiatrie zu tun.

MfG

Dr. Stephan Blaschke,
Stellv. ltd. Arzt einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
Stephan.Blaschke
am Sonntag, 21. Februar 2016, 20:28

Unpassende Bilder

Sehr geehrte Damen und Herren der Online-Redaktion von aerzteblatt.de,

von den drei Fotos, die Sie zur Illustration dieses Beitrages verwenden, scheint mir nur dasjenige von Hr. Minister Gröhe zum Thema passend. Die beiden Bilder auf der rechten Seite dagegen scheinen mir deplatziert. Das eine, das eine fixierte Hand darstellt, halte ich für völlig falsch als Symbolbild für Psychiatrie, das andere stammt offensichtlich von einer somatischen Intensivstation und zeigt einen Patienten mit zahlreichen Perfusoren und Überwachungskabeln, der von einer in "ITS-Blau" gekleideten Person versorgt wird und hat nach meinem Dafürhalten ebenfalls wenig mit Psychiatrie zu tun.

MfG

Dr. Stephan Blaschke,
Stellv. ltd. Arzt einer Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik
gennadij
am Donnerstag, 18. Februar 2016, 21:49

Herr

Und wissenschaftliche Standard, der immer modern bleibt: Man behandelt nicht Krankheit, sondern den Menschen.
Und das heißt der Liebe Gebot.
MfG
G.Eistrach
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