Politik

Glinide bei Diabetes nicht mehr verordnungsfähig

Freitag, 19. Februar 2016

Berlin – Ärzte dürfen Glinide zur Behandlung des Diabetes nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnen. Das hat der Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) entschieden und setzt damit einen Beschluss von 2010 um. Eine Ausnahme gilt für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit schweren Nierenfunktionsstörungen. Ihnen kann der Arzt den Wirkstoff Repaglinid weiterhin zulasten der GKV verordnen, wenn keine anderen oralen Antidiabetika infrage kommen und eine Insulintherapie nicht angezeigt ist.

Der G-BA hatte 2010 eine Verordnungseinschränkung beschlossen, da der thera­peutische Nutzen dieser Wirkstoffgruppe nach dem allgemein anerkannten Stand der medizinischen Erkenntnisse nicht als nachgewiesen angesehen werden konnte. Das Bundesgesundheitsministeriums (BMG) beanstandete den Beschluss, wogegen der G-BA vorm Landessozialgericht Berlin-Brandenburg erfolgreich klagte.

Anzeige

„Bis heute liegen dem G-BA keine wissenschaftlich einwandfrei geführten klinischen Studien mit patientenrelevanten Endpunkten vor, anhand derer der therapeutische Nutzen beziehungsweise die Zweckmäßigkeit dieser – immerhin seit nun 15 Jahren auf dem Markt befindlichen – Wirkstoffgruppe hätte nachgewiesen werden können,“ sagte der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken.

Für die Glinide gäbe es zu den patientenrelevanten Endpunkten wie Mortalität, diabetische Folgekomplikationen und gesundheitsbezogene Lebensqualität keine relevanten Studien. Es seien ausschließlich Kurzzeitstudien vorhanden. „Zudem ist keine der bisher vorliegenden Studien darauf ausgelegt, einen Nutzen der Glinide bei der Vermeidung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nachzuweisen oder das Schadenspotenzial hinsichtlich kardiovaskulärer Risiken zu untersuchen“, so Hecken.

Der Beschluss tritt am ersten Tag des übernächsten Quartals nach seiner Veröffentlichung im Bundesanzeiger in Kraft, voraussichtlich also zum 1. Juli dieses Jahres. © hil/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Practicus
am Donnerstag, 25. Februar 2016, 00:26

Es wäre interessant

einmal die "Patientenrelevanten Endpunkte" der vom IQIG so bezeichneten "zweckmäßigen Vergleichstherapie" mit Glibenclamid zu betrachten...
Wenn es nach IQIG und GBA ginge, würden wir immer noch mit Glibenclamid und Schweineinsulin behandeln!
Herz1952
am Montag, 22. Februar 2016, 12:29

Aber Patientenrelvante Endpunkte nimmt Herr Hecken wohl in Kauf bei Insulin

Herr Hecken ist genau so ein verachtenswerter Vorsitzender des G-BA, wie sein Vorgänger. Dieser hat auch in Kauf genommen, dass Patienten, die auf Insulin umgestellt werden müssen, eventuell einen "Patientenrelevanten Endpunkt" erreichen, wenn dadurch eine Hypoglykämie eintritt.

Es ist leider sehr schwierig, durch das Bundesverfassungsgericht dem G-BA in dieser Hinsicht das "Handwerk zu legen".

Erschwerend kommt hinzu, dass Herr Hecken, ebenfalls wie sein Vorgänger Jurist ist. Diese beiden Herrn berufen sich womöglich auf den "Befehlsnotstand" des AMNOG.
5.000 News Politik

Nachrichten zum Thema

26.08.16
Diabetes Typ 1-Früherkennung: Sachsen startet bundesweites Angebot für Neugeborene
Dresden - Nach der Früherkennungsstudie in Bayern namens „Fr1da“, folgt Sachsen mit einem bundesweiten Screening auf Diabetes Typ 1 für Neugeborene: Freder1k. Im Gegensatz zu der bayerischen Studie......
25.08.16
Diabetes: Zahl der Sehstörungen und Erblindungen ist weltweit gestiegen
Cambridge - Die Zahl der Menschen, die aufgrund einer Diabetes-Erkrankung schwere Sehstörungen entwickeln oder sogar erblinden, hat weltweit stark zugenommen. Dies zeigt eine Analyse der Global Burden......
24.08.16
Typ-2-Diabetes: Studie stellt Blutdruckziele infrage
Göteborg – Menschen mit Typ-2-Diabetes erleiden seltener einen Herzinfarkt oder andere Herz-Kreislauf-Ereignisse, wenn ihr systolischer Blutdruck unter 120 mm Hg liegt. Dies zeigt die Auswertung des......
24.08.16
Ärzte fordern gesetzliche Maßnahmen gegen überzuckerte Lebensmittel
Berlin – Ärzte verschiedener Fachrichtungen haben Konsequenzen aus der jüngsten Untersuchung der Verbraucherorganisation Foodwatch gefordert. Laut dieser heute erschienenen Marktstudie enthalten 59......
22.08.16
Pädiatrie: Häufige Antibiotika-Behand­lungen fördern Typ 1-Diabetes bei Mäusen
New York – Eine wiederholte kurzzeitige Behandlung mit Antibiotika, wie sie in vielen Ländern Kinder in den ersten Lebensjahren erfahren, hat in einem Mäusemodell des Typ 1-Diabetes in Nature......
21.08.16
Künstliches Pankreas verbessert Blutzuckerkontrolle in der Schwangerschaft
Cambridge – Ein sogenanntes „Closed-Loop“-System, das die Insulindosis regelmäßig an den aktuellen Blutzuckerwert anpasst, hat in einer randomisierten Studie im New England Journal of Medicine (2016;......
18.08.16
Berlin – Der Einsatz der Hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO) kann die Wundheilung beim diabetischen Fußsyndrom (DFS) begünstigen. Zu diesem Ergebnis ist kürzlich das Institut für Qualität und......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige