Medizin

Tuberkulose: Bluttest erkennt aktive Erkrankungen

Montag, 22. Februar 2016

Palo Alto – Ein neuer, noch in der Entwicklung befindlicher Bluttest könnte die Diagnose und Verlaufskontrolle der Tuberkulose erleichtern. Der Test, der die Expression von drei Genen misst, die das Immunsystem bei der Abwehr abliest, konnte in einer Studie in Lancet Respiratory Medicine (2015; doi: 10.1016/S2213-2600(16)00048-5) aktive von latenten Tuberkulose-Erkrankungen unterscheiden bei einer niedrigen Rate von falsch-positiven Ergebnissen.

Die Diagnose einer aktiven Tuberkulose ist häufig schwierig, da viele Patienten nicht genügend Sputum für den Nachweis der säurefesten Bakterien produzieren. Hauttest und auch der vor einigen Jahren entwickelte Gamma-Interferon-Test können dagegen nicht sicher zwischen einer aktiven Erkrankung, die immer behandelt werden muss, und der sehr viel häufigeren latenten Tuberkulose unterscheiden, bei der in der Regel keine Therapie erfolgt.

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Auf der Suche nach einem geeigneten Test haben Purvesh Khatri von der Stanford Universität und Mitarbeiter zunächst Genom-Datenbanken nach Patienten durchsucht, die an einer Tuberkulose erkrankt waren. Ihre Idee war, dass das Immunsystem bei einer aktiven Erkrankung anders reagiert als bei einer latenten Infektion.

Tatsächlich fanden sich in den Daten von 2.572 Patienten aus zehn Ländern Unterschiede. Der Unterschied zwischen latenter und aktiver Infektion ließ sich auf drei Gene (GBP5, DUSP3 und KLF2) reduzieren. Der potenzielle Nutzen eines Tests, der auf der Expression dieser drei Gene beruht, wurde dann in einer zweiten Kohorte untersucht.

Laut Khatri konnte der Test in dieser Validierungskohorte mit 1.400 Personen aus elf Ländern zum einen gut zwischen gesunden Personen und Patienten mit aktiver Tuberkulose unterscheiden. Die Receiver-Operating-Characteristic-Kurve (ROC) erreichte einen Wert von 0,90 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,85 bis 0,95. Die Abgrenzung der aktiven Erkrankung von einer latenten Tuberkulose gelang mit einem ROC-Wert von 0,88 (0,84-0,92). Bei der Differenzialdiagnose mit Krankheiten betrug der ROC-Wert 0,84 (0,80-0,95). Diese Werte waren nicht perfekt (ROC 1), sie unterscheiden sich aber deutlich von einem reinen Zufallsergebnis (ROC 0,5). Interessant ist die hohe Spezifität von 0,99. 

Die Gefahr, dass der Test bei Gesunden oder Patienten mit latenter Tuberkulose fälschlicherweise ein positives Ergebnis anzeigt, läge damit nur bei einem Prozent. Die Sensitivität ist etwas geringer (es würden also einige Infektionen übersehen), sie liegt mit 0,86 deutlich über der von der Weltgesundheitsorganisation geforderten Schwelle von 0,66, die zwei Drittel aller Infektionen erkennen würde. 

Khatri hofft, dass der Test auch zur Verlaufsbeobachtung eingesetzt werden könnte. Bei einem Anschlagen der Therapie sollte ein vorher positiver Test negativ ausfallen. Auch ein Einsatz in abgelegenen Regionen sei möglich, da es mittlerweile Laborgeräte zur Polymerasekettenreaktion gebe, die mit Solarenergie betrieben werden könnten. © rme/aerzteblatt.de

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