Medizin

Nur ein Drittel aller klinischen Studien zwei Jahre nach Abschluss veröffentlicht

Dienstag, 23. Februar 2016

New Haven – In den USA wird nur ein Drittel aller klinischen Studien zwei Jahre, nach­dem sie abgeschlossen wurden, veröffentlicht. Dies sei deutlich zu wenig, meint Harlan Krumholz von der Yale School of Medicine, der mit seiner Arbeitsgruppe im British Medical Journal über das Problem von spät oder nie veröffentlichten Studien in den USA berichtet (doi: 10.1136/bmj.i637).

Klinische Studien sind oft nur unter hohem Kosten- und Personalaufwand möglich. Trotzdem berichten die Forscher, dass etwa ein Viertel bis die Hälfte aller abge­schlossenen Studien nie veröffentlicht wird. Im Rahmen des öffentlichen Interesses wurden in den USA Plattformen wie ClinicalTrials.gov ins Leben gerufen. Auf der Seite können Wissenschaftler die Ergebnisse von klinischen Studien veröffentlichen und so einen besseren Zugang zu Publikationen ermöglichen. Wie häufig diese Möglichkeit genutzt wird, ist unklar.

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Die Wissenschaftler überprüften die Publikationshäufigkeit von mehr als 50 großen akademischen Zentren in den USA. Zwischen 2007 und 2010 wurden insgesamt 4.337 registrierte Studien abgeschlossen. Von diesen registrierten Studien wurden jedoch nur 29 Prozent zwei Jahre nach Abschluss veröffentlicht. Auf der Plattform ClinicalTrials.gov wurden nur 13 Prozent dieser Studien publiziert. Unter den eingeschlossenen Institu­tionen veröffentlichte keines der Zentren mehr als 40 Prozent der abgeschlossenen Studien. Weitere 22 Prozent der Studien wurden noch zwei Jahre nach dem Abschluss publiziert.

Die Forscher halten die Publikationsraten angesichts des finanziellen Aufwandes und dem Einsatz der Studienteilnehmer für deutlich zu niedrig. Problematisch seien unter anderem die fehlenden Konsequenzen, wenn Studienergebnisse nicht publiziert würden. © hil/aerzteblatt.de

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Staphylococcus rex
am Dienstag, 23. Februar 2016, 23:35

Auch negative Ergebnisse sind wertvolle Ergebnisse

Wenn Leitlinien nur auf der Basis von "positiven" Ergebnissen erstellt werden, führt dies zu einem Bias in der Wahrnehmung der Realität. Deshalb sollte es zur Pflicht gemacht werden, auch bei "misslungenen" Studien zumindest eine kurze Zusammenfassung mit den wesentlichen Ergebnissen zu veröffentlichen. Angesichts der subjektiven Auslegung des Begriffs "misslungen" können die selben Daten für eine andere Fragestellung durchaus wertvoll sein.

Falls der politische Wille da ist, gäbe es auch ein gutes politisches Druckmittel: Klinische Studien müssen vorher durch die Ethik-Kommission genehmigt werden. Wer da als Studienleiter noch "Altlasten" hat, dem fehlt die moralische Eignung für die Durchführung neuer Studien.

Um den bürokratischen Aufwand in Grenzen zu halten, könnte der Peer Review Prozeß für diese Studien vereinfacht werden, schließlich geht es in dieser Situation nicht mehr um wissenschaftlichen Ruhm sondern um das korrekte Füllen einer Datenbank.
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