Politik

Laumann wirbt für Generalitisk in der Pflegeausbildung

Donnerstag, 25. Februar 2016

Berlin – Der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), hat angesichts massiver Kritik die Zusammenlegung der Pflegeausbildung verteidigt. Der Fachkräftemangel in der Pflege sei eine der größten Herausforderungen des Gesundheitssystems, erklärte Laumann heute in Berlin.

„Wenn wir in einigen Jahren die wissenschaftliche Expertise dazu haben, wie der Personalschlüssel in der Pflege sein muss, dann müssen wir trotzdem jetzt daran arbeiten, mehr Pflegekräfte zu finden“, erklärte Laumann vor Journalisten. Die Weiterentwicklung der getrennten Ausbildungen der Alten-, Kranken- und Kinder­krankenpflege hin zu einer einheitlichen Pflegeberufsausbildung „ist darauf die richtige Antwort“.

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Mit dem Gesetz zur Generalistik in der Pflegeberufsausbildung soll auch das Schulgeld für die Pflegeausbildung abgeschafft werden. Man könne derzeit Medizin oder Pharma­zie studieren, ohne für die Ausbildung zu zahlen. „Aber in fünf Bundesländern, darunter Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Berlin werden Schulgelder für die Ausbildung verlangt“, so Laumann.

Nach seinen Angaben würden so bis zu 15 Millionen Euro von den Auszubildenden eingenommen. Viele andere Bundesländer hätten auch weiterhin nicht die Ausbil­dungsumlage eingeführt. Betriebe, die nicht ausbilden, müssen diese Umlage entrichten. „Diese unsinnigen Regelungen zum Schulgeld und zur Ausbildungsumlage können nur durch ein Bundesgesetz geändert werden“, erklärte Laumann.

Der Pflegebeauftragte zeigte sich empört darüber, dass nach langjährigen Verhand­lungen nun die Debatte über die generalistische Ausbildung so heftig geführt werde. „Ich werde alles dafür tun, dass wir die Mehrheiten für dieses Gesetz in der großen Koalition hinbekommen.“ Neben der Opposition gibt es auch in der Union kritische Stimmen zur generalistischen Ausbildung in der Pflege. „Ich kann aber nicht verstehen, warum einige Leute gibt, die jungen Menschen die Auswahl ihres Berufes einschränken wollen“, so Laumann weiter.

Laumann: Generalistik wertet Pflegeberuf auf
Laumann wies darauf hin, dass die Pflegeberufe in Konkurrenz zu anderen Berufs­gruppen stünden, die verstärkt um Nachwuchs werben. Der Pflegeberuf müsse also für Schulabgänger attraktiv sein. „Und natürlich ist die Generalistik ein Instrument, die Altenpflege aufzuwerten“, so der Pflegebeauftragte. Neben Ausbildung zählten gute Arbeitsbedingungen, eine leistungsgerechte Bezahlung sowie ein gutes Image des Berufsbildes. „Und ich kann verstehen, dass einige Einrichtungen Angst haben, dass ihnen die guten Leute weglaufen.“

Den Aufruf „Gerneralistik jetzt!“ wird auch vom Deutschen Pflegerat unterstützt. Vorsitzender Andreas Westerfellhaus appellierte an die Kritiker: „Über die geäußerten Partikularinteressen kann ich nur den Kopf schütteln. Hier wird jungen Menschen keine Perspektive, keine Karrierechancen und keine anständige Bezahlung zugestanden“, so Westerfellhaus in Berlin. Dem Aufruf haben sich bereits rund 30 Pflegeverbände angeschlossen, darunter auch Verbände aus der Kinderkrankenpflege.

Pflegeberufsgesetz: „Das ist doch absurd“

Nach langjähriger Vorbereitung wollte die Bundesregierung in diesem Jahr nun endlich die Pflegeausbildung vereinheitlichen. Doch kurz vor der Ziellinie wird der Gegenwind überraschend heftig. Kritik kommt auch von Ärzteverbänden. 

Mit dem Gesetz werde erstmalig ein Text verabschiedet, in dem definiert werde, was in der Pflegeausbildung gelehrt werden müsse. Dafür soll am 1. März Eckpunkte für die Ausbildung vorgelegt werden. „Hier entsteht eine neue Berufsausbildung, in der neue Schwerpunkte vermittelt werden“, erklärt Westerfellhaus.

Nach den Plänen der Bundesregierung soll  Mitte März die erste Lesung zum Gesetz stattfinden. Für Ende April ist eine öffentliche Anhörung geplant. Bis zum Ende des zweiten Quartals soll das Gesetz verabschiedet werden. Dem Gesetz muss auch der Bundesrat zustimmen. Im Gesundheitsausschuss des Bundesrates wurden am Mittwoch alle Änderungsanträge, die das Gesetz verhindert hätten, abgelehnt. Vor allem die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, Barbara Steffens (Grüne), stellt sich gegen das Gesetz. © bee/aerzteblatt.de

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