Medizin

Frühgeburt könnte psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter begünstigen

Freitag, 26. Februar 2016

Hamilton – Kinder, die zu früh und mit einem geringen Geburtsgewicht zur Welt kommen, könnten im Erwachsenenalter häufiger an psychischen Leiden erkranken. Die Forscher um Kimberly Day an der McMaster University's Michael G. DeGroote School of Medicine vermuten, dass dies an dem Mobbing liegt, dem ehemalige Frühchen häufiger zum Opfer fallen. Sie veröffentlichten entsprechende Ergebnisse in der Fachzeitschrift Pediatrics (doi:10.1542/peds.2015-3383).

In neonatologischen Spezialzentren ist es mittlerweile möglich, Frühgeborene, die in der 24. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, ein Überleben zu ermöglichen. Das Risiko, dauerhaft an schwerwiegenden neurologischen, ophtalmologischen oder respiratorischen Erkrankungen zu leiden, ist für diese Kinder jedoch erhöht. Wenn Frühgeborene die akute Phase ohne Komplikationen überleben, sind die Chancen auf eine normale Entwicklung aber gut. Nichts desto trotz bleibt die frühe Geburt laut Studien nicht ohne Folgen.

Anzeige

Forscher der University of Warwick berichten, dass ehemalige Frühchen als Erwachsene häufiger wenig verdienen und eine geringere Bildung aufweisen. Im Durchschnitt seien die schulischen Leistungen dieser Kinder schlechter, insbesondere im mathematischen Bereich (doi:10.1177/0956797615596230).

Die Forscher der aktuellen Studie stellten in einer anderen Untersuchung außerdem fest, dass diese Kinder häufiger Opfer von Mobbingattacken werden (doi:10.1016/j.jpeds.2015.02.055).

Die Wissenschaftler um Day schlossen 142 ehemals Frühgeborenen mit unter 1.000 Gramm und 133 Probanden mit über 2.500 Gramm Geburtsgewicht in ihre Studie ein. Im Alter zwischen 22 und 26 Jahren sowie zwischen 29 und 36 Jahren befragte die Arbeitsgruppe die Teilnehmer zu Mobbingerfahrungen und psychischen Problemen.

Das niedrige Geburtsgewicht wirkte sich offensichtlich auf das Mobbingrisiko aus. Die Kinder fielen häufiger den Angriffen Gleichaltriger zum Opfer und entwickelten in der Folge häufiger psychische Probleme als Erwachsene. Sie hatte ein rund doppelt so hohes Risiko, an Depressionen, Angststörungen oder ADHS zu erkranken. Sobald sie das dreißigste Lebensjahr erreichten, war ihr Risiko für Zwangsstörungen, Panik­störungen oder sozialen Phobien sogar um das Dreifache erhöht.

Die Forscher raten Eltern dazu, ehemalige Frühgeborene in ihrer sozialen Entwicklung besonders gut zu beobachten. Wenn Mobbing bei betroffenen Kindern nicht unterbunden wird, könne dies zu langfristigen psychischen Störungen führen. 

© hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

01.12.16
Frankfurt – Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt hat eine Spezialsprechstunde für aktive und ehemalige Leistungssportler eingerichtet. „Mit......
25.11.16
Berlin – Mehr als die Hälfte der Deutschen leidet regelmäßig unter Stress. Arbeitsverdichtung, die Durchdringung des Alltags mit neuen Technologien oder persönliche Probleme tragen dazu bei, dass die......
24.11.16
Berlin – Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen haben in Deutschland oftmals große Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und......
22.11.16
Fettreiche Ernährung könnte psychische Erkrankungen begünstigen
Zürich – Eine besonders fettreiche Ernährung in der Jugend könnte auf biochemischer Ebene die Entwicklung von psychischen Erkrankungen fördern. Dies schließt eine Arbeitsgruppe der ETH Zürich und des......
01.11.16
Perso­nal­vorgaben: Kliniken wollen längere Übergangsfrist für Frühgeborenen­zentren
Mainz – Mehr als die Hälfte der Frühgeborenenzentren in Deutschland kann die Personalvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA), die ab dem 1. Januar 2017 für bestimmte Fälle greifen sollen,......
25.10.16
Houston – Sogenannte Hispanics leiden bei einer Alzheimererkrankung häufiger unter neuropsychiatrischen Symptomen als kaukasische Vergleichspatienten. Dies ist das Ergebnis einer US-amerikanischen......
12.10.16
Berlin – „Definitiv eine objektive Unmöglichkeit“ sieht das Deutsche Krankenhausinstitut (DKI) in den Personalvorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die 231 Perinatalzentren in......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige