Medizin

Ebola: ZMapp und neuer Antikörper zeigen Wirkung

Freitag, 26. Februar 2016

Bethesda – Der Antikörpercocktail ZMapp hat in einer randomisierten Studie vermutlich einigen Ebola-Patienten das Leben gerettet, was mangels schwindender Teilnehmerzahl am Ende der Ebola-Epidemie jedoch nicht sicher belegt werden konnte. Schweizer Forscher haben mittlerweile einen neuen Antikörper entdeckt, der in Tierversuchen eine erstaunlich gute Wirkung erzielte.

Das Immunsystem bekämpft Viruserkrankungen mit Antikörpern, die nach einer überstandenen Infektion häufig lebenslang im Blut vorhanden sind. Die Transfusion des Serums von Überlebenden kann deshalb im Prinzip die Infektion bei anderen Menschen lindern. Diese Serumtherapie ist auch bei Ebola versucht worden, allerdings ohne großen Erfolg, wie die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse des Ebola-Tx Consortiums (NEJM 2016; 374:33-42J) gezeigt haben.

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Die Effektivität der Serumtherapie kann jedoch gesteigert werden, wenn nur die für den Erreger spezifischen Antikörper übertragen werden. Die Isolierung dieser Antikörper und die rekombinante Vermehrung ermöglicht es dann, die Dosis zu steigern.

Das erste derartige Präparat ist ZMapp, ein Cocktail aus drei monoklonalen Antikörpern, die in vitro eine hohe neutralisierende Wirkung erzielten. ZMapp wird von der Firma LeafBio in Tabakpflanzen produziert. Der Mutterkonzern Mapp Biopharmaceutical aus San Diego konnte das Präparat in der abklingenden Ebola-Epidemie in Westafrika testen. Die Ergebnisse der PREVAIL II-Studie, die Richard Davey von National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda jetzt auf der Conference of Retroviruses and Opportunistic Infections in Boston vorstellte, waren nicht eindeutig.

Von den 36 Patienten, die mit ZMapp behandelt wurden, starben zwar nur acht Patienten, was eine für Ebola ungewöhnlich niedrige Sterblichkeit von 22 Prozent anzeigt. Doch auch in der Vergleichsgruppe gab es unter 39 Patienten nur 13 Todesfälle. Die Sterblichkeit betrug hier 37 Prozent.

ZMapp könnte die Sterberate damit um fast die Hälfte gesenkt haben, doch der Unterschied erreichte aufgrund der niedrigen Teilnehmerzahl das Signifikanzniveau nicht. Ursprünglich hatten 200 Patienten an der Studie teilnehmen sollen. Wegen der langsamen Vegetation der Tabakpflanzen traf das Präparat jedoch erst in Westafrika ein, als die Epidemie schon weitgehend abgeklungen war.

Das Präparat ZMapp war auf dem Höhepunkt der Epidemie sehr schnell aus damals verfügbaren Antikörpern zusammengestellt worden. Es enthält möglicherweise nicht die stärksten Antikörper. Eine größere Wirkung könnte – bereits in einer Monotherapie – einer von vier Antikörpern erzielen, die Davide Corti vom Istituto di Ricerca in Biomedicina in der Schweiz und Mitarbeiter im Blut eines Patienten gefunden haben. Er war 1995 während einer Epidemie in Kikwit schwer an Ebola erkrankt, hatte die Infektion jedoch überstanden. Die Blutproben waren zehn Jahre später entnommen worden.

Zwei der vier Antikörper wurden inzwischen in einem Forschungslabor der US-Armee in Fort Detrick an Makaken getestet. Einer von ihnen, der Antiköper mAb114, schützte drei Tiere auch dann noch vor dem sicheren Tod, wenn er fünf Tage nach der Infektion gegeben wurde. Die Tiere entwickelten weder eine Thrombozytopenie, noch kam es zur Erhöhung der Transaminasen oder zu Nierenfunktionsstörungen, wie ein Team um Nancy Sullivan vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in Bethesda jetzt in Science (2016; doi: 10.1126/science.aad5224) berichtet.  

Weitere Untersuchungen der Forscher ergaben, dass der Antikörper mAb114 die Stelle des Ebola-Glykoproteins blockiert, mit der das Virus an den Zielzellen andockt. Dies verhindert vermutlich das Eindringen der Viren in die Zelle. Das Team um Jason McLellan, das die Ergebnisse ebenfalls in Science (2016; doi: 10.1126/science.aad6117) vorstellt, vermutet, dass dies der Grund für die gute Wirksamkeit ist. © rme/aerzteblatt.de

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