Medizin

Pleura-Mesotheliom: Genom-Analyse findet mögliche Therapieansätze

Dienstag, 1. März 2016

Boston - Die bisher umfangreichste Genom-Analyse von Mesotheliomen hat eine Reihe von Mutationen aufgedeckt, die Angriffspunkte für bereits verfügbare Wirkstoffe bieten. Die Publikation in Nature Genetics (2016; doi: 10.1038/ng.3520) dürfte deshalb die Durchführung klinischer Studien bei einem Malignom stimulieren, das derzeit nur selten überlebt wird.

Das Pleura-Mesotheliom ist meist Folge einer Asbest-Exposition, die nach einer jahrzehntelangen Latenz zur Krebserkrankung führt. Die Verwendung von Asbest wurde zwar bereits in den 1980er Jahren eingeschränkt, endgültig verboten ist seine Verwendung erst seit 1993 (in Deutschland) beziehungsweise seit 2005 (EU-weit) und in vielen Ländern wie China, Indien und Russland wird es weiter verwendet.

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Die lange Latenzzeit von bis zu 30 Jahren führt dazu, das die Zahl der Neuerkran­kungen derzeit noch nicht zurückgeht. In  Deutschland erkannten etwa 1.250 Männer und 300 Frauen und fast ebenso viele sterben an dem Tumor. Die mediane Überlebenszeit beträgt nach der Diagnose noch 8 bis 36 Monate. Die Behandlung erfolgt durch Resektion und Strahlentherapie, eine Chemotherapie ist weitgehend wirkungslos.

Dies könnte sich möglicherweise ändern, denn die vergleichende Analyse von DNA und RNA aus den Tumoren und dem gesunden Gewebe von 216 Patienten, die Raphael Bueno vom Brigham and Women’s Hospital in Boston vorstellt, hat zur Entdeckung einer Reihe von Mutationen geführt, die die Forscher als „actionable“ (eigentlich gerichtlich verfolgbare) Mutationen betrachten, da sie Ansatzpunkte für bereits zugelassene Wirkstoffe bieten.

Ingesamt fanden die Forscher um die 2.500 genetische Veränderungen. Die Schwierig­keit bestand darin, die „Passagiere“, Mutationen, die als Folge des Krebswachstums auftreten, von den „Antreibern“ zu unterscheiden, die das Krebswachstum fördern. Bueno glaubt zehn therapeutisch verfügbare, sprich „actionable“ Mutationen gefunden zu haben. Außerdem bemerkten die Forscher, dass die Immunabwehr von Immun­zellen, die in den Tumor eingedrungen sind, von diesem gehemmt wird. Auch dies bietet heute Angriffspunkte für eine Therapie. Zur ersten Gruppe gehören Mutationen im ABL1-Gen, die möglicherweise durch die Therapie mit BCR-ABL-Inhibitoren behandelt werden könnten. Bueno nennt keine Wirkstoffe. Angefangen mit Imatinib wurden seit 2001 jedoch eine Reihe von ABL-Inhibitoren zugelassen.

Zur zweiten Gruppe von Veränderungen zählt die vermehrte Bildung von PD-L1-Proteinen (für: Programed Death Ligand-1), mit denen Tumore Angriffe von Immunzellen abwehren. Die Immuntherapie mit PD-L1-Hemmern zählt zu den neuesten und sehr vielversprechenden Therapieansätzen. 

Die Forscher bestätigen auch die Existenz von mindestens vier verschiedenen Varianten des Pleura-Mesothelioms. Neben dem epithelialen Typ und dem sarkomatösen Typ lassen sich genetisch ein biphasisch-epithelialer und ein biphasisch-sarkomatöser Typ abgrenzen. Diese Einteilung könnte dazu führen, dass die Therapie künftig auf Patienten beschränkt werden könnte, die den größten Nutzen haben. Andere Patienten könnten vor unnötigen Folgen einer vergeblichen Therapie bewahrt werden. © rme/aerzteblatt.de

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