Medizin

Hohe Teratogenität von Mycophenolat

Mittwoch, 2. März 2016

Bonn - Die hohe Teratogenität des Immunsuppressivums Mycophenolat hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) jüngst veranlasst, die Hinweise in den Fachinformationen zu verschärfen. Frauen, aber auch Männer müssen kontrazeptive Maßnahmen strikt beachten.

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Mycophenolat ist hochgradig teratogen. Bei Ratten traten Fehlbildungen bereits nach der Exposition mit 1 mg/kg auf. Dies entspricht einem Zwanzigstel der üblicherweise zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen eingesetzten Tagesdosis. Folglich ist das Risiko einer Fruchtschädigung sehr hoch. Laut EMA kommt es bei 45 bis 49 Prozent der Frauen, die Mycophe­nolat während der Schwangerschaft eingesetzt haben, zu Spontanaborten. Bei 23 bis 27 Prozent der Lebendgeburten wurden Fehlbildungen diagnostiziert. Die Rate ist damit deutlich höher als die durchschnittliche Fehlbildungs­rate, die in der Allgemeinbevölkerung bei 2 bis 3 Prozent aller Lebendgeburten liegt. Bei Lebendgeburten von Transplantatempfängern solider Organe beträgt die Fehlbildungsrate  laut EMA 4 bis 5 Prozent.

Die häufigste Manifestation der Mycophenolat-Embryopathie sind Fehlbildungen der Ohren. Dazu gehören ein anormal geformtes oder fehlendes Außen- oder Mittelohr oder eine Atresie des äußeren Gehörgangs. Möglich sind auch Fehlbildungen der Augen (Kolobom) oder im Gesichtsbereich wie beispielsweise eine Lippenspalte, Gaumenspalte, Mikrognathie oder ein Hypertelorismus der Augenhöhlen. Darüber hinaus kommt es zu angeborenen Herzkrankheiten einschließlich Septumdefekten, zu Fehlbildungen der Finger (Polydaktylie und Syndaktylie) sowie zu tracheo-ösophagealen Fehlbildungen (Ösophagusatresie). Fehlbildungen des Nervensystems (Spina bifida) oder Nierenanomalien sind ebenfalls möglich.

Die Fachinformationen der betroffenen Medikamente (CellCept und Myfortic) legen deshalb fest, dass eine Behandlung bei Frauen erst begonnen werden darf, wenn zwei Schwangerschaftstests negativ ausgefallen sind. Der zweite Test soll (wenn möglich) 8-10 Tage nach dem ersten und unmittelbar vor Beginn der Behandlung mit Mycophenolat durchgeführt werden.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen vor Beginn der Behandlung, während der Behandlung sowie für 6 Wochen nach der Beendigung zwei zu­verlässige Formen der Kontrazeption gleichzeitig anwenden. Sexuell aktiven Männern wird (selbst wenn sie durch Vasektomie sterilisiert sind) empfohlen, während der Behandlung und für mindestens 90 Tage nach der Beendigung Kondome zu benutzen. Ihre Partnerinnen sollten zusätzlich eine hochwirksame Verhütungsmethode anwenden. © rme/aerzteblatt.de

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