Medizin

Chirurgische Versorgung: Weltweiter Mangel trotz Zunahme der Operationen

Mittwoch, 2. März 2016

Palo Alto - Die Zahl der chirurgischen Operationen hat weltweit innerhalb von acht Jahren um mehr als ein Drittel zugenommen. Den größten Anstieg gab es einer Studie im Bulletin of the World Health Organization (2016; doi: 10.2471/BLT.15.159293) zufolge in ärmeren Ländern, wo ein überraschend hoher Anteil aller Operationen auf Kaiserschnitte entfällt, obwohl die Operationskapazitäten insgesamt zu gering sind.

Operationen sind in vielen Fällen lebensrettend, doch in weiten Teilen der Welt fehlt es am nötigen Geld für die Einrichtung von Krankenhäusern und die Ausbildung von Chirurgen und Anästhesisten. Von den 313 Millionen Operationen, die 2012 weltweit durchgeführt wurden, entfielen nur 30 Prozent auf 104 Länder, die pro Kopf weniger als 400 US-Dollar pro Kopf im Jahr für die Gesundheitsversorgung ihrer Menschen ausgeben können. In diesen Ländern leben 71 Prozent der Weltbevölkerung. Fünf Milliarden Menschen fehlt damit weitgehend der Zugang zu chirurgischen Operationen, schreiben Thomas Weiser von der Stanford Universität und Mitarbeiter, die versucht haben, sich einen Überblick über die globale chirurgische Versorgung zu machen.

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Die Zahlen dürften eher Schätzungen sein, denn genaue Angaben zur Häufigkeit von Operationen standen ihnen nur für 66 Staaten zur Verfügung. Für weitere 128 Staaten waren sie auf Extrapolationen angewiesen. Der wichtigste Faktor für die chirurgische Versorgung sind die Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen. Der Einfluss auf die Operationszahlen war erheblich. Am unteren Ende kamen 666 Operationen auf 100.000 Einwohner und Jahr, am oberen Ende waren es 11.168, also fast 17 Mal so viele. Fast 60 Prozent aller Operationen wurden in Ländern mit einem Anteil an der Weltbevölkerung von 17,7 Prozent durchgeführt.

Im Vergleich zu einer früheren Untersuchung zum Jahr 2004 sind die Operationszahlen deutlich gestiegen. In den ärmsten Ländern stieg die Zahl um zwei Drittel von 394 auf 666 Operationen pro 100.000 Einwohner pro Jahr, in den Ländern mit relativ geringem Einkommen kam es sogar zu mehr als einer Verdoppelung von 1.851 auf 3.973 Opera­tionen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. In den Ländern mit mittleren oder hohen Pro-Kopf-Ausgaben für das Gesundheitswesen gab es laut Weiser zwischen 2004 und 2012 keinen signifikanten Anstieg.

Ressourcenknappheit bedeutet allerdings nicht, dass das Geld dort eingesetzt wird, wo es am dringendsten benötigt wird. In den ärmsten Ländern entfielen 29,6 Prozent aller Operationen auf Kaiserschnittentbindungen, in den reicheren Ländern liegt der Anteil nur bei 2,7 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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