Politik

UN-Bericht: Fast ein Viertel der EU-Bürger hat Drogenerfahrung

Mittwoch, 2. März 2016

Berlin - Fast jeder vierte erwachsene EU-Bürger hat zumindest einmal im Leben illegale Drogen ausprobiert. An der Spitze steht dabei Cannabis, mit weitem Abstand folgen Kokain, Ecstasy und aufputschende Amphetamine. Dies geht aus dem Jahresbericht 2015 des Internationalen Suchtstoffkontrollrats hervor, der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Dänemark, Frankreich und Großbritannien gehören demnach zu den EU-Staaten mit der höchsten Quote von Menschen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren, die Drogen zumindest einmal im Leben missbraucht haben.

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Nach Angaben der UN-Organisation sind heute Internet und soziale Medien wichtige Instrumente zur Vermarktung von Drogen. 2013 und 2014 seien allein in der EU mehr als 600 Webseiten aufgetaucht, über die neue bewusstseinsverändernde Substanzen angeboten würden.

Interessanterweise werden den Angaben zufolge in Ost- und Südosteuropa fast fünfmal so häufig illegale Drogen per Injektion konsumiert wie im weltweiten Durchschnitt. Entsprechend leben nach Schätzungen in dieser Weltregion annähernd 40 Prozent der Menschen, die Drogen injizieren und mit dem HI-Virus infiziert sind.

Die Drogen-Beauftragte der Bundesregierung beklagte ebenso wie der Präsident der UN-Organisation, Werner Sipp, dass in manchen Weltregionen mit äußerster Gewalt gegen Drogen vorgegangen werde. Ein „Krieg gegen Drogen“ zu führen, sei der falsche Weg. Im Vordergrund müssten Gesundheit und Wohlergehen der Menschen stehen.

Jugendliche, die mal mit kleinen Mengen Drogen erwischt werden, sollten nicht gleich kriminalisiert, sondern reintegriert werden.

Angesichts überfüllter Gefängnisse steuerten hier auch die USA um. Im April will UN-Generalversammlung auf einer Sondertagung über die weltweite Drogenproblematik und die Möglichkeiten von Kooperationen beraten.

Im weltweiten Vergleich könne sich die deutsche und europäische Drogenpolitik sehen lassen, machte Mortler deutlich. Hier Probleme in anderen Weltregionen:

  • Naher Osten: Die traumatische Situation der Flüchtlinge in den Kriegsgebieten im Irak und in Syrien machen diese Menschen besonders anfällig dafür, drogenabhängig zu werden und in Kontakt mit Drogenhandel zu kommen. Mangelnde Grenzkontrollen förderten den Handel in der Region. Andererseits fehle es an dringend benötigten Medikamenten.
  • Afrika: Afrika ist nach wie vor eine der Haupttransitzonen für den internationalen Drogenhandel. Dabei gerät Afrika selbst mit seiner wachsenden Mittelschicht in den Blick der Drogenhändler.
  • Nordamerika: Nordamerika hat nach wie vor die höchste Rate an Drogentoten. Auf eine Million Einwohner kommen im Schnitt etwa 137 Drogentote, der geschätzte weltweite Durchschnitt liegt bei 50 Drogentoten auf eine Millionen Einwohner. Ein weiteres Problem in Nordamerika ist der verbreitete Missbrauch verschreibungspflichtiger Medikamente.
  • Mittelamerika und Karibik: Die Region gehört zu den Weltregionen mit den höchste Gewalt- und Mordraten, sie ist dabei stark von drogenbedingter Gewalt betroffen.
  • Südasien: Die größten Herausforderungen, mit denen die südasiatischen Staaten konfrontiert sind, ist der Handel mit afghanischem Heroin. Andererseits ist der Zugang zu Schmerzmittel in der Region ähnlich wie in Teilen Afrikas stark begrenzt.

© dpa/aerzteblatt.de

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