Medizin

Typ 2-Diabetes: Langzeit-Insulin plus Liraglutid verbessert Blutzucker

Donnerstag, 3. März 2016

Chapel Hill – Die Kombination mit einem Inkretin-Mimetikum kann bei Typ 2-Diabetikern die Dosis des Langzeitinsulins senken. In einer Phase 3-Studie erzielten die Patienten unter der Kombination aus Insulin degludec plus Liraglutid bessere HbA1c-Werte als unter einer Basaltherapie mit dem Insulin glargin. Zu den günstigen Begleiter­scheinungen gehörte laut der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2016; 315: 898-907) eine Gewichtsabnahme und eine geringere Rate von Hypoglykämien.

Weniger als ein Drittel aller Typ 2-Diabetiker, die mit einem Basalinsulin behandelt werden, erzielen auf Dauer zufrieden stellende Blutzuckerwerte. Die Weiterbehandlung besteht dann in der Regel in einer allmählichen Steigerung der Insulin-Dosis – wenn sich die Patienten nicht für die anspruchsvollere Basis/Bolus-Therapie entscheiden. Dies führt häufig zur Gewichtszunahme. Außerdem steigt das Risiko von Hypoglykämien.

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Als Alternative bietet sich die Umstellung auf eine Kombination aus einem Langzeitinsulin und einem Inkretin-Mimetikum an. Das Inkretin-Mimetikum fördert die Freisetzung von Insulin aus den Beta-Zellen und kann damit die Dosis des benötigten Insulins begrenzen – auch wenn die Insulin-Resistenz, die Ursache des Typ 2-Diabetes ist, natürlich fortschreitet. Die Inkretin-Mimetika führen außerdem zu einer Gewichts­abnahme, die bei den zumeist adipösen Typ 2-Diabetikern erwünscht ist. Inzwischen werden feste Kombinationen aus Kunstinsulin plus Inkretin-Mimetikum angeboten.

Die Kombination aus Insulin degludec plus Liraglutid wurde zwischen September 2013 und November 2014 weltweit an 75 Behandlungszentren mit dem Basalinsulin glargin verglichen. An der vom Hersteller gesponserten Studie nahmen 557 Patienten mit Typ 2-Diabetes teil, bei denen eine Behandlung mit Metformin plus Basalinsulin glargin keine ausreichende Blutzuckereinstellung (mehr) erzielt hatte. Die HbA1c-Werte waren im Durchschnitt auf mehr als 8 Prozent angestiegen.

Die Hälfte der Patienten setzte während der Studie die bisherige Behandlung Insulin glargin und Metformin fort. Die Ärzte versuchten allerdings, die Blutzuckerwerte durch eine Dosiserhöhung des Langzeitinsulins zu verbessern. In der zweiten Gruppe wurde die Behandlung mit Metformin ebenfalls fortgesetzt. Insulin glargin wurde jedoch durch eine fixe Kombination aus Insulin degludec und Liraglutid ersetzt. Auch hier wurde die Dosis langsam erhöht, allerdings nur bis zu einer Maximaldosis, die 50 Einheiten Insulin degludec plus 1,8 mg Liraglutid enthielt.

Primärer Endpunkt war der HbA1c-Wert nach 26 Wochen Behandlungszeit. Wie das Team um John Buse von der University of North Carolina School of Medicine in Chapel Hill berichtet, erzielte die Kombination aus Insulin degludec und Liraglutid die bessere Blutzuckerkontrolle. Der HbA1c-Wert fiel um 1,81 Prozentpunkte (von 8,4 auf 6,6 Prozent). Unter der hochtitrierten Basalinsulin-Therapie sank der HbA1c-Wert um 1,13 Prozentpunkte (von 8,2 auf 7,1 Prozent). Die geschätzte Behandlungsdifferenz (ETD) betrug 0,59 Prozent und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,44 bis 0,74 Prozent signifikant. Die Studie hatte damit ihr Ziel, die Non-Inferiorität von Insulin degludec und Liraglutid zu belegen, (mehr als) erreicht. Tatsächlich war die Kombination der konventionellen Basalinsulin-Therapie überlegen.

Klare Vorteile waren auch in zwei sekundären Endpunkten erkennbar: Zum einen kam es unter der Kombination aus Insulin degludec/Liraglutid deutlich seltener zu Hypoglykämien (28,4 versus 49,1 Prozent), was auf die insgesamt geringere applizierte Insulinmenge zurückzuführen sein dürfte. Zum anderen nahmen die Patienten unter der Kombination aus Insulin degludec/Liraglutid im Durchschnitt 1,4 kg ab (von 88,3 auf 86,9 kg), während das Körpergewicht unter der hochtitrierten Insulintherapie um 1,8 kg (von 87,3 auf 89,1 kg) anstieg.

Zu den Einschränkungen gehört sicherlich, dass eine hochtitrierte Basalinsulin-Therapie heute nicht mehr als optimale Strategie eingestuft wird. Der Wechsel auf eine Basis/Bolus-Therapie gilt mittlerweile als Standard, der allerdings von vielen Patienten wegen der damit verbundenen häufigen Blutzuckerkontrollen nicht unbedingt beliebt ist. Der Vergleich von Insulin degludec/Liraglutid mit Basis/Bolus-Therapie ist derzeit Gegenstand einer laufenden Studie, deren Ergebnisse im Laufe des Jahres erwartet werden.

Unklar ist auch, wie lange Insulin degludec/Liraglutid den Blutzucker stabilisieren kann. Zum natürlichen Verlauf des Typ 2-Diabetes gehört eine allmähliche Erschöpfung der Beta-Zellen, die möglicherweise durch eine Langzeittherapie mit einem Medikament, das die Produktion der Beta-Zellen stimuliert, beschleunigt werden könnte. Die Autoren fordern deshalb weitere Studien zur Langzeitwirkung der Kombination. © rme/aerzteblatt.de

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