Medizin

MRSA: Cotrimoxazol hilft bei unkomplizierten Hautinfektionen

Donnerstag, 3. März 2016

Los Angeles – Eine begleitende Antibiotika-Behandlung mit Cotrimoxazol kann die Abheilung von unkomplizierten Haut- und Weichteilinfektionen fördern, die primär durch eine chirurgische Drainage behandelt werden. Dies kam in einer randomisierten klinischen Studie im New England Journal of Medicine (2016; 374: 823-832) heraus, die an Zentren mit verbreiteten MRSA-Resistenzen durchgeführt wurde.

Unkomplizierte Haut- und Weichteilinfektionen wurden lange Zeit rein chirurgisch behandelt. Die Spaltung des Abszesses und die Einlage einer Drainage galten als eine ausreichende und höchst effektive Therapie. Die Gabe von Antibiotika wurde als unnötig eingestuft. Dies hat sich geändert, seit die Infektionen immer häufiger von Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) ausgelöst werden. Viele Chirurgen neigen instinktiv dazu, den Patienten ein Antibiotikum zu verschreiben, wobei Trimethoprim–Sulfamethoxazol zu den wenigen Wirkstoffen gehört, die (noch) eine gute Wirkung gegen MRSA haben. 

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Ein Team um David Talar von der David Geffen School of Medicine in Los Angeles hat diese Strategie ein einer größeren placebo-kontrollierten Studie untersucht, an der an fünf US-Kliniken mehr als 1.200 Patienten teilnahmen. Alle hatten sich mit einer Haut- oder Weichteilinfektion vorgestellt. Bei allen wurde der Abszess eröffnet und mit einer Drainage versorgt. Die Patienten wurden daraufhin mit Tabletten nach Hause entlassen, die sie über sieben Tage zweimal täglich einnehmen sollten. Bei der Hälfte der Patienten enthielten die Tabletten die Wirkstoffe Trimethoprim (300mg) und Sulfamethoxazol (1600 mg). In der anderen Gruppe enthielten sie ein Placebo. Primärer Endpunkt war die Abheilung des Abszesses bis zu einer Nachuntersuchung nach 7 bis 14 Tagen. 

In der „Per Protocol“-Analyse, die alle Patienten umfasst, die wenigstens 75 Prozent der Tabletten eingenommen hatten und nachuntersucht werden konnten, erreichten in der Cotrimoxazol-Gruppe 487 von 524 Teilnehmern (92,9 Prozent) das Ziel gegenüber 457 von 533 Teilnehmern (85,7 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Die Differenz von 7,2 Prozentpunkten war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 3,2 bis 11,2 Prozent signifikant.

In einer strengen „Intention to treat“-Analyse – sie stuft alle Patienten, die nicht zur Nachuntersuchung erschienen und nicht kontaktiert werden konnten, als Therapieversager ein – erreichten in der Cotrimoxazol-Gruppe 507 von 630 Teilnehmern (80,5 Prozent) das Ziel gegenüber 454 von 617 Teilnehmern (73,6 Prozent) in der Placebo-Gruppe. Die Differenz von 6,9 Prozentpunkten war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 2,1 bis 11,7 Prozent ebenfalls signifikant.

Vorteile wurden in den meisten sekundären Endpunkten der Studie gesehen. Dazu gehörte in der „Per Protocol“-Analyse eine niedrigere Rate von nachfolgenden chirur­gischen Drainagen (3,4 versus 8,6 Prozent), Infektionen der Haut an neuen Standorten (3,1 versus 10,3 Prozent) und Infektionen bei anderen Haushaltsmitgliedern (1,7 versus 4,1 Prozent). Schwere invasive Infektionen traten in der Cotrimoxazol-Gruppe bei 2 von 524 Teilnehmern (0,4 Prozent) auf. In der Placebo-Gruppe erkrankten 2 von 533 Teilnehmern (0,4 Prozent).

Die Verträglichkeit von Cotrimoxazol war gut, nur Magen-Darm-Beschwerden waren mit 42,7 gegenüber 36,1 Prozent etwas häufiger. Es gab keinen einzigen Fall einer Clostridium difficile-assoziierten Diarrhö oder anderer schwerwiegender Komplikationen. Talar rechnet aufgrund der Ergebnisse damit, dass die begleitende Antibiotikatherapie - vor allem in Regionen mit starker Verbreitung von MRSA - in Zukunft häufiger eingesetzt wird. © rme/aerzteblatt.de

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