Medizin

Prostatakrebs: Radiotherapie könnte sekundäre Tumore verursachen

Freitag, 4. März 2016

Toronto – Die Radiotherapie, die beim Prostatakarzinom als effektive Alternative zur Operation angeboten wird, kann sekundäre Krebserkrankungen in Blase und Darm auslösen. Die absoluten Risiken sind einer Meta-Analyse im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2016; 352: i851) zufolge jedoch gering. Eine Brachytherapie und möglicherweise auch moderne externe Bestrahlungsformen könnten das Risiko vermeiden.

Die Induktion sekundärer Krebserkrankungen ist eine bekannte Folge der Radio­thera­pie. Beim Morbus Hodgkin und anderen Krebserkrankungen gibt es gute Daten zur Risikoabschätzung. Beim Prostastakarzinom fällt sie schwer, da die oft hochbetagten Patienten nur noch eine begrenzte Lebensphase vor sich haben und Krebser­kran­kungen in diesem Alter auch aus anderen Gründen auftreten. Die Abgrenzung von sekundären Strahlenfolgen kann dort schwer sein.

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Ein Team um Robert Nam von der Universität Toronto legt seiner Risikoabschätzung 21 Studien zugrunde, deren Beobachtungszeitraum teilweise bis 1972 zurückreicht. Dies ist ein wichtiger Hinweis, da sich die Bestrahlungstechniken in dieser Zeit deutlich weiter entwickelt haben. An vielen Zentren wird heute eine intensitäts-modulierte Strahlen­therapie (IMT) angeboten, die die Strahlung weitgehend auf die Prostata begrenzt. Die IMT wurde nur in einer der 21 Studien untersucht. Dort wurde kein erhöhtes Risiko von sekundären Krebserkrankungen gefunden. 

Bei Patienten, die ältere Varianten der Strahlentherapie erhalten haben, muss jedoch mit einer erhöhten Rate von sekundären Krebserkrankungen gerechnet werden. Nam ermittelt eine Odds Ratio von 1,39 für Blasenkarzinome, von 1,68 für das Kolorektal­karzinom und von 1,62 für das Rektumkarzinom im Speziellen. Sie bedeuten, dass auf 100 Patienten 0,1 bis 3,8 zusätzliche Erkrankungen am Blasenkrebs, 0,3 bis 4,2 zusätzliche Erkrankungen am Darmkrebs kommen, darunter 0,3 bis 1,2 zusätzliche Rektumkarzinome.

Diese Krebserkrankungen treten häufig erst zehn oder zwanzig Jahre nach der Bestrah­lung auf, so dass die Relevanz für die meisten älteren Patienten begrenzt sein dürfte. Bei jüngeren Patienten könnte eine Brachytherapie die Risiken vermeiden. Nam konnte in der Meta-Analyse kein erhöhtes Risiko nachweisen. Ob auch die modernen Geräte zur IMT frei von dem Risiko einer sekundären Krebserkrankung sind, wird sich erst in weiteren Untersuchungen zeigen. © rme/aerzteblatt.de

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