Medizin

Einleitung der Geburt bei höherem Alter der Schwangeren sicher

Sonntag, 6. März 2016

Nottingham – Wenn eine Schwangerschaft bei älteren Müttern den Termin überschreitet, leiten viele Geburtshelfer die Geburt medikamentös ein. Dies hatte in einer rando­misierten Studie im New England Journal of Medicine (2016; 374:813-822) nicht den befürchteten Anstieg von Kaiserschnittentbindungen zur Folge, es waren aber auch keine Vorteile erkennbar.

Das Alter der Frauen bei der ersten Schwangerschaft ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. In England ist jede fünfte Schwangere heute 35 Jahre oder älter. Ein Problem bei älteren Schwangeren ist eine Neigung zur Übertragung, die das Risiko auf eine Totgeburt erhöht. Viele Geburtshelfer neigen deshalb dazu, die Geburt beim errechneten Termin einzuleiten, wenn zu diesem Zeitpunkt noch keine Wehen eingesetzt haben.

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Der Anteil beträgt in England 39 Prozent bei Schwangeren im Alter von 40 bis 44 Jahren und 58 Prozent im Alter über 45 Jahre. Ob dies die Rate von Totgeburten vermindert oder andere Komplikationen verhindert, ist bislang nicht abschließend untersucht worden. Es besteht jedoch der Einwand, dass eine eingeleitete Geburt häufiger zu einem einem Kaiserschnitt führt.

Die 35/39 Trial Group hat die Vor- und Nachteile der Geburtseinleitung an 619 Erstgebärenden im Alter von mindestens 35 Jahren untersucht. Bei der Hälfte der Frauen wurde die Geburt im Gestationsalter von 39 Wochen eingeleitet. Bei der anderen Gruppe warteten die Geburtshelfer bis zum Beginn der 41. Woche, sofern es nicht vorher zu einer spontanen Geburt kam oder andere Komplikationen eine Einleitung oder einen Kaiserschnitt erzwungen hatten. Primärer Endpunkt war die Häufigkeit von Kaiserschnittentbindungen. Die Teilnehmerzahl hätte hier einen relativen Unterschied von 35 Prozent oder einen absoluten Unterschied von 9 Prozentpunkten nachweisen können.

Wie Kate Walker von der Universität Nottingham und Mitarbeiter berichten, wurde in der Gruppe mit einer Einleitung in der 39. Gestationswoche bei 98 von 304 Frauen (32 Prozent) ein Kaiserschnitt notwendig. In der Vergleichsgruppe mit einer abwartenden Haltung waren es 103 von 314 Frauen (33 Prozent). Der Unterschied war bei einem relativen Risiko von 0,99 und einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,87 bis 1,14 nicht signifikant.

Auch der Anteil der Geburten, bei denen Geburtszangen oder Saugglocken zum Einsatz kamen, unterschied sich nicht signifikant, obwohl die Instrumente nach einer grundsätz­lichen Einleitung in der 39. Woche tendenziell häufiger zum Einsatz kamen, nämlich bei 115 von 304 Frauen (38 Prozent) gegenüber 104 von 314 Frauen (33 Prozent) bei abwartender Haltung: Relatives Risiko 1,30; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,96 bis 1,77.

Die Bedenken, dass die frühzeitige Einleitung die Rate der Schnittentbindungen (weiter) in die Höhe treibt, sind damit (jedenfalls für die Verhältnisse der Geburtshilfe in Großbritannien) widerlegt. Die Studie fand jedoch keinen Hinweis darauf, dass die frühe Einleitung der Geburt einen Vorteil hat (der diese „Medizinalisierung“ der Geburt rechtfertigen würde). Apgar-Wert, pH-Wert und Geburtsgewicht waren gleich und es kam in beiden Gruppen in keinem Fall zu der befürchteten Totgeburt.

Die Studie war allerdings nicht groß genug, um in dieser Frage zu einem abschließenden Urteil zu kommen. Hier werden jetzt die Ergebnisse der US-amerikanischen ARRIVE-Studie erwartet, die beide Strategien bei 6.000 Schwangeren untersucht. Erste Ergebnisse könnten noch in diesem Jahr vorliegen. © rme/aerzteblatt.de

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