Medizin

Wie Alkoholabstinenz den Dopaminhaushalt im Gehirn verändert

Montag, 7. März 2016

Mannheim – Alkoholiker, die entziehen und längere Zeit auf das Suchtmittel verzichten, haben in bestimmten Regionen des Gehirns erhöhte Dopaminspiegel. Das berichten Wissenschaftler um Natalie Hirth vom Institut für Psychopharmakologie und der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Laut den Forschern könnte dies Verhaltensänderungen von Alkoholikern während und nach dem Entzug erklären. Die Arbeit ist in den Proceedings of the National Academy of Sciences erschienen (doi:10.1073/pnas.1506012113).

Wenn sich gelegentlicher Alkoholkonsum zu einer Sucht entwickelt, verändern sich auch die Bindungsstellen für Dopamin, über die der Botenstoff seine Wirkungen vermittelt. Diese Veränderungen untersuchte die Arbeitsgruppe, indem sie Gehirnproben von verstorbenen Alkoholikern mit denen von Menschen verglich, die in ihrem Leben wenig oder gar keinen Alkohol getrunken hatten.

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Dabei fanden die Wissenschaftler Hinweise auf deutlich erhöhte Dopamin-Spiegel in bestimmten, für die Verhaltenskontrolle wichtigen Bereichen des Gehirns der Alkoholsüchtigen. Durch ergänzende Versuche an alkoholabhängigen Ratten konnten die Forscher die Humanstudien bestätigten. Es zeigte sich, dass die Dopamin-Mengen im akuten Entzug stark vermindert sind. Doch wenn die Tiere über einen längeren Zeitraum keinen Alkohol erhielten, stiegen die Dopamin-Werte deutlich über das Normalniveau. Dies hatte unter anderem den Effekt, dass die Tiere hyperaktiv wurden.

Die Wissenschaftler folgern daraus, dass Dopamin beim akuten Alkoholentzug verringert ist und dann stark ansteigt, wenn die Alkoholiker die Abstinenz länger durchhalten. „Diese Erkenntnisse könnten sowohl den initial verminderten Antrieb und die gesenkte Stimmungslage im frühen Entzug erklären, als auch die später häufig bei Suchtpatienten auftretenden Symptome von Rastlosigkeit und gestörter Impulskontrolle“ erläutert Falk Kiefer, Direktor der Klinik für abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am ZI. © hil/aerzteblatt.de

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