Medizin

LABA Salmeterol verbessert Asthmakontrolle in Sicherheitsstudie

Dienstag, 8. März 2016

Durham – Die fixe Kombination mit einem langzeitwirksamen Beta2-Sympatho­mimetikum (LABA) Salmeterol hat in einer randomisierten Studie die Effektivität der Asthmakontrolle unter einer inhalativen Steroidtherapie verbessert, ohne dass es zu einer vermehrten Rate von Komplikationen gekommen ist. Dies zeigen die Ergebnisse einer von der US-Arzneibehörde (FDA) initiierten Studie, die jetzt auf der Jahrestagung der American Academy of Allergy, Asthma & Immunology in Los Angeles vorgestellt und im New England Journal of Medicine (2016; doi: 10.1056/NEJMoa1511049) publiziert wurde.

Obwohl Beta2-Sympathomimetika die Atemwege erweitern und Patienten mit Asthma bronchiale dadurch vor einer Exazerbation schützen können, ist die Sicherheit dieser Wirkstoffe seit langem Gegenstand kontroverser Debatten. Sie betraf zunächst die kurzwirksamen Beta2-Sympathomimetika (SABA) und später auch die LABA. Im Focus stand zuletzt das LABA Salmeterol, das in zwei randomisierten Studien – dem Salmeterol Multicenter Asthma Research Trial (SMART) mit 26.000 Patienten und der Serevent Nationwide Surveillance (SNS)-Studie – zu einer erhöhten Rate von asthmabedingten Todesfällen geführt hatte.

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Die FDA hatte daraufhin Bedenken zur Sicherheit, und zeitweise hatten Mitarbeiter der Behörde sogar ein Verbot des Medikaments gefordert. Am Ende begnügte sich die FDA mit einem umrahmten Warnhinweis, der vor einer erhöhten Rate von asthmabedingten Todesfällen warnte. Eine weitere Konsequenz war die Verpflichtung aller vier Hersteller von LABA, weitere Studien zur Sicherheit ihrer Medikamente durchzuführen. Die erste dieser Studien, deren Ergebnisse jetzt vorliegen, ist die AUSTRI-Studie, die der Hersteller GlaxoSmithKline zur Sicherheit des LABA Salmeterol durchgeführt hat.

Zwischen November 2011 und Juni 2015 wurden an 710 Zentren in 33 Ländern 11.679 Patienten im Alter über 12 Jahre in die Studie aufgenommen. Die wichtigsten Einschlusskriterien waren eine schwere Asthma-Exazerbation im vorausgehenden Jahr oder eine Hospitalisation in der Vorgeschichte. Außerdem mussten die Ärzte die Notwendigkeit einer Behandlung mit systemischen Kortikoiden festgestellt haben. 

Die Patienten wurden auf eine alleinige Therapie mit Fluticason (in der Dosis 100µg, 250µg oder 500µg jeweils zweimal täglich) oder auf die Behandlung mit einer fixen Kombination aus Fluticason plus 50 µg Salmeterol randomisiert. Primärer Endpunkt war das Auftreten von schweren Asthma-Ereignissen wie Hospitalisierung, Intubation oder Tod. Wie David Stempel und Mitarbeiter des Herstellers aus Durham/North Carolina jetzt berichten, hat sich die Therapie als außerordentlich sicher erwiesen.

In keiner der beiden Gruppen gab es Asthma-bedingte Todesfälle. Unter der Monotherapie mit Fluticason wurden zwei Patienten intubiert, bei 33 Patienten wurde während der 26-wöchigen Behandlungsphase eine Asthma-bedingte Hospitalisierung erforderlich. Unter der Therapie mit Fluticason plus Salmeterol wurden 34 Patienten aufgrund ihrer Asthma-Erkrankung hospitalisiert. Unter dem Strich bestanden keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen und ein vorgegebenes Non-Inferioritäts-Kriterium der Kombinationstherapie wurde erfüllt.

Gleichzeitig kam es unter der Kombinationstherapie mit Fluticason-Salmeterol zu 21 Prozent seltener zu Exazerbationen der Asthmaerkrankung. Stempel ermittelt eine Hazard Ratio von 0,79, die mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,70 bis 0,89 signifikant war. Die Kombination erfüllte demnach ihr Ziel: Sie verbesserte den Schutz vor Asthma-Krisen, auch wenn es verhältnismäßig selten zu einer Exazerbation kam, nämlich bei 480 von 5.834 Patienten (8 Prozent) in der Fluticason-Salmeterol-Gruppe und bei 597 von 5.845 Patienten (10 Prozent) in der Fluticason-Gruppe.

Die ingesamt niedrige Rate von Asthma-Exazerbationen und Asthmakrisen erklärt der Editorialist Fernando Martinez vom Arizona Respiratory Center in Tucson mit den Abschlusskriterien.

Patienten mit lebensbedrohlichem oder instabilem Asthma waren von der Teilnahme ausgeschlossen. Für diese Patienten dürfte es deshalb bei einem Warnhinweis bleiben, während sich Patienten mit einer minderschweren Asthmaerkrankung nach Ansicht von Martinez keine Sorgen machen müssen. Sie können, vorausgesetzt sie setzen das Asthmaspray regelmäßig ein, eine gute Kontrolle ihrer Asthmaerkrankung erreichen. 

Diese Empfehlungen gelten nur für die Einschlusskriterien, zu denen auch die Alters­grenze ab 12 Jahren gehört. Für jüngere Patienten führt der Hersteller derzeit eine weitere Studie mit 6.223 Patienten im Alter von 4 bis 11 Jahren durch. Mit Ergebnissen zu dieser VSTRI-Studie ist nach Angaben des Herstellers noch in diesem Quartal zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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