Medizin

Akute Myelitis durch Zikavirus

Dienstag, 8. März 2016

Guadeloupe – Auf den kleinen Antillen in der Karibik ist ein fünfzehnjähriges Mädchen nach einer Infektion mit dem Zikavirus an einer akuten Myelitis erkrankt. Französische Mediziner konnten das Virus unter anderem im Liquor nachweisen. Der Bericht im Lancet (2016; doi: 10.1016/S0140-6736(16)00644-9) zeigt, dass das Virus ähnlich wie andere Flaviviren das zentrale Nervensystem befallen kann.

Die junge Patientin war im Januar mit einer linksseitigen Hemiparese in die Universi­tätsklinik von Pointe-À-Pitro aufgenommen worden. Die Stadt befindet sich auf einer der Inseln von Guadeloupe, einem Überseedépartement von Frankreich (und damit Teil der Europäischen Union). Sieben Tage zuvor hatte das Mädchen sich schon einmal in der Notfallambulanz vorgestellt.

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Damals litt es unter Schmerzen im linken Arm und Kopfschmerzen. Die Ärzte bemerkten eine konjunktivale Injektion, schickten das Mädchen aber nach Hause, da es weder Fieber hatte, noch waren meningeale Zeichen erkennbar, die auf eine Infektion des ZNS hingedeutet hätten. Jetzt verschlechterte sich die Parese, das Mädchen musste wegen eines Harnverhalts katheterisiert werden.

Zur motorischen Schwäche kamen sensorische Ausfälle und Parästhesien hinzu, wie das Team um Annie Lannuzel berichtet. In der Kernspintomographie (MRT) wurden in Höhe von Hals und Thorax Läsionen des Rückenmarks gesehen. Die Ärzte stellen die Diagnose einer akuten Myelitis.

Ein Gentest auf Zikaviren fiel sowohl in Urin und Blut als auch im Liquor positiv aus. Die Ärzte behandelten das Mädchen über fünf Tage mit Methylprednisolon. Am siebten Tag kam es zu einer Verbesserung und der Blasenkatheter konnte entfernt werden. Inzwischen ist ein Monat vergangen und die Myelitis ist weitgehend abgeklungen. Das Mädchen habe zwar noch Schwächen in den Beinen, könne aber wieder ohne Hilfen gehen, berichtet Lannuzel. Die Läsionen im Rückenmark hätten sich in einer Kontroll-MRT zurückgebildet.

Lannuzel geht davon aus, dass eine Infektion mit dem Zikavirus für die neurologischen Symptome verantwortlich war. Ein Neurotropismus sei auch für andere Erkrankungen durch Flaviviren wie Dengue, Japanische Enzephalitis oder das West-Nil-Fieber bekannt, schreibt Lannuzel. Sie rät Neurologen bei Patienten, die nach einer Reise in die Endemieregionen an einer akuten Myelitis erkranken, an die Möglichkeit einer Infektion mit dem Zikavirus zu denken. © rme/aerzteblatt.de

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