Medizin

Lungenkrebs: Kanada empfiehlt Screening unter Vorbehalten

Mittwoch, 9. März 2016

Ottawa - Nach den meisten Fachverbänden des Nachbarlandes veröffentlicht jetzt auch die Canadian Task Force on Preventive Health Care eine wenn auch „schwache Empfehlung“ für starke Raucher zur Lungenkrebsfrüherkennung mittels Niedrigdosis-Computertomographie. Im Canadian Medical Association Journal (2016; doi: 10.1503 /cmaj.151421) werden die Vor- und Nachteile diskutiert.

Nachdem frühere Studien zur Früherkennung mit konventionellen Röntgenunter­suchungen erfolglos verliefen, konnte der National Lung Screening Trial des US-National Cancer Institute vor fünf Jahren erstmals einen Nutzen einer Früherkennung mittels Computertomographie aufzeigen.

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Die Studie hatte starke Raucher (mindestens 30 Packungsjahre) auf ein Screening mit einer niedrig dosierten Computertomographie oder einer Röntgenuntersuchung randomisiert. Nach drei jährlichen Untersuchungen und einer Nachbeobachtungszeit von 6,5 Jahren konnte im New England Journal of Medicine (2011; 365: 395-409) erstmals eine leichte Reduktion der Lungenkrebs- und der Gesamtmortalität doku­mentiert werden. Der Einfluss auf das Sterberisiko war gering. Das absolute Risiko, am Lungenkrebs zu sterben, wurde gerade einmal um 0,31 Prozent gesenkt, und auf 322 starke Raucher, die am Screening teilnahmen, kam einer, dem dadurch der Tod am Lungenkrebs erspart blieb (Number Needed to Screen).

Dennoch haben seit 2012 verschiedene US-Fachgesellschaften das Screening für Personen empfohlen, die die Einschlusskriterien des National Lung Screening Trial erfüllten, also starke Raucher im Alter von 55 bis 74 Jahren mit mindestens 30 Packungsjahren und die entweder weiter rauchen oder das Rauchen vor weniger als 15 Jahren gestoppt haben. Im Jahr 2013 schloss sich auch die einflussreiche US Preventive Services Task Force den Empfehlungen an. Sie rät starken Rauchern bis zum Alter von 80 Jahren zum dreimaligen Screening.

Die Canadian Task Force on Preventive Health Care um Gabriela Lewin von der Universität von Ottawa hat sich etwas länger Zeit gelassen. Ihre jetzt veröffentlichte Empfehlung ist zudem mit Vorbehalten verbunden. Das Screening könnte starken Rauchern nutzen, heißt es in der Empfehlung, die ausdrücklich als „schwach“ bezeichnet wird. Die Ärzte sollten mit ihren Patienten jedoch sorgfältig das Für und Wider eines Screenings diskutieren, heißt es in der jetzt publizierten Leitlinie.

Zu den Nachteilen des Screenings gehört eine erhebliche Rate von falsch-positiven Ergebnissen. Auf 1.000 Personen kamen im National Lung Screening Trial 391 Personen mit einem positiven Ergebnis in einer der drei Screening-Untersuchungen. Von diesen hatten allerdings nur 40 einen Lungenkrebs. Bei den übrigen 351 bestätigte sich der Verdacht bei den Nachuntersuchungen nicht.

Zum Ausschluss des Lungenkarzinoms sind invasive Untersuchungen wie Bronchoskopie oder Feinnadelbiopsie notwendig, die nicht ohne Risiken sind. Im National Lung Screening Trial erlitten 3 von 1.000 Patienten durch die Tests zur Abklärung des Krebsverdachts ernsthafte Komplikationen (weniger als 1 von 1.000 Personen starb allerdings an den Folgen).

Unklar ist nach Ansicht der kanadischen Fachgesellschaft derzeit der Anteil der Patienten, bei denen ein Lungenkrebs entdeckt wird, der aufgrund eines langsamen Wachstums oder einer spontanen Rückbildung nicht zum Tode führt. Die Task Force nennt hier einen nicht unerheblichen Anteil von 11 bis 26 Prozent. Angesichts dieser Risiken geht die Task Force davon aus, dass viele Raucher sich nach der Aufklärung durch den Arzt wohl gegen ein Screening entscheiden werden. Gleichwohl sollte allen starken Rauchern, die ein Screening wünschen, dieses auch angeboten werden. Dieser Ratschlag erfolgt in Kenntnis der Tatsache, dass vielerorts in Kanada die notwendige Ausrüstung zur Durchführung des Screenings nicht vorhanden ist.

In Deutschland wird derzeit keine Früherkennung empfohlen. Die Fachgesellschaften warten die Ergebnisse laufender Studien in Europa ab, zu denen neben der NELSON-Studie in den Niederlanden und Belgien, der DLCST-Studie in Dänemark und der ITALUNG-Studie in Italien auch die LUSI-Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums gehört. © rme/aerzteblatt.de

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