Politik

„Ohne Honorarärzte hätten Krankenhäuser in strukturschwachen Regionen große Probleme“

Donnerstag, 10. März 2016

Berlin – Seit mehr als zehn Jahren vermittelt das Unternehmen „Hire a Doctor“ Honorarärzte an Krankenhäuser. Geschäftsführer Michael Weber erklärt im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt, warum das deutsche Gesundheitssystem Honorarärzte braucht und was passieren würde, wenn es in Deutschland von heute auf morgen keine Honorarärzte mehr gäbe. 

Fünf Fragen an Michael Weber, Geschäftsführer von „Hire a Doctor“

DÄ: Warum ist es notwendig, dass Agenturen wie „Hire a Doctor“ Honorarärzte vermitteln?
Weber: Die Organisation eines Krankenhauses ist sehr komplex, gerade heute in Zeiten zunehmender Arbeits­verdichtung. Manchmal entstehen dabei Situationen, in denen mehr Ärzte gebraucht werden, als es bei der Planung der Abläufe notwendig erschien. Um die tägliche Arbeit dann verrichten zu können, brauchen Krankenhäuser Honorarärzte.

DÄ: Wenn das System nur noch mit Hilfe von Honorarärzten funktioniert, stimmt doch etwas am System nicht, oder?
Weber: Wenn Honorarärzte Stellen besetzen würden, die die Krankenhäuser eigentlich gerne langfristig besetzen würden, dann gäbe ich Ihnen Recht. Wenn sie aber gezielt eingesetzt werden, um die angestellten Ärzte zum Beispiel am Wochenende zu entlasten, dann ist das sehr sinnvoll.

DÄ: Wie hat sich denn der Bedarf an Honorarärzten in den vergangenen zehn Jahren verändert?
Weber: Bis 2012 ist die Zahl der eingesetzten Honorarärzte stark angestiegen, nach 2012 ist sie zurückgegangen, und derzeit stabilisiert sie sich wieder auf dem Niveau von 2010. Der Grund für den Rückgang war vor allem die Debatte um die Schein­selbst­ständigkeit von Honorarärzten. In dieser Zeit hat die Deutsche Rentenver­sicherung vermehrt Honorarärzte nachträglich als scheinselbstständig eingestuft. Krankenhäuser mussten dann die Sozialversicherungsbeiträge für diese Ärzte nachzahlen.

Deshalb haben sich die Krankenhäuser nach Alternativen umgeschaut und im Ergebnis vermehrt Ärzte als Zeitarbeiter sowie ausländische Ärzte eingestellt. Dass Kranken­häuser zuletzt wieder mehr Honorarärzte eingesetzt haben, könnte unter anderem mit den mangelnden Sprachkenntnissen mancher ausländischen Ärzte und den daraus entstehenden Problemen zusammenhängen.  

DÄ: Honorarärzte haben nach wie vor einen schlechten Ruf: Sie machen schnelles Geld und sind dann wieder weg, heißt es. Ist das ein Vorurteil?
Weber: Ich finde nicht, dass Honorarärzte grundsätzlich einen schlechten Ruf haben. Ich würde sagen, ihr Ruf ist ambivalent. Viele Krankenhausärzte schätzen Honorarärzte als eine willkommene Unterstützung in ihrem Alltag. Andere sind skeptisch. Das hat damit zu tun, welche persönlichen Erfahrungen die angestellten Ärzte mit Honorarärzten gemacht haben. Wir fragen übrigens sowohl die Krankenhäuser, denen wir Honorar­ärzte vermitteln, als auch die Honorarärzte selbst danach, wie zufrieden sie mit der Zusammenarbeit sind. Auf beiden Seiten liegt die Zufriedenheit bei über 90 Prozent. Das wäre gewiss nicht so, wenn die Honorarärzte im Krankenhaus nicht gut aufgenommen werden würden.

DÄ: Was würde mit dem deutschen Gesundheitssystem geschehen, wenn es von heute auf morgen keine Honorarärzte mehr gäbe?
​​Weber: Vor allem in strukturschwachen Regionen, aber auch in manchen Ballungs­zentren, würde es Krankenhäuser geben, die extreme Schwierigkeiten bekommen würden, ihren Versorgungsauftrag zu erfüllen. Denn in diese Gebiete vermitteln wir die meisten Honorarärzte. © fos/aerzteblatt.de

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