Medizin

Helico­bacter-Eradikation kann auch ohne Beschwerden indiziert sein

Donnerstag, 10. März 2016

Berlin – Eine Infektion mit dem Magenbakterium Helicobacter pylori erhöht langfristig das Risiko, an Magenkrebs zu erkranken. Die neu überarbeitete Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt eine Eradikationstherapie daher für bestimmte Risikogruppen, auch wenn die Betroffenen keine akuten Beschwerden haben.

Das erste Zeichen einer Helicobacter-Infektion ist häufig eine akute Gastritis. Geht diese – meist in der Kindheit unbemerkt – in eine chronische Entzündung über, kann es zu einer Reihe von Komplikationen kommen. Auf dem Boden der chronischen Gastritis entstehen bei jedem fünften Patienten Magenbeschwerden bis hin zu Geschwüren im Magen- und Zwölffingerdarm. Langfristig erhöht der Keim das Magenkrebsrisiko, und er ist auch für das MALT-Lymphom, einen seltenen Lymphdrüsenkrebs, verantwortlich.

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„Eine Eradikationstherapie lindert nicht nur die akuten Beschwerden bei einer Magenschleimhautentzündung, einem Magen- oder einem Zwöffingerdarmgeschwür. Sie hat auch das Potential, das Wiederauftreten von Geschwüren und die Entstehung eines Magenkarzinoms zu verhindern“, erläutert Peter Malfertheiner, Direktor der Universitätsklinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie in Magdeburg und einer der beiden Leitlinienkoordinatoren.

Die Fachgesellschaft rät bei nahen Verwandten von Magenkrebspatienten oder bei Menschen, die bereits eine Krebserkrankung in der Frühphase durchgemacht haben, zu einer Behandlung. Auch Patienten, die länger als ein Jahr Protonenpumpeninhibitoren einnehmen, sollten den Magenkeim entfernen lassen.

Außerdem sei bei Patienten, die ein erhöhtes Risiko für Magenblutungen haben, eine Helicobacter-Behandlung zu erwägen. „Die dauerhafte Einnahme von ASS oder bestimmten Rheumamedikamenten sollte Anlass sein, über eine vorsorgliche Beseitigung des Keims nachzudenken“, erklärte der Leitlinienkoordinator Wolfgang Fischbach, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau. Denn die Beseitigung des Keims könne das Risiko für Magenblutungen senken.

Voraussetzung für eine Behandlung sei der Nachweis des Keims, betont der Experte. Dafür sollten zwei Tests positiv ausfallen. Die neue Version der Leitlinie lässt jedoch auch eine Ausnahme zu: Wird der Keim bei einer Magenschleimhautentzündung in einer Gewebeprobe nachgewiesen, sind weitere Tests nicht mehr nötig. © hil/aerzteblatt.de

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