Politik

Deutscher Pflegerat fordert Bundespflegekammer

Donnerstag, 10. März 2016

Berlin – Der Präsident des Deutschen Pflegerates (DPR), Andreas Westerfellhaus, hat die Einrichtung einer Bundespflegekammer gefordert. „Spätestens 2017 ist der Zeitpunkt gekommen, an dem wir eine Bundespflegekammer haben müssen“, sagte er heute vor dem Beginn des 3. Deutschen Pflegetages in Berlin. Aufgabe der Kammer sei es dann, die Interessen der Landespflegekammern zu vertreten, die es bis dahin gibt, und diejenigen Bundesländer zu beraten, die noch nicht so weit seien. Es bedürfe dabei keiner bestimmten Anzahl an Landespflegekammern, die eingerichtet sein müssten, bevor es eine Bundespflegekammer geben könne. Bislang haben drei Bundesländer beschlossen, Landespflegekammern einzurichten. Diese Entwicklung sei unumkehrbar, meinte Westerfellhaus.

Zudem forderte der DPR-Präsident eine einheitliche Berufsordnung für die Pflege. Die Rahmenbedingungen für die Fortbildung und die Weiterbildung müssten die Pflegenden dabei selbst bestimmen. Darüber hinaus befürwortete er eine Aufnahme von Pflegevertretern in den Gemeinsamen Bundesausschuss.

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Laumann: „Die Pflege sollte auf Augenhöhe mit anderen Gesundheitsberufen agieren“
Der Pflegebeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann, teilte Westerfellhaus´ Meinung. „Wenn über die Pflege entschieden wird, sitzt die Pflege in der Selbstver­waltung gar nicht mit am Tisch. Gucken Sie sich mal die Bänke im Gemeinsamen Bundesausschuss an“, sagte er. „Die Pflege sollte auf Augenhöhe mit anderen Gesundheitsberufen agieren. Das tut sie zurzeit nicht ganz. Ich würde mir wünschen, dass wir mit der Einführung der generalistischen Pflegeausbildung einen Beitrag leisten, dass die Pflegeberufe noch enger zusammenrücken.“

Die Bundesregierung will mit dem Pflegeberufegesetz die heute getrennten Ausbil­dungen zur Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammenführen. In der vergangenen Woche stellten das Bundesgesundheits- und das Bundesfamilien­ministerium Eckpunkte zu einer entsprechenden neuen Ausbildungsverordnung vor. Vor allem manche Arbeitgeberverbände sowie Ärzteverbände kritisieren das Vorhaben. Kinderärzte und Geriater befürchten zum Beispiel, dass bei der Zusammenlegung der Ausbildungen das Fachwissen von Kinderkrankenpflegern und Altenpflegern in Teilen verloren geht.

In fünf Bundesländer gibt es in der Altenpflege noch Schulgeld
„So, wie es jetzt ist, kann es nicht bleiben“, betonte Laumann. „Es gibt noch fünf Bundesländer, in denen in der Altenpflege ein Schulgeld gezahlt wird. Und in zehn Bundesländern ist es so, dass die Pflegeeinrichtungen, die viel in die Ausbildung investieren, den Menschen, die in ihren Einrichtungen gepflegt werden, mehr Geld abnehmen müssen als diejenigen, die sich nicht um die Ausbildung kümmern. Das kann doch nicht so bleiben.“

Laumann: „Wer keine Tarifverträge hat, meint es nicht gut mit der Pflege“
Laumann deutete an, dass manche Arbeitgeberverbände das Gesetz aus seiner Sicht kritisieren, weil sie dann vielleicht höhere Löhne zahlen müssten. „Diejenigen, die sagen, wir wollen die Generalistik nicht, sind diejenigen, die keine Tarifverträge in der Pflege haben“, sagte er. „Unternehmen, die keine Tarifverträge wollen, meinen es nicht gut mit der Pflege. Von denen lasse ich mir keine Ratschläge für ein Pflegeberufsgesetz geben.“

Auch Westerfellhaus sprach sich für eine Generalisierung der Pflegeausbildung aus. „Es gab 40 Modellprojekte, in denen eine integrierte Ausbildung erprobt und evaluiert wurde. Und wir sind dazu gekommen, dass das der richtige Weg ist“, sagte er. „Wofür machen wir noch Modellprojekte, wenn Bedenkenträgern hinterher einfällt, man solle doch alles beim Alten lassen?“

Zehn Jahre werde mittlerweile über eine einheitliche Pflegeausbildung diskutiert. „Da kann man doch nicht sagen, wir hätten etwas übers Knie gebrochen“, betonte er. „Ich finde es skandalös, wenn die Bundesländer, die in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe mitgewirkt haben, die Reform jetzt auf Eis legen wollen.“ Der Bundesrat hatte vor kurzem gefordert, die Verabschiedung des Pflegeberufsgesetzes um ein Jahr zu verschieben.

Westerfellhaus: Befremdlich, dass sich die Ärzteschaft in die Diskussion einmischt
Westerfellhaus betonte in diesem Zusammenhang, dass „wir die Altenpflege oder die Kinderkrankenpflege nicht abschaffen, sondern durch eine gemeinsame generalistische Ausbildung mit Schwerpunktbildung ersetzen wollen“, die durch eine Stärkung der Fortbildung und Weiterbildung ergänzt werde. „Ich finde es befremdlich, dass sich die Arbeitgeber und auch die Ärzteschaft in die Diskussion um das Pflegeberufegesetz einmischen“, so Westerfellhaus weiter. „Stellen Sie sich vor, es wäre umgekehrt, und die Pflege würde sich in die Diskussion um die ärztliche Ausbildung einmischen.“

„Man muss diese Auseinandersetzung aushalten“, erklärte Laumann abschließend. „Ich bin fest davon überzeugt, dass das Gesetz dafür sorgen wird, dass der Pflegeberuf attraktiver wird.“

AOK befürwortet Pflegeberufegesetz grundsätzlich
Auch der AOK-Bundesverband befürwortet das Pflegeberufegesetz. „Wir brauchen eine höhere Durchlässigkeit in der Pflege, wir müssen Wettbewerbsnachteile für die Ausbildungsbetriebe beseitigen und das Schulgeld abschaffen“, sagte der Vorstands­vorsitzende des Verbandes, Martin Litsch. „Wir sind auch für eine höhere Akade­misierung, damit die Laufbahnen länger werden.“ Er kritisierte hingegen die geplante Finanzierung der Ausbildung und sprach sich für eine duale Finanzierung aus, bei der die Länder die Pflegeschulen zahlen und die Ausbildungsbetriebe die praktische Ausbildung. © fos/aerzteblatt.de

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