Medizin

Mammakarzinom: Verzicht auf Chemotherapie nach Gentest sicher

Sonntag, 13. März 2016

Mönchengladbach – Patientinnen mit HER2-negativem Mammafrühkarzinom können gefahrlos auf eine Chemotherapie verzichten, wenn ein Genexpressionstest eine niedrige Aggressivität des Tumors anzeigt. Das zeigen Teilergebnisse der planB-Studie, die auf der European Breast Cancer Conference (EBCC-10) in Amsterdam vorgestellt wurden.

An der planB-Studie hatten zwischen 2009 und 2011 insgesamt 3.198 Patientinnen mit einem HER2-negativen Mammafrühkarzinom teilgenommen, deren Tumor maximal drei Lymphknoten befallen hatte. Bei allen Teilnehmerinnen wurden Gewebeproben mit einem Gentest untersucht. Er bestimmt die Expression von 21 Genen, die in früheren Studien eine erhöhte Aggressivität des Tumors angezeigt hatten. Das Ergebnis ist ein Score von 0 bis 100 Punkten. Insgesamt 348 Frauen hatten einen Score von 11 oder weniger Punkten. Er zeigt ein so geringes Risiko auf ein Rezidiv an, dass den Frauen zu einem Verzicht auf eine adjuvante Chemotherapie geraten wurde. Die im Mittel 56 Jahre alten Frauen erhielten lediglich eine Hormonbehandlung.

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Nach einer Nachbeobachtungszeit von median 55 Monaten hat sich die Strategie als sicher erwiesen. Wie Oleg Gluz von der Westdeutschen Studiengruppe in Mönchen­gladbach berichtet, haben 94 Prozent der Frauen den Brustkrebs bisher ohne Rezidiv überlebt. In einer zweiten Gruppe, denen auf Grund eines Risiko-Scores von 12 bis 24 zu einer Chemotherapie geraten wurde, betrug das rezidiv-freie Überleben ebenfalls 94 Prozent, während in einer dritten Gruppe mit einem hohen Risiko-Score von 25 oder mehr, die ebenfalls eine Chemotherapie erhalten hatten, nur 84 Prozent der Patientinnen bisher ohne Rezidiv überlebten. In einer weiteren Analyse erwies sich der Risiko-Score als unabhängiger Prognose-Marker, der die Therapieentscheidung, die bisher auf Lymphknotenstatus, Tumorgröße, Differenzierungsgrad und der Bildung des Ki67-Proteins beruht, verbessern kann.

Die Westdeutsche Studiengruppe will die Patientinnen über weitere fünf Jahre begleiten, hat jedoch bereits mit einer Nachfolgestudie begonnen. In der ADAPT-Studie erhalten die Teilnehmerinnen – in Abhängigkeit ihres Risikoprofils – zunächst eine dreiwöchige Induktionstherapie. Danach wird anhand einer weiteren Untersuchung einer Gewebe­probe das weitere Vorgehen bestimmt. Gluz hofft, dass auf diese Weise 50 bis 60 Prozent aller Frauen mit Mammafrühkarzinom eine adjuvante Chemotherapie erspart werden kann, ohne dass dadurch ihre Überlebenschancen geschmälert werden.

Zu ähnlichen Ergebnissen wie die planB-Studie war im letzten Jahr die TAILORx Studie des National Cancer Institute gekommen. Dort war allerdings der Verzicht auf eine Chemotherapie an einen negativen Lymphknotenstatus gebunden. Die 5-Jahres-Rate einer krankheitsfreien Überlebenszeit betrug nach den im letzten Jahr publizierten Ergebnissen ebenfalls rund 94 Prozent. © rme/aerzteblatt.de

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