Ärzteschaft

Tod nach einem Sturz immer als „nicht-natürlich“ angeben

Montag, 14. März 2016

Berlin – Sterben Patienten nach einem Sturz – zum Beispiel von einer Leiter im Haushalt – müssen Ärzte als Todesart „nicht-natürlich“ angeben und die Polizei alarmieren. Darauf hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) hingewiesen. Die Fach­gesellschaft bezieht sich dabei auf einen Vortrag der Rechtmedizinerin Ricarda Arnold vom Universitätsklinikum Jena auf dem Alterstraumatologie Kongress 2016 in Marburg.

Gerade bei geriatrischen Patienten sind letale Stürze oft durch Faktoren wie Demenz, Mangelernährung, neurologische oder kardiale Erkrankungen bedingt. „Dann stehen Ärzte vor schwierigen Einzelfallentscheidungen, die immer wieder heiß diskutiert werden im Kollegenkreis“, so Arnold. Dabei sei die Rechtslage eindeutig.

Anzeige

Auf dem Totenschein muss bekanntlich neben der Todesursache – dem unmittelbar zum Tode führende Ereignis – auch die Todesart angeben werden. „Natürlich“ im Falle des Sterbens aus innerer, krankhafter Ursache wie Lungenentzündung, Krebs oder Herzinfarkt. „Nicht-natürlich“ durch äußere Faktoren wie Unfall oder Fremdverschulden.

„Im Falle eines Sturzes muss von Gesetzes wegen praktisch immer eine nicht-natürliche Todesart angegeben werden“, so die Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin.

Trotzdem scheuten sich einige Ärzte, „nicht-natürlich“ im Totenschein anzukreuzen. „Denn dann muss die Polizei alarmiert werden, was gerade für Kliniken mit vielen geriatrischen Patienten unter Umständen einen enormen Aufwand bedeutet“, so Arnold. Aber im Totenschein statt des Sturzes einfach einen anderen Aspekt des Ablebens anzugeben, sei keine Lösung: „Hat der Verstorbene eine Unfallversicherung abgeschlossen, könnte den Erben die Leistung entgehen“, erläuterte die Rechtsmedizinerin. Zumal nie auszuschließen sei, dass nicht doch ein Fremdverschulden vorliege, das erst die Ermittlungen der Polizei aufdeckten.

„Einer Studie zufolge werden jedes Jahr circa 2.000 Tötungsdelikte aufgrund ungenauer Leichenschauen übersehen“, betonte Arnold. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Ärzteschaft

Nachrichten zum Thema

23.11.16
Geriatrieversorgung: Ärztekammer Bremen beschließt Positionspapier
Bremen – Die Landesärztekammer (LÄK) Bremen will zukünftig die Versorgung geriatrischer Patienten verbessern. Eine Arbeitsgruppe hat dazu ein Positionspapier erarbeitet, das die Delegierten nun mit......
01.11.16
„Cranberry“-Kapseln beugen Harnwegsinfektionen in Studie nicht vor
New Haven – Die tägliche Einnahme von Kapseln mit Proanthocyanidin, das aus der amerikanischen Cranberry gewonnen wird, hat in einer randomisierten Doppelblindstudie Bewohnerinnen von Altersheimen......
18.10.16
Bayerische Hausärzte lehnen geriatrisches Versorgungskonzept der KBV ab
München – Der Bayerische Hausärzteverband (BHÄV) hat dem kürzlich vorgestellten Versorgungskonzept zur spezifischen geriatrischen Versorgung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) eine Absage......
05.10.16
Berlin – Die Vertragswerkstatt der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) hat ein Konzept für die wohnortnahe, sogenannte spezifische geriatrische Versorgung vorgestellt. Es soll die ambulante......
30.09.16
Alterssurvey: Mögliche Trendwende bei den unter 66-Jährigen
Berlin – In den letzten zwei Jahrzehnten haben sich die Altersbilder zum Positiven verändert. Problematische Aspekte gibt es dennoch. Der Anteil derer, die vor dem Ruhestand arbeitslos werden, wächst.......
21.09.16
Weltalzheimertag: Zu viele Demenzfälle bleiben unentdeckt
Berlin – Mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist im familiären Umfeld vom Thema Demenz betroffen. So das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Zentrums für Qualität in......
15.09.16
Alte Menschen benötigen nach Unfall ganzheitliche Betreuung
Berlin – Im Augenblick erleiden pro Jahr rund 700.000 hochbetagte Menschen hierzulande einen Bruch des Oberschenkels, der Wirbel oder der Arme. Die Behandlung der Senioren kann sich laut der Deutschen......

Fachgebiet

Anzeige

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige