Medizin

Reha: Resistente Bakterien in der Anschluss­heilbehandlung häufig

Dienstag, 15. März 2016

Ann Arbor- Die Hände von Patienten, die im Anschluss an eine Behandlung in einer Akutklinik in eine Reha-Klinik überwiesen wurden, waren in einer Studie in JAMA Internal Medicine (2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2016.0142) häufig mit multiresistenten Keimen besiedelt, die sich in der Reha-Klinik noch weiter ausbreiteten.

In den USA werden Patienten, die nach einer akuten Erkrankung nicht nach Hause entlassen werden können, in eine „Post–acute care facility“ (PAC) überwiesen, durchaus vergleichbar mit der deutschen Praxis einer Anschlussheilbehandlung in einer Rehaklinik (wenn auch einige Patienten in den PAC bei Bedarf langfristig stationär betreut werden). Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass nicht wenige Patienten die multiresistenten Keime, die sie in der Akutklinik erworben haben, mit in die Reha-Klinik bringen.

Anzeige

Dort sind die Chancen für eine weitere Ausbreitung günstig: Denn während die Patienten in der Akutklinik häufig an das Bett gefesselt sind, werden sie in der Reha-Klinik ermuntert, ihr Zimmer zu verlassen und an zahlreichen Aktivitäten teilzunehmen. Dort treffen sie auf andere Patienten und sie berühren die gleichen Gegenstände und Oberflächen mit den Händen. Die PAC-Patienten benötigen außerdem in vielen Tätigkeiten des täglichen Lebens pflegerische Unterstützung, was weitere Gelegenheiten zur Weitergabe der Erreger schafft.

Lona Mody on der University of Michigan Medical School in Ann Arbor hat während des Aufenthaltes in einer von sechs PAC mehrfach bakteriologische Abstriche von den Händen von 357 Patienten untersucht. Ergebnis: Schon beim Eintreffen in der PAC waren 24,1 Prozent der Patienten mit mehrfach Antibiotia-resistenten Bakterien (MDRO) besiedelt. Dies waren Methicillin-resistente Staphylococcus aureus, resistente-Gram-negative Bazillen oder Vancomycin-resistente Enterococcus, also in jedem Fall Problemkeime, die schwer behandelbare Infektionen auslösen können. 

Wie befürchtet, nahm die Besiedlung während des Aufenthaltes in der PAC sogar noch auf 34,1 Prozent zu. Das bedeutet, dass 10,1 Prozent der Patienten während der Anschlussheilbehandlung neu besiedelt wurden. Am Ende trugen zwei Drittel der Patienten, die mit MDRO aus der Akutklinik entlassen wurden, diese auch nach dem Ende der PAC-Behandlung noch an den Händen. 

Die Studie hat nicht untersucht, ob die Besiedlung mit den MDRO zu erneuten Krankheiten geführt hat. Nach Ansicht von Mody wird die Gefahr einer Übertragung gefährlicher Keime in den PAC jedoch derzeit unterschätzt und einer regelmäßigen Händedesinfektion sollte eine größere Bedeutung beigemessen werden.

© rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Dr.Bayerl
am Mittwoch, 16. März 2016, 08:48

Zum Foto rechts, vielleicht sollte man das austauschen!

Liebes Ärztblatt, zum Hände Waschen bitte vorher die Ärmel hochziehen.
Am Ende der Prozedur müssen nicht nur die Hände trocken sein sondern auch die Ärmel.
5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

29.06.16
Stuttgart – Kliniken in Baden-Württemberg haben im zweiten Halbjahr 2015 416 Patienten identifiziert, die Träger gramnegativer Erreger waren, die gegen alle vier klinisch relevanten Antibiotikagruppen......
28.06.16
Studie: Jede zweite ambulante Pflegekraft hat Kontakt mit multiresistenten Keimen
Berlin – Über die Hälfte aller ambulanten Pflegekräfte (57 Prozent) hat in den vergangenen zwölf Monaten Menschen versorgt, die mit einem multiresistenten Keim infiziert waren. Das geht aus einer......
10.06.16
Krankenhausinfek­tionen wirksam vorbeugen: Welche Rahmenbedingungen nötig sind
Wien – Wesentlich für den Erfolg in der Bekämpfung nosokomialer Infektionen sind die Überprüfung der eigenen Qualität und der Vergleich mit anderen Einheiten. Das unterstrichen mehrere Experten bei......
02.06.16
DKG empfiehlt Kliniken Initiative „Keine Keime“
Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) empfiehlt den Kliniken in Deutschland, die Initiative „Keine Keime“ zu übernehmen. Die Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen hatte „Keine......
04.05.16
Kopenhagen/Berlin/Hannover – Auf die Bedeutung einer verbesserten Handhygiene in Krankenhäusern und anderen Gesundheitseinrichtungen weist die Weltgesundheitsorganisation WHO zum Welt-Hygiene-Tag hin.......
25.04.16
C. difficile: Screening senkt Erkrankungsrate in Klinik
Montreal – Das Screening aller Neuaufnahmen hat in einer kanadischen Klinik mehr als die Hälfte aller Infektionen mit dem Problemkeim C. difficile verhindert. Die Maßnahme könnte sich laut der Studie......
29.03.16
Kupferoberflächen schützen vor gefährlichen Keimen
München – Massive metallische Kupferflächen besitzen nicht nur eine dauerhaft antimikrobielle Wirksamkeit gegen eine Vielzahl gramnegativer und -positiver Bakterien sowie gegen Viren, sondern können......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige