Medizin

Dravet-Syndrom: Cannabis-Wirkstoff senkt Anfallfrequenz bei angeborener Epilepsie

Dienstag, 15. März 2016

New York. Cannabidiol, ein psychoaktives Cannabinoid aus der weiblichen Hanfpflanze, hat in einer Phase 3-Studie die Anfallfrequenz bei Kindern mit Dravet-Syndrom gesenkt, einer angeborenen Epilepsie, die bereits im Säuglingsalter zu häufigen und oft refraktären Anfällen führt. Der britische Hersteller, der die noch nicht publizierten Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vorstellte, will in den USA eine Zulassung beantragen.

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Das Dravet-Syndrom ist eine relativ seltene frühkindliche Epilepsie. Die Häufigkeit wird auf 1:20.000-1:40.000 geschätzt, der Anteil an allen Epilepsien im Kindesalter beträgt etwa 3,5 Prozent. Ursache des erst 1978 von einer französischen Kinderärztin beschriebenen Syndroms sind verschiedene Gendefekte, die beispielsweise die Bildung eines Natriumkanals in der Membran der Nervenzellen stören, was die Anfallsbereitschaft deutlich erhöht. Kinder mit „schwerer myoklonischer Epilepsie des Säuglingsalters“ (SMEI) werden häufig auch unter einer Kombinationsbehandlung mit mehreren Antiepileptika nicht anfallsfrei. Die Anfälle können zum Status epilepticus und zum plötzlichen Tod (sudden unexpected death in epilepsy, SUDEP) führen.

Auch die 120 Teilnehmer einer Phase 3-Studie der Firma GW Pharmaceuticals, die sich auf die Entwicklung von Wirkstoffen aus der Cannabis-Pflanze spezialisiert hat, wurden zu Beginn der Studie mit im Durchschnitt drei anderen Antiepileptika behandelt, nachdem sie zuvor bereits mit vier anderen Wirkstoffen erfolglos behandelt worden waren. Die Kinder waren im Durchschnitt 10 Jahre alt, 30 Prozent waren jünger als 6 Jahre. 

Zu Beginn der Studie litten die Teilnehmer im Durchschnitt unter 13 Anfällen pro Monat. Während der 14-wöchigen Behandlung mit Epidiolex (Dosis: 20mg/kg/die) ging die Frequenz um 39 Prozent zurück, was ein signifikanter Vorteil gegenüber dem Placebo-Arm der Studie war, wo es zu einem Rückgang um 13 Prozent kann. Eine Reihe von Sensitivitätsanalysen des primären Endpunkts bestätigte laut der Pressemitteilung des Herstellers die Robustheit der Wirkung. Eine Publikation durch das Team um Orrin Devinsky vom Comprehensive Epilepsy Center am Langone Medical Center der Universität New York steht allerdings noch aus. Der Unterschied zwischen Epidiolex und Placebo soll sich bereits im ersten Monat der Behandlung gezeigt haben und dann über den gesamten Behandlungszeitraum weiter bestanden haben.

Die Verträglichkeit des Mittels, das der Hersteller aus den weiblichen Cannabispflanzen gewinnt, soll im Allgemeinen gut gewesen sein. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (die bei mehr als zehn Prozent der Patienten auftraten) waren: Schläfrigkeit, Durchfall, verminderter Appetit, Müdigkeit, Fieber, Erbrechen, Lethargie, Infektionen der oberen Atemwege sowie Krämpfe. Die meisten Nebenwirkungen waren mild oder moderat. Zu schwerwiegenden Komplikationen sei es bei zehn Patienten in der Epidiolex-Gruppe und bei drei Patienten in der Placebo-Gruppe gekommen. Acht Patienten im Wirkstoff-Arm brachen die Behandlung aufgrund von Nebenwirkungen ab im Vergleich zu einem Patienten im Placebo-Arm.

Das Präparat wurde von der US-Arzneibehörde als förderungswürdiges „Orphan Drug“ eingestuft und der Hersteller darf dank einer „Fast Track Designation“ auf eine baldige Entscheidung der FDA hoffen. Bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) besteht eine Orphan Drug Designation für die perinatale Asphyxie, einer weiteren angestrebten Indikation. Der Hersteller führt derzeit zwei weitere Phase 3-Studie zum Lennox-Gastaut-Syndrom und eine zur Tuberösen Sklerose durch, die ebenfalls mit epileptischen Anfällen einhergehen.

© rme/aerzteblatt.de

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kairoprax
am Mittwoch, 16. März 2016, 13:32

Bis 1992 wurden laut Wikipedia 172 Fälle von Dravet beschrieben


Grundsätzlich bin ich für eine Legalisierung von Cannabis und für eine breitere Verwendung von Cannabis in der Medizin, weil es sich auch mit dem Status als illegale Droge längst medizinische bewährt hat.

Allerdings spreche ich mich dagegen aus, daß man nicht eine Pflanze zum Einsatz bringt, die auch in unseren Breiten gedeihen würde, sondern synthetische Drogen, die ein Schweinegeld kosten und weniger wirksam sind.

Ich halte es auch für bedenklich, wenn man Studien über höchst seltene und außerdem sehr heterogen auftretende Krankheiten mit einen leiter infausten Verlauf heranzieht, wie das Dravet-Syndrom, anstatt sich an die verbreiteten Krankheiten der MS oder zahlreicher Krebserkrankungen zu wenden, bei denen der Cannabis-Einsatz sich bewährt hat, illegal angewandt oder nicht.

Erst letzte Woche hat eine kranker Cannabisanbauer von dem Karlsruher Amtsericht das Urteil bekommen, er dürfe selbst größere Mengen Cannabis anbauen, wenn es seiner Gesundheit dient.
Dies geschah unter Berufung auf § 34 StGB "rechtfertigender Notstand".

http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/cannabis--mann-von-karlsruher-gericht-trotz-besitz-von-fast-einem-kilo-gras-freigesprochen-6744312.html
Dr Math
am Dienstag, 15. März 2016, 22:53

CBD allenfalls schwach psychoaktiv

Cannabidiol (CBD), was die Anfallshäufigkeit senkt, ist nicht, oder allenfalls sehr gering, psychoaktiv. Die Information ist so, wie sie im Aerzteblatt ist, falsch.
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