Medizin

Schwangerschaft: Body-Mass-Index, Glukose und Blutdruck beeinflussen Geburtsgewicht

Mittwoch, 16. März 2016

Bristol/Exeter – Adipöse Frauen und solche mit einem hohen Blutzucker bekommen häufiger Kinder mit einem erhöhten Geburtsgewicht. Ein erhöhter Blutdruck senkt laut einer genetischen Studie im amerikanischen Ärzteblatt JAMA (2016; 315: 1129-1140) dagegen das Geburtsgewicht, während der Fettstoffwechsel und auch ein Gestations­diabetes oder ein Typ 2-Diabetes an sich keinen Einfluss haben.

Es ist seit längerem bekannt, dass übergewichtige oder adipöse Frauen häufiger Kinder mit einem erhöhten Geburtsgewicht gebären. Ein Diabetes gilt ebenfalls als Ursache für eine Makrosomie des Kindes. Die betroffenen Schwangeren weisen jedoch zumeist noch andere potenzielle Risikofaktoren auf. Dazu gehören erhöhte Blutfette oder ein erhöhter Blutdruck. Die sogenannte Mendelsche Randomisierung bietet in epide­mio­logischen Studien die Möglichkeit, die einzelnen Risikofaktoren getrennt voneinander zu betrachten und zu quantitativen Aussagen zu den einzelnen Risikofaktoren zu kommen.

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Rachel Freathy von der Universität Exeter und Debbie Lawlor von der Universität Bristol konnten für ihre Untersuchung auf die Daten von etwa 30.000 Frauen zurückgreifen, die an genom-weiten Assoziationsstudien teilgenommen hatten. Teilweise waren auch ihre Kinder untersucht worden. In den Studien werden Zusammenhänge zwischen Genvarianten und bestimmten Eigenschaften hergestellt. Freathy und Lawlor interessierten sich für Body-Mass-Index, Blutzucker, Fettwerte und Blutdruck.

Die Studie ergab, das zwei potenzielle Risikofaktoren tatsächlich das Geburtsgewicht erhöhen. Dies waren das Körpergewicht und der Blutzucker. Jeder Anstieg des Body-Mass-Index um 4 Punkte war mit einem Anstieg des Geburtsgewichts um 55 Gramm assoziiert. Ein Anstieg des mütterlichen Nüchternblutzuckers um 7,2 mg/dl war mit einem Anstieg des Geburtsgewichts um 114 Gramm verbunden. Ein erhöhter Blutdruck der Mutter führte dagegen zu einem niedrigeren Geburtsgewicht des Kindes: Pro 10 mm Hg waren es 208 Gramm weniger Geburtsgewicht.

Alle anderen Faktoren hatten keinen Einfluss, auch nicht ein Gestationsdiabetes oder ein Typ 2-Diabetes. Nicht die Tatsache, dass bei der Mutter das Hormon Insulin eine verminderte Wirkung zeigt (die Insulinresistenz ist die Ursache der beiden Diabetes­formen), ist nachteilig für das Kind. Allein die mit dem Diabetes einhergehenden höheren Blutzuckerspiegel lösen die Wachstumsimpulse beim fetalen Organismus aus.

Auch die Triglyzeridwerte der Mutter oder ihr HDL-Cholesterin und das Fettzellen­hormon Adiponectin hatten einen Einfluss auf das Geburtsgewicht des Kindes. Für einen Vitamin D-Mangel lässt sich ein steigernder Einfluss auf das Geburtsgewicht nicht ganz ausschließen. Die Assoziation war zwar nicht signifikant, aber tendenziell vorhanden. Freathy und Lawlor raten hier weitere Untersuchungen abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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